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Bezahlen wir in Zukunft mit dem Auge?

LINZ. Der scheinbar simple Vorgang des Bezahlens ist zu einem heiß umkäm pften Markt geworden Banken, Kreditkarten-Firmen, Internet-Riesen und kleine Start-ups  kämpfen um die Vorherrschaft.

Bezahlen wir in Zukunft mit dem Auge?

Der Iris-Scan ist eine der Möglichkeiten, sich beim Bezahlen im Internet eindeutig zu identifizieren. Bild: colourbox

Bei der Diskussion, wie wir in Zukunft zahlen werden, landet man unweigerlich bei der Frage: Wird das Bargeld abgeschafft? Für Gerald Gruber, Österreich-Chef des US-Kreditkartenkonzerns Mastercard, ist das die falsche Frage. Der Online-Handel wachse in Österreich zweistellig. Allein deshalb brauche man künftig eine Bezahl-Art, die einfach, sicher und vertrauenswürdig ist. Bei einem Seminar gestern in der Linzer Tabakfabrik wagte Gruber einen Blick in die Zukunft des digitalen Bezahlens.

Derzeit gebe es 300 verschiedene Bezahlarten im Online-Handel. Teilweise basieren diese auf Kreditkarten, oft haben sie aber schon einen direkten Durchgriff auf das Girokonto des Kunden. Wer oder was sich letztendlich durchsetzen wird, ist völlig offen. Einen Königsweg zu sicherem und bequemem Zahlen im Internet gibt es offenbar noch nicht.

Sicheres digitales Bezahlen beginnt damit, dass sich der Kunde eindeutig identifizieren kann. "Biometrie ist ein spannendes Thema. Wir beschäftigten uns intensiv damit", sagt Gruber. Der Fingerabdruck ist ebenso eine Möglichkeit wie der sogenannte Iris-Scan, also die Identifikation über die Regenbogenhaut des Auges. Beides wird bereits zum Entsperren von Smartphones in der Praxis verwendet.

Auch das "Internet der Dinge" wird die Welt des Zahlungsverkehrs massiv verändern. Als Beispiel nannte Gruber, dass sich das Auto und die Zapfsäule an der Tankstelle "kurzschließen" und den Bezahlvorgang abwickeln.

Junge zahlen mit dem Handy

Entscheidend für die Etablierung von neuen Bezahlsystemen ist die junge Generation. Die sei eher bereit, etwa mit dem Smartphone zu bezahlen, so Gruber. Bei den Älteren sind die größten Barrieren der Mangel an Vertrauen, oder es fehlt schlicht an den technischen Voraussetzungen, nicht nur auf Seiten des Kunden, sondern auch auf der Seite der Händler.

Bewegung in das Thema Zahlungsverkehr bringt eine EU-Richtlinie, die nächstes Jahr in Kraft treten wird (siehe Kasten). Sie zwingt die Banken, Dritten Zugang auf Kontodaten ihrer Kunden zu gewähren, wenn diese das ausdrücklich erlauben.

Damit können Dienstleister, vom kleinen Start-up mit einer guten Idee bis hin zu den Internet-Konzernen Amazon, Google oder Facebook, in die bisherige Domäne der Banken eindringen. Die US-Riesen sind nicht zuletzt auch an den Daten interessiert, die Konsumenten beim Einkauf im Internet hinterlassen.

Für die Banken bedeutet das, sich künftig mit ganz neuen Mitbewerbern herumzuschlagen. Der Zahlungsverkehr ist für die Banken vor allem deshalb so wichtig, weil Kunden, die bei einer Bank ein Girokonto haben, meist dort auch ihre für die Bank lukrativeren Geschäfte machen, sei es einen Kredit aufzunehmen oder ihr Geld dort anzulegen.

Wird das Bargeld obsolet?

Wenn erst einmal digitales Bezahlen in der Bevölkerung breit verankert ist, welche Zukunft hat dann das Bargeld noch? Gruber glaubt nicht, dass es in absehbarer Zeit vollständig verdrängt wird. Tatsache sei aber, dass das Bargeld in Österreich jährliche Kosten von 150 Euro pro Kopf verursacht. Einer Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zufolge verwenden wir jährlich acht Stunden nur damit, uns Bargeld beim Bankomat zu besorgen.

Auch die Zukunft des stationären Handels wird stark davon abhängen, in welche Richtung sich das digitale Zahlen entwickelt. Viele kleinere Händler sind zwar mit einem Online-Shop im Internet vertreten, viele Kunden brechen aber ihren Kaufvorgang ab, weil ihnen der Bezahlvorgang zu kompliziert ist. Heute seien die "Millennials", also jene Leute die nach 2000 geboren wurden, eine Minderheit. In 20 Jahren sind diese und die nachfolgenden Jahrgänge aber in der Mehrheit. Dies müsse man als Händler im Auge behalten, so Gruber.

 

EU-Richtlinie PSD2

Die nächstes Jahr in Kraft tretende EU-Richtlinie „Payment Service Directive 2“ wird die Banken zwingen, auf Kundenwunsch Dritten Zugang zu den Kontodaten ihrer Kunden zu gewähren.

Diese Drittanbieter werden aller Voraussicht nach von der Finanzmarktaufsicht kontrolliert, und sie brauchen ein Zertifikat dafür.

Experten sind überzeugt, dass dieses neue Regelwerk der EU die Art, wie Bankkunden künftig bezahlen werden, von Grund auf und nachhaltig verändern wird. Manche sprechen sogar von einer Revolution.

Die EU verspricht sich von dieser Öffnung des Marktes für Zahlungsverkehrsdienste, dass Geldtransfers im Binnenmarkt billiger, bequemer und sicherer werden.

Die Banken sehen das aber auch als Chance und wollen ihre Position verteidigen.

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Artikel Hermann Neumüller 07. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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