Das Plakat zeigt sein Profil, Adolf Sauerland lacht. Ein feister Mann mit Bart, Seitenscheitel, rahmenloser Brille und blau-weißem Schal – Sauerland ist Fan des Fußballvereins MSV Duisburg. „Einer von uns. Adolf Sauerland. Ihr Oberbürgermeister für Duisburg. CDU.“ Das war 2009, Sauerland machte Werbung für die Kommunalwahlen im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland, Nordrhein-Westfalen. Wenige Monate davor hatten die CDU-Delegierten den einstigen Oberstudienrat eines Berufskollegs der Nachbarstadt zum Bürgermeisterkandidaten gewählt – mit 100 Prozent der Stimmen. Im Spätsommer gewann Sauerland erneut die Wahl in Duisburg. Schon 2004 hatte er sich in der einst roten Hochburg gegen die SPD durchgesetzt.
Seit vergangenem Samstag ist alles anders. Sauerland ist in den Augen etlicher Duisburger nicht mehr „einer von uns“. Und Sauerland, seit 1980 Mitglied der Christdemokraten, ist nicht länger einer der Hoffnungsträger der Konservativen im Ruhrgebiet: Der gebürtige Duisburger hatte sich für den Bau einer der größten Moscheen Deutschlands eingesetzt und er wollte seine Stadt 2013 erneut die World Games ausrichten lassen, die Weltspiele der nichtolympischen Sportarten. In Duisburg, pleite und mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 13 Prozent, sollte etwas los sein. Und in jenem Jahr, in dem Duisburg zur „Kulturhauptstadt 2010“ gehört, musste freilich auch die weltgrößte Tanzveranstaltung stattfinden, auch wenn Sicherheitsmängel bekannt waren.
„Mit Duisburg verbindet die Welt jetzt 20 Todesopfer bei einem friedlichen Musikfest. Und die Duisburger haben etwas, wofür sie sich wirklich schämen müssen: Für ihren Oberbürgermeister Adolf Sauerland“, kommentierte das Boulevard-Blatt „Bild“ die Katastrophe der Loveparade. Mittlerweile ist ein weiterer Besucher gestorben. Der 55-jährige Sauerland soll sich nun ohne Bodyguards nicht mehr aus dem Haus trauen, die Familie des zweifachen Vaters nicht mehr in Duisburg sein. Dass er mit Müll beworfen worden sei, dafür habe er Verständnis, hatte Sauerland Anfang der Woche erklärt. Nun wird von Morddrohungen berichtet.
Sauerland ist getroffen. Seine Homepage ist schwarz hinterlegt und zeigt nur eine Seite mit persönlicher Stellungnahme. Von Rücktritt ist nach wie vor nicht die Rede, das käme einem Schuldeingeständnis gleich – genau das fordern viele von ihm. „Danke, Herr Sauerland, für diesen Imagegewinn“, ist auf einem Plakat am Unglücksort zu lesen. Es ist eines der freundlicheren.
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