Mit ihrem mickrigen Gehalt als Teilzeitkraft konnte sich Violaine (38) die Fortbildung nicht leisten, die ihr besser bezahlte Jobs verschafft hätte. Alle Banken hatten abgewunken, wenn die kaufmännische Angestellte einen Kreditantrag stellte. Nicht solvent und keine Sicherheiten – mit solchen Kunden ist aus Bankensicht kein Geschäft zu machen.
Inzwischen aber büffelt Violaine eifrig für ihre Prüfung zur Außenhandels-Kauffrau. Ein Mikrokredit der Stadt Paris streckte die 3000 Euro Ausbildungskosten vor – zu Zinssätzen, wie sie keine normale Bank bietet. Violaine ist eine der ersten, die bei der Bank des städtischen Pfandleihhauses im historischen Marais-Viertel einen Mikrokredit beantragte und auch genehmigt bekam.
Einen finanziellen „Schubs“ will Paris mit den Kleinkrediten all jenen bieten, die von den normalen Banken als kreditunwürdig eingestuft werden. Zwischen 300 und höchstens 3000 Euro, in besonders dramatischen Fällen sogar 5000 Euro, werden mit vier Prozent Zinsen gewährt. Bei pünktlicher Rückzahlung innerhalb von 36 Monaten sind nur zwei Prozent Zinsen fällig. Die andere Hälfte übernimmt dann die Stadt.
Mehr Arme, mehr PfandleiheMitten in der globalen Finanzmarktkrise mit milliardenschweren Stützungspaketen für angeschlagene Banken wollte der linke Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë ein Zeichen setzen. Denn auch im glitzernden Paris steigt die Zahl der Armen, die Pfandleihhäuser werden immer mehr.
Anfangs hatten sich der Projektmanager Bernard Candiard und seine Zuarbeiter noch strikte Kriterien für die Kreditvergabe ausgedacht. Aber die Anfragen Bedürftiger führten schnell dazu, dass die Kreditbedingungen heute recht flexibel gehandhabt werden.
Ein 82-jähriger Witwer mit einer Kleinrente, der dringend Geld für den Grabstein seiner verstorbenen Ehefrau brauchte, bekam ebenso einen Mikrokredit wie der 48-jährige Frührentner Christian, dem das Geld für die Reparatur seiner zerbrochene Brille fehlte. 400 Euro, rückzahlbar in 14 Raten, gewährte ihm die Bank der Pariser Pfandleihe.
2000 Anträge vor VergabeDas ist gewiss weit entfernt von der Ursprungsidee der Mikrokredite, die der Wirtschaftsprofessor Muhammed Yunus in Bangladesch Anfang der siebziger Jahre ins Leben gerufen hatte. Ihm ging es vor allem darum, Armen mit Kleinstkrediten dabei zu helfen, sich eine berufliche Existenz aufzubauen. In Paris zielen die Mikrokredite eher darauf ab, Bedürftige mit tatsächlich Notwendigem – vom Computer bis zum Führerschein – zu versorgen.
1000 Kleinkredite in Paris und 1000 weitere in der Hauptstadtregion Ile-de-France sollen in den nächsten Monaten vergeben werden.
Ein 82-jähriger Witwer mit einer Kleinrente, der dringend Geld für den Grabstein seiner verstorbenen Ehefrau brauchte, bekam ebenso einen Mikrokredit wie der 48-jährige Frührentner Christian, dem das Geld für die Reparatur seiner zerbrochene Brille fehlte. 400 Euro, rückzahlbar in 14 Raten, gewährte ihm die Bank der Pariser Pfandleihe.
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