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Auch bei Verbleib im CERN-Projekt:
Österreich scheitert an Forschungsziel

LINZ/WIEN. Österreich wird das EU-Ziel verfehlen, die Forschungsquote bis 2010 auf drei Prozent zu steigern. Daran kann ein Verbleib im CERN-Projekt nichts mehr ändern.

Grafik Forschungsausgaben

Bild: OÖN Grafik

Ein Ausstieg aus dem Europäischen Kernforschungszentrum wäre ein Schlag gegen das Bemühen von Wirtschaft, öffentlicher Hand und Wissenschaft gewesen, Österreich zum Forschungsstandort internationalen Zuschnitts zu entwickeln und innovative Unternehmen wie Spitzenforscher anzulocken.

„Ein Ausstieg aus der Forschung ist nie gescheit. Es gibt Möglichkeiten, anderswo zu sparen, nicht bei der Forschung“, sagt Oberösterreichs Industriellen-Präsident Klaus Pöttinger.

Österreich wird auch mit CERN das Lissabon-Ziel der EU verfehlen, nämlich mit Forschungsausgaben in der Höhe von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Beschäftigung und Wachstum anzukurbeln. So sollte die Volkswirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) sind Basis hoher Produktivität.

Krise erhöht die Hürde

Die neue Bundesregierung bekannte sich im November 2008 in ihrem Programm noch zu dem Ziel. Mehr noch: Bis 2020 solle die Forschungsquote auf vier Prozent steigen. Für 2009/2010 wurden zusätzliche 320 Millionen Euro aus Bundeskassen versprochen, z. B. im Rahmen der Konjunkturpakete.

Die Annahme, dass der krisenbedingte Rückgang des BIP es erleichtere, die Drei-Prozent-Hürde zu schaffen, erweist sich als Irrtum. „Ein Minus beim BIP von einem Prozent lässt die unternehmerischen F&E-Ausgaben um rund 1,5 Prozent sinken“, erklärt Wolfgang Polt von der Grazer Forschungsgesellschaft Joanneum. Da die Wirtschaftsleistung heuer um drei bis vier Prozent sinken könnte, würde das die Forschung auf einen Schlag um 4,5 bis sechs Prozent zurückwerfen.

In Summe sind die Zahlen dann nicht erbaulich, wie die Statistik Austria jüngst feststellte: Seit 2004 war Österreich vorbildhaft und steigerte seine F&E-Ausgaben im Schnitt um 9,4 Prozent pro Jahr. Heuer dürfte das Plus nur 1,8 Prozent betragen (Erhöhung der öffentlichen Mittel, minus Einsparungen in der Wirtschaft). Trotzdem dürften die Unternehmen mit einem Anteil von 45 Prozent noch den Großteil der Forschungsbudgets stellen. 2008 waren es noch 48,6 Prozent.

In der Industrie war der Ärger groß, dass Wissenschaftsminister Johannes Hahn mit seiner Ankündigung, aus dem Forschungsprojekt CERN in Genf auszusteigen, gerade in dieser kritischen Phase ein weiteres negatives Signal gegeben hat. „Österreich erhielte damit international als Forschungsstandort einen schwarzen Punkt“, sagt Klaus Pöttinger. In Genf wären überdurchschnittlich viele Österreicher aktiv. Die Früchte jahrelanger Arbeit und hohen Geldeinsatzes wären verlorengegangen.

Zu geringe Effizienz

Hahn wollte den Ausstieg, um die Mittel in effizientere Projekte umzuschichten. Eine so gravierende Änderung bräuchte aber eine „fundierte Diskussion“ und mittel- bis langfristige Konzepte, sagte Knut Consemüller, Präsident des Rates für Forschung und Technologie. Österreich investiere derzeit überdurchschnittlich viel in F&E, bei unterdurchschnittlichen Ergebnissen.

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Artikel Von Josef Lehner 19. Mai 2009 - 00:04 Uhr
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