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Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg: 70 Jahre Schlacht von Stalingrad

MOSKAU. 70 Jahre nach der Kesselschlacht von Stalingrad soll aus dem Gedenken an das blutigste Gefecht des 2. Weltkriegs ein Versöhnungsfest werden.

Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg: 70 Jahre Schlacht von Stalingrad

Deutsche Soldaten nach der Kapitulation am 2. Februar 1943, mehr als 100.000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft. Bild: (dpa)

Zum Staatsakt am morgigen Samstag, zu dem Russlands Präsident Wladimir Putin erwartet wird, reisen auch Nachkommen deutscher Soldaten in die Millionenstadt an der Wolga.

Für Hitler-Deutschland bedeutete die vernichtende Niederlage den Wendepunkt: Der Angriffskrieg wurde zu einem Verteidigungskrieg, der zwei Jahre später in Berlin verloren ging. Nachdem die deutsche 6. Armee im Herbst 1942 zunächst 90 Prozent von Stalingrad erobert hatte, begannen die Sowjets am 19. November eine Gegenoffensive.

Sie führte zur Einkesselung und schließlich am 2. Februar 1943 zur Kapitulation der deutschen Truppen. Etwa 150.000 Deutsche starben bei Kämpfen oder bei Temperaturen von minus 43 Grad an Kälte und Hunger. 110.000 Mann gerieten in Gefangenschaft, aus der nur 6000 zurückkehrten. Die Zahl der toten Sowjets wird auf mindestens 500.000 geschätzt.

Hoher Preis auch für Rote Armee

Um welch hohen Preis der Triumph errungen wurde, wagten russische Historiker erst seit dem Ende der Sowjetunion 1991 zu hinterfragen. Nicht nur Hitler, auch Sowjetdiktator Josef Stalin opferte Hunderttausende Menschenleben.

„Die Kriegsführung der Roten Armee war sehr verlustreich, Tausende wurden sinnlos in den Tod geschickt“, sagte der Militärhistoriker Sergej Leonow. Widerstand in der Truppe habe es nicht oft gegeben, da unter Stalin der Heldenkult extrem stark ausgeprägt gewesen sei. „Zudem wurden Befehlsverweigerer sofort erschossen“, so Leonow.

Dass Stalingrad für Soldaten beider Seiten die Hölle war, ist längst bekannt. Jetzt freigegebene Notizen sowjetischer Soldaten zeichnen ein schärferes Bild. Ihm sei es vorgekommen, als habe „die Erde tagelang Feuer geatmet“, berichtete etwa Hauptmann Nikolai Axojonow. Jeder Soldat wollte „so viele Deutsche wie möglich umbringen“, beschrieb der Offizier vor seinem Tod in Stalingrad.

„An keinem anderen Ort in Europa hat es im 2. Weltkrieg ein solch verbissenes Ringen gegeben“, sagte der Historiker Thomas Vogel bei einer Stalingrad-Ausstellung, die noch bis 30. April 2013 im Militärhistorischen Museum Dresden läuft.

„Ein Ort von Todfeindschaft“

„Stalingrad war ein Ort von Hass und Todfeindschaft“, erzählt der Veteran Wassili Matenkow. „Auch ich habe Deutsche getötet – weil ich es musste“, sagte der 90-Jährige jüngst dem russischen TV-Sender „Westi“. Mittlerweile sei Wolgograd aber zu einem Symbol für Versöhnung geworden. „Der deutsch-russische Soldatenfriedhof Rossoschka gilt seit der Einweihung 1999 als leuchtendes Zeichen“, sagte Matenkow.

Wolgograd heißt kurzfristig wieder Stalingrad

70 Jahre nach der Schlacht von Stalingrad wird die russische Stadt Wolgograd für die Feiern zum Gedenken an den Zweiten Weltkrieg wieder ihren alten umstrittenen Namen tragen. Das Parlament der Millionenstadt an der Wolga billigte einen Antrag von Veteranen, die Heldenstadt morgen sowie an einigen weiteren Gedenktagen wieder Stalingrad zu nennen.
 
Wolgograd ist heute eine wichtige Industriemetropole am Unterlauf der Wolga. Mit mehr als einer Million Einwohnern zählt das ehemalige Stalingrad zu den 15 größten Städten Russlands. Im Zweiten Weltkrieg war die Stadt, die etwa 1000 Kilometer südlich der russischen Hauptstadt Moskau liegt, während der monatelangen Häuserkämpfe völlig zerstört worden. Heute erinnert nur noch die Ruine der einst von einem Deutschen gebauten Mühle an die Verwüstungen in der „Heldenstadt“. In den Nachkriegsjahren bauten Architekten das Stadtzentrum im neoklassizistischen Stil auf. Selbst die Stadtbücherei kam nicht ohne mächtiges Säulenportal aus.
 
Die blutige Vergangenheit ist auf den Plätzen und in vielen Straßennamen allgegenwärtig. An zahlreichen Stellen erinnern Heldendenkmäler sowie ausgestellte T34-Panzer und Kampfflieger an den Sieg der Roten
Armee.
 
Zentraler Gedenkort ist der Mamajew-Hügel, auf dem eine 87 Meter hohe Figur der Mutter Heimat mit erhobenem Schwert thront. In einer Halle brennt – wie auch auf dem Platz der gefallenen Kämpfer im Stadtzentrum – eine „Ewige Flamme“ zum Gedenken an die Hunderttausenden Opfer der Schlacht.
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Artikel 01. Februar 2013 - 00:05 Uhr
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