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Alte MCE hat viele Eigentümer ertragen, jetzt zerschlägt Bilfinger die Gruppe

Erste Firmenverkäufe der österreichischen Bilfinger-Beteiligungen stehen bevor.

Alte MCE hat viele Eigentümer ertragen Jetzt zerschlägt Bilfinger die Gruppe

Kraftwerksspezialist VAM bekommt neuen Eigentümer Bild: VAM

Vorweg: Dass die wichtigsten österreichischen Bilfinger-Gesellschaften jetzt zum Verkauf stehen, ist nicht dem Unvermögen des heimischen Managements zuzuschreiben. Im Gegenteil: Die heimischen Firmen haben die Gewinnmarge (solange der Konzern positive Zahlen schrieb) stets positiv beeinflusst. Da sie aber der verlustreichen Kraftwerkssparte zugeordnet sind, stehen sie auf einer Verkaufsliste. Der deutsche Konzern, der sich vom Baukonzern zum Industriedienstleister gewandelt hat, macht mit 65.400 Mitarbeitern 6,4 Milliarden Euro Umsatz.

Betroffen vom Bilfinger Ausverkauf sind – wie berichtet – Bilfinger VAM Anlagentechnik mit Zentrale in Wels, Bilfinger Maschinenbau mit Sitz in Linz und die Bohr- und Rohrtechnik in Wien. Allein diese drei Gesellschaften sind mit etwa 1200 Mitarbeitern für rund 300 Millionen Euro Umsatz verantwortlich und stehen für den halben Bilfinger-Österreich-Umsatz.

Anders als ursprünglich geplant, wird nicht mehr nach einem Übernehmer gesucht. Die Firmen werden einzeln verkauft. Das wird von mehreren Insidern bestätigt. Damit stehen die seit 1989 in der damaligen MCE zusammengefassten österreichischen Teile des Bilfinger-Konzerns vor der Zerschlagung. 16 Einzelgesellschaften machen mehr als 600 Millionen Euro Umsatz und beschäftigen 3000 Arbeiter und Angestellte. Sie kamen erst 2010 mit dem Kauf der heimischen MCE AG zu Bilfinger.

Inzwischen wurde auch die Verkaufsliste länger: Denn unlängst hat Bilfinger seine Aktionäre damit überrascht, dass es auch für Firmen, die ursprünglich nicht zum Verkauf stehen, Interesse gibt. Auch in diesem Paket sind heimische Firmen dabei. So steht auch jenes Unternehmen, das der Gruppe einst den Namen gab, vor dem Verkauf. Dabei handelt es sich um die Bilfinger MCE. Heute baut die Firma Stahlbrücken und Stahlanlagen, etwa für Vorrichtungen zur Struktur- und Ausrüstungsmontage für Flugzeugbauer wie Airbus.

Bei der MCE und der Schwesterfirma Bohr- und Rohrtechnik in Wien wird von mehreren Seiten als wahrscheinlicher Käufer der Perger Baukonzern Habau genannt. Vor allem im Pipelinebau könnte die Bohr- und Rohrtechnik eine gute Ergänzung sein. Auch die Brückenbauexpertise der MCE passe gut zur viertgrößten Baufirma in Österreich. Habau will zu Gerüchten keine Stellung beziehen. Der burgenländische Konkurrent Stahlbau Unger dürfte aus dem Rennen sein.

Für diese Gesellschaften dürfte der Verkaufsprozess auch schon weiter fortgeschritten sein als etwa bei der VAM. Kenner sprechen von einem Abschluss noch im Februar – falls der ausverhandelte Preis vom Konzernvorstand akzeptiert wird.

Mit mehr als 900 Mitarbeitern und sechs Standorten in Österreich und zwei im Ausland ist die VAM Anlagentechnik der größte Verkaufskandidat. Derzeit werde eine Liste potenzieller Kaufinteressenten erstellt, ist zu hören. Aus Österreich wären nur wenige Unternehmen passend. Der Kraftwerksanlagenbauer Andritz wäre jedenfalls potent genug – für den wären die Bau- und Montageleistungen der VAM eine Ergänzung. Auch der Name des Industrieanlagenbauers Kremsmüller aus Steinhaus fällt – allerdings mit dem Nachsatz, dass der Kauf eine Nummer zu groß sein könnte.

 

Chronologie

1989: Die Verstaatlichte wird neu strukturiert: Die Machinery, Construction & Engineering (MCE) wird gegründet. Böse Zungen behaupten, darin wurden alle Firmen geparkt, die in keine andere Sparte passten. Eine lange Geschichte davor hat die VAM, die schon in der Monarchie unter dem Namen Rumpel Wasserversorgungsanlagen baute.

2001: Die damalige VA Tech konzentriert ihre Aktivitäten und verkauft die MCE an den Auslandsösterreicher Gerhard Andlinger.

2007: Erneut bekommen die MCE-Firmen einen neuen Eigentümer: Der Finanzinvestor, Deutsche Beteiligungs AG (DBAG), wird alleiniger Gesellschafter.
Dezember 2009: Die Bilfinger Berger Industrial Services übernimmt die MCE AG.

2010/2011: Die einzelnen Gesellschaften der MCE AG werden unterschiedlichen Geschäftsfeldern der Bilfinger SE zugeordnet.

2012: Die österreichischen Firmennamen werden sukzessive geändert, allen wird der Konzernname Bilfinger vorangestellt.

Sommer 2014: Immer höhere Verluste des Konzerns werden nach dem Abgang des Vorstandschef Roland Koch bekannt.

Juni 2015: Der neue Vorstandschef Per Utnegaard gibt einen Sanierungskurs und den Verkauf der Kraftwerkssparte bekannt.

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Artikel Sigrid Brandstätter 20. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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