„Warum?“ – diese Frage steht auf zahlreichen Plakaten an der inzwischen zu einer Art Pilgerstätte gewordenen Unglücksstelle in Duisburg. Während sich die Stadt gestern noch auf die heutige Trauerfeier vorbereitete, nahm der Druck auf Bürgermeister Adolf Sauerland, zurückzutreten, auch aus der eigenen Partei zu.
Der seit 2004 amtierende Sauerland lehnt einen Rücktritt ab und will über persönliche Konsequenzen erst entscheiden, wenn die Ursache des Unglücks geklärt ist. Dies dürfte noch Monate dauern.
Die Kölner Polizei zog 60 Beamte in einer Ermittlungskommission zusammen. Sie werteten eine Flut an Informationen aus, darunter auch zahlreiche Fotos und Videos, sagte eine Sprecherin. Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Von den mehr als 500 Verletzten waren gestern noch 25 in Krankenhäusern.
Sauerland hat angekündigt, nicht zur Trauerfeier zu erscheinen. Er tue dies aus „hohem Respekt vor den Angehörigen der Opfer“, hatte er in einem Zeitungsinterview gesagt. Bei seinem jüngsten öffentlichen Auftritt war der Politiker ausgebuht worden, inzwischen steht er unter Polizeischutz. Am Donnerstag hatten mehrere hundert Demonstranten vor dem Rathaus der Ruhrgebietsstadt seinen Rücktritt gefordert. Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen von Polizei und Feuerwehr in den Wind geschlagen zu haben. Er hat dies zurückgewiesen.
Zu der Trauerfeier werden Zehntausende Menschen erwartet. Neben zahlreichen Angehörigen aus dem Ausland – den Herkunftsländern von acht Todesopfern – werden in der Salvatorkirche auch Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und zahlreiche Minister erwartet.
Da in der Kirche nur etwa 600 Menschen Platz haben, wird der ökumenische Gottesdienst auch außerhalb übertragen, so etwa im Stadion des MSV Duisburg. Die Tribüne des Fußball-Zweitligisten bietet für etwa 30.000 Menschen Platz.
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