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Breitband-Ausbau in Oberösterreich nur im Schneckentempo

LINZ. Der Ausbau des schnellen Internets in Oberösterreich gleicht einer Fahrt mit angezogener Handbremse. Der Grund dafür ist, dass der Förder-Landkarte Daten der Internet-Anbieter zugrunde gelegt wurden, die in vielen Fällen mit der Realität nicht übereinstimmen. Viele Gebiete sind demnach mit ausreichend Breitband-Internet versorgt, in Wirklichkeit stimmt das aber nicht.

Breitband-Ausbau in Oberösterreich mit angezogener Handbremse

Es könnte schneller gehen mit dem Ausbau des Glasfasernetzes in Oberösterreich. Bild: dpa/Peter Kneffel

Der Ausbau des schnellen Internets in Oberösterreich gleicht einer Fahrt mit angezogener Handbremse. Vor allem auf dem Land. Es ist eine äußerst verzwickte Situation: Einerseits gäbe es jetzt vom Bund die berühmte "Breitband-Milliarde", um vor allem in ländlichen (und somit betriebswirtschaftlich uninteressanten) Gebieten schnelles Internet (Downloadrate von mindestens 100 Mbit/s) zu bringen.

Andererseits ist der zugrunde gelegte Förder-Atlas trotz Nachbesserungen aufgrund von Protesten schlicht gesagt falsch. "Ein Fiasko", sagt ein mit der Sache Vertrauter. Der Grund dafür ist, dass der Förder-Landkarte Daten der Internet-Anbieter – hier vor allem der Telekom Austria – zugrunde gelegt wurden, die in vielen Fällen mit der Realität nicht übereinstimmen.

Datenbasis stimmt nicht

"Der Breitband-Atlas ist völlig falsch", bringt es Manfred Litzlbauer, der bei der Energie AG den Internet-Ausbau vorantreibt, auf den Punkt. Anders gesagt: Viele Gebiete sind laut Förder-Atlas ausreichend mit Breitband-Internet versorgt, in Wirklichkeit stimmt das aber nicht. Solche Gebiete dürfen aber nicht mehr gefördert werden. Die Folge: "Es gibt viele schlecht versorgte Gebiete, die nicht im Atlas stehen, die sich ohne Förderung nicht betriebswirtschaftlich ausbauen lassen. Mit Förderung würden wir das sehr wohl machen", so Litzlbauer. Die Oberösterreicher seien zwar momentan "Internet-Muffel, denen E-Mail und eine Google-Abfrage reichen", aber "in Zukunft braucht jeder Glasfaser", ist Litzlbauer überzeugt.

"Immer mehr Häuslbauer und Private fordern wie bisher nur Unternehmen eine Anbindung an das ultraschnelle Internet", sagt Wirtschaftslandesrat Michael Strugl im Gespräch mit den OÖNachrichten. Arbeiten von zu Hause, intelligente Haustechnik, Internet-Fernsehen und Bildungsangebote sind Dienste, die Private nutzen wollen. Ist das nicht verfügbar, wollen sie sich erst gar nicht ansiedeln.

Der Bedarf werde wesentlich schneller kommen als die Oberösterreicher vermuten. "Das erhöht natürlich den Druck, schnell in die Fläche zu kommen mit der Glasfaser", so Strugl. Aus dem Dilemma mit dem Breitband-Atlas komme man nicht heraus. Also hat das Land das Breitband-Büro personell aufgestockt, um die Gemeinden intensiv in der Förderabwicklung zu schulen. Darüber hinaus erwägt Strugl eine andere Möglichkeit, den Glasfaser-Ausbau zum Endverbraucher zu beschleunigen: Eine eigene Landesgesellschaft, die in Gebieten schnelles Internet zu den Bewohnern bringt, die sonst nicht versorgt würden. Diese wäre dann auch Eigentümerin der Infrastruktur. "Die Zeit verrinnt, die Gemeinden graben Kanal-Anbindungen – leider ohne Leerrohre für das Internet", sagt Strugl.

Ein entgegengesetztes Phänomen rundet das schräge Bild des Internet-Ausbaus in unserem Bundesland ab: In etlichen Gemeinden graben zwei oder drei Internet-Anbieter quasi parallel Glasfaser-Leitungen in Siedlungen bis zur Grundstücksgrenze. Eine Förderung bekommt zwar maximal ein Betreiber. Doch fragt sich der überversorgte Häuslbauer nach der volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit der doppelten Infrastruktur.

Schließlich käme ja auch niemand auf die Idee, zwei oder drei Stromleitungen zu den Häusern zu legen.

 

Breitband-Förderung in Oberösterreich

In Oberösterreich ist jede Gemeinde mit einem Glasfaser-Knotenpunkt für ultraschnelles Internet versorgt. Die Schwierigkeit ist die teure „letzte Meile“ zum Endkunden. Für Oberösterreich wurden Projekte zum Ausbau im Umfang von 100 Millionen Euro eingereicht (Access-Förderung) – ein dreifach überzeichnetes Förderbudget.
Bei der so genannten Backhaul-Förderung (Anschluss von Insellösungen wie Mobilfunkstationen) wurden Projekte von fast 30 Millionen Euro beantragt – das Förderbudget wurde hier nur zu 92 Prozent ausgeschöpft.

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Artikel Ulrike Rubasch 23. Mai 2016 - 00:04 Uhr
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