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Syrische Armee eroberte Palmyra zurück

PALMYRA. Die syrischen Regierungstruppen haben die Oasenstadt Palmyra vollständig zurückerobert und der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) damit eine schwere Niederlage beigefügt. Die historische Stadt soll wieder aufgebaut werden.

Palmyra Bild: (AFP)

Die Armee habe die für ihre antiken Ausgrabungsstätten berühmte Stadt nach heftigen nächtlichen Kämpfen gänzlich unter ihre Kontrolle gebracht, sagte ein Militärvertreter in Palmyra am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Dschihadisten hätten sich zurückgezogen. Sowohl die als Weltkulturerbe gelisteten Ausgrabungsstätten als auch die angrenzenden Wohngebiete seien wieder unter Kontrolle der Armee, sagte der Militärvertreter einem AFP-Korrespondenten in Palmyra. Die IS-Kämpfer seien in ihre Hochburgen Suchnah, Raqqa und Deir Essor im Osten und Norden Syriens zurückgewichen. Experten der Armee seien dabei, dutzende Sprengsätze und Minen in der antiken Stadt zu entschärfen.

Die Einnahme von Palmyra ist ein wichtiger militärischer Erfolg für die syrische Armee und eine schwere Niederlage für die Jihadisten. Diese hatten Palmyra im vergangenen Mai erobert. In den folgenden Monaten schockierten sie die Welt durch brutale Hinrichtungen in den Ruinen der antiken römischen Stadt und die Zerstörung mehrerer Tempel, Grabmäler und Skulpturen. Palmyra wird von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt.

Unesco will Kriegsschäden sichten

Die Unesco will sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden in der historischen Oasenstadt entsenden. Die Organisation der Vereinten Nationen werde am 4. April über einen Besuch beraten, sagte die russische Unesco-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa am Sonntag in Moskau.

Die Kommission soll auch über eine mögliche Wiedererrichtung zerstörter Denkmäler beraten. "Erst brauchen wir einen völligen Überblick. Die Terroristen haben den berühmten Triumphbogen sowie antike Tempel und Statuen zerschlagen und einen Teil der Anlage vermint", sagte Mitrofanowa im Rundfunk.

Regierung will Palmyra wieder aufbauen

Die syrische Regierung will die teilweise zerstörte Unesco-Weltkulturerbestätte Palmyra nach ihrer Befreiung von der Terrormiliz IS rekonstruieren. "Wir werden die zerstörten Tempel in einer Weise wieder aufbauen, die ihre historische Identität bewahrt", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag den Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde, Mamoun Abdul-Karim.

Für die Rekonstruktion sollen demnach originale Felsblöcke sowie neue aus den Steinbrüchen der Umgebung benutzt werden. Der IS hatte die Stadt im Mai 2015 von der syrischen Armee eingenommen. Seitdem sprengten die Jihadisten den rund 2000 Jahre alten Baal-Tempel, den Baal-Shamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, den Triumphbogen und einen Teil der berühmten Säulenstraße.

Antike Perle in der syrischen Wüste

Palmyra gilt als antike Perle der syrischen Wüste, doch wurden seit ihrer Eroberung im vergangenen Mai durch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat"(IS) einige ihrer größten Schätze zerstört. Für viele berühmte Bauwerke kommt die Rückeroberung der Stadt zu spät. So sind der Baal-Tempel, der kleinere Tempel von Baalshamin, der prachtvolle Triumphbogen und mehrere antike Grabtürme zerstört worden.

Der Name Palmyra bedeutet Stadt der Palmen und wurde erstmals im 19. Jahrhundert vor Christus erwähnt. Damals war die Stadt eine Station für Karawanen auf der Seidenstraße nach Asien. Ihr eigentlicher Aufstieg begann nach der Eroberung durch die Römer im ersten Jahrhundert vor Christus.

Bald schon entwickelte sich die Stadt dank des Handels mit Gewürzen, Seide und Duftstoffen aus dem Osten sowie Statuen und Glaswaren aus Phönizien zu einer luxuriösen Metropole.

Im Jahr 129 nach Christus erklärte der römische Kaiser Hadrian Palmyra zur "freien Stadt" innerhalb seines Reiches. Vor der Verbreitung des Christentums wurde die Dreifaltigkeit Baal, Jarhibol (Sonne) und Aglibol (Mond) angebetet. In dieser Epoche entstanden die berühmten Tempel zu Ehren des babylonischen Gottes Baal - dem Äquivalent von Zeus - und des phönizischen Himmelsgotts Baalshamin. Beide Tempel wurden Ende August von den IS-Extremisten in die Luft gesprengt.

Als das Römische Reich im dritten Jahrhundert zu bröckeln begann, erklärte Palmyra sich für unabhängig. Römische Truppen im Westen und persische Truppen im Osten wurden in einer Revolte Zenobias zurückgeschlagen, die dann Königin wurde. Bis zum Jahr 270 eroberte Zenobia ganz Syrien und Teile Ägyptens und stand an der Schwelle Kleinasiens. Doch als der römische Kaiser Aurelian die Stadt wieder einnahm, wurde die mächtige Königin nach Rom gebracht und Palmyra verlor an Bedeutung.

Das zum UNESCO-Welterbe zählende Palmyra liegt 210 Kilometer nordöstlich von Damaskus im Herzen der syrischen Wüste und ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten des Landes. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ruinen und bewunderten die lange Säulenstraße, den Triumphbogen, die Tempel und die mehr als 500 Grabmäler der Nekropole. Ein Dutzend Grabtürme wurde von der IS-Miliz gesprengt.

 

Die schwersten Niederlagen für die IS-Miliz seit Anfang 2015

Lange Zeit schien es so, als ob der Vormarsch der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak nicht zu stoppen sei. Doch inzwischen werden die Extremisten immer weiter zurückgedrängt, die Regierungstruppen haben ihre Hochburgen Raqqa in Syrien und Mossul im Irak im Visier. Ein Überblick über die wichtigsten Verluste für die IS-Miliz seit Jänner 2015:

  • Kobane: Nach einer Reihe von Siegen erleidet die IS-Miliz im kurdischen Kobane am 26. Jänner 2015 ihre erste, große Niederlage. Kurdische Kämpfer vertreiben die Jihadisten - unterstützt durch US-Luftangriffe - aus der Stadt in der Nähe der Grenze zur Türkei. Vier Monate erbitterter Kämpfe waren dem Sieg vorausgegangen.
  • Tikrit: Die Heimatstadt des einstigen irakischen Machthabers Saddam Hussein wird am 31. März 2015 von irakischen Regierungstruppen und schiitischen Milizen zurückerobert. Die Militäroperation in Tikrit, damals der größte Einsatz irakischer Soldaten gegen die IS-Miliz, wird dadurch einfacher, dass die meisten der 200.000 Einwohner aus der Stadt geflüchtet sind.
  • Sinjar: Kurdische Einheiten im Irak vertreiben die IS-Kämpfer am 13. November 2015 aus der Stadt Sinjar nordwestlich von Bagdad. Damit wird auch ein entscheidender Nachschubweg für die Jihadisten zwischen ihren Stellungen in Syrien und im Irak unterbrochen. Die IS-Miliz hatte Sinjar im August 2014 erobert und war danach brutal gegen die kurdischen Yeziden in der Region vorgegangen. Massaker, Vergewaltigungen und Versklavungen von yezidischen Frauen lösten weltweit Entsetzen aus.
  • Ramadi: Irakische Truppen erobern am 8. Dezember 2015 wichtige Bereiche der sunnitischen Stadt Ramadi im Irak. Zwei Wochen später, unterstützt von US-Luftangriffen, erreichen die Regierungseinheiten das Zentrum der Hauptstadt der Provinz Anbar, die seit Mai von der IS-Miliz besetzt war.
  • Palmyra: Syrische Regierungstruppen unterstützt durch russische Luftangriffe nehmen am 27. März 2016 die antike Wüstenstadt Palmyra wieder vollständig ein. Damit bereiten sie der IS-Miliz in Syrien ihre bis dahin schwerste Niederlage. Mit Palmyra geht den Jihadisten de facto auch die syrische Wüste bis zur Grenze zum Irak verloren. Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert und danach mehrere antike Tempel, den prachtvollen Triumphbogen und Grabmäler zerstört, die von der UN-Kulturorganisation Unesco als Weltkulturerbe geführt wurden.
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Artikel nachrichten.at/apa 27. März 2016 - 08:18 Uhr
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