Die Polizei fand die Babyleichen in dem 650-Einwohner Dorf Villers-au-Tertre in zwei Gärten vergraben. „Es waren ganz normale Leute“, erzählen Nachbarn, die nicht glauben mögen, was sich nahezu unter ihren Augen abgespielt hat. Wenn sich die Aussagen bewahrheiten, wäre das der schlimmste Fall von Kindestötungen in Frankreich seit 30 Jahren.
Die Frau ist so dick, dass eine Schwangerschaft kaum auffällt. Sie arbeitet als Krankenpflegerin. Ihr Ehepartner ist Zimmermann. Er gilt im Dorf als hilfsbereiter Heimwerker, der sofort kommt, wenn jemand um Hilfe bittet. Im Gemeinderat sitzt er auch. Beide sind Mitglied des Festkomitees, das für diesen Samstag ein Dorffest organisieren wollte. Sie haben zwei erwachsene Töchter und bereits zwei Enkelkinder.
In den vergangenen Jahren hatten die beiden auf dem Bauernhof gewohnt, der den Eltern der Frau gehörte. Als diese gestorben waren, verkauften sie das Gelände und zogen innerhalb des Dorfes um. Als die neuen Besitzer im Garten eine Grube aushoben, machten sie den grausigen Fund: Plastiksackerln mit Knochen. Experten fanden heraus, dass sie von Neugeborenen stammten, die vor etwa zehn Jahren zur Welt gekommen waren. Es lag nahe, die früheren Bewohner des Hauses zur Rede zu stellen.
Die Frau habe umgehend gestanden, dass es ihre Kinder seien, die sie getötet habe – und dass es noch weitere Leichen gebe. „Sie erklärte, dass sie keine Kinder mehr gewollt habe und keinen Arzt mehr aufsuchen wollte, um sich Verhütungsmittel verschreiben zu lassen“, sagte Staatsanwalt Eric Vaillant. Die Frau befinde sich in Gewahrsam und soll psychiatrisch untersucht werden.
Mann hat nichts bemerkt
Ihr Mann sei freigelassen worden und stehe momentan nicht unter Anklage, sagte der Staatsanwalt. Er habe auch ausgesagt, nichts von den Schwangerschaften seiner Frau bemerkt zu haben. Das Paar hat zwei erwachsene Töchter, die mittlerweile auch befragt wurden. Über ihre Aussagen war gestern aber nichts bekannt.
„Jemand, der so etwas tut, hat möglicherweise den Wunsch, schwanger zu sein ohne gebären zu wollen“, sagte der Psychiater Pierre Lamothe, der sich mit dem Phänomen Kindstötungen beschäftigt. Aber es zeige auch, dass niemand etwas habe bemerken wollen. „Man fragt sich, wie das so viele Male geschehen konnte. Die Blindheit scheint sich auf Familie und Nachbarn ausgedehnt zu haben.“ (koltermann)