Nach Angaben eines Sprechers des saudischen Innenministeriums wurden die fünfjährige Lydia und die vierjährige Anna in einem jemenitischen Dorf gefangengehalten, das sich nur wenige Kilometer südlich der gemeinsamen Grenze befindet. Diese ist in der Bergregion des Jebel el Duchan meist nicht markiert. Die Befreiungsaktion sei mit der jemenitischen Regierung abgesprochen worden. Warum anstelle jemenitischer Sicherheitskräfte saudische Geheimdienstagenten eingreifen mussten, wurde vom Sprecher des Riader Innenministeriums nicht erklärt. Über das Schicksal der übrigen Familienmitglieder wollte oder konnte er keine Angaben machen.
Lydia und Anna hatten zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder Simon von der nordjemenitischen Bezirkshauptstadt Saada aus einen Ausflug in ein nahegelegenes Wadi gemacht, als sie von Unbekannten verschleppt wurden. Der Gruppe aus Sachsen hatten sich auch zwei deutsche Bibelschülerinnen, eine Südkoreanerin und ein britischer Ingenieur angeschlossen. Sieben Stunden nach der Entführung fanden die jemenitischen Behörden die Leichen der drei Frauen. Einige Wochen später tauchten Videoaufnahmen auf, auf denen die drei erschöpft wirkenden Kinder der sächsischen Familie zu sehen waren.
Widersprüchliche Aussagen
Für den Tod der beiden Bibelschülerinnen, die in einer deutschen Bibelschule ausgebildet wurden und ein Praktikum in einem Krankenhaus von Saada absolvierten, macht die jemenitische Regierung das Terrornetzwerk Al Qaida und die schiitischen Huthi-Rebellen verantwortlich. Europäische Diplomaten in Sanaa vermuten inzwischen, dass die Frauen sowie auch die Eltern der beiden Mädchen bei einer „fehlgeschlagenen Befreiungsaktion“ jemenitischer Sicherheitskräfte getötet wurden. Die Regierung in Sanaa, betonte ein Diplomat, habe sich nach der Entführung „in zahlreiche Widersprüche verwickelt“ und „häufig nicht die Wahrheit gesagt“. Um sich „von jeder Schuld reinzuwaschen“ habe Sanaa die Huthis und Al Qaida bezichtigt. Beide Gruppierungen hätten aber „niemals gemeinsame Sache“ gemacht. Sprecher der Huthis bestreiten energisch, mit der Geiselnahme etwas zu tun zu haben.
Gefährliche Missionsversuche
Die deutsche Botschaft in Sanaa hatte die deutschen Bibelschülerinnen ausdrücklich vor ihrer Mission im Krankenhaus von Saada gewarnt. Die „wiedergeborenen Christinnen“ hätten die Mahnungen aber ignoriert. Aus verlässlichen Quellen ist zu erfahren, dass sie sich nicht nur auf die Krankenhausarbeit konzentrierten, sondern „engagiert missionierten“, was im Jemen streng verboten ist. In dem erzkonservativen Land wird das Abfallen vom Islam mit dem Tode bestraft.
Westliche Gewährsleute in Sanaa gehen davon aus, dass das „Engagement der frommen Bibelschülerinnen nicht verborgen blieb“. Ob diese Missionstätigkeit der Grund der Entführung war, ist bis heute nicht geklärt.
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