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Schwere Stunden für viele Jecken

KÖLN. Deutschland: Viele Karnevalsumzüge abgesagt – in Köln hieß es trotzdem "Kölle Alaaf!".

Schwere Stunden für viele Jecken

Im Gegensatz zu anderen deutschen Städten ließen sich gestern in Köln viele das Feiern des Rosenmontags nicht nehmen. Bild: Reuters

Keine Arbeit, keine Schule – im Westen Deutschlands ist der Rosenmontag einzig für die "Jecken" da, wie die "Faschingsnarren" im Rheinland heißen. Normalerweise geht es am Rosenmontag schon in der Früh los. Aufwändig geschmückte Festwagen fahren durch die Stadt, begleitet von kostümierten Jecken und Funkenmariechen in ihren Uniformen. Von den Wagen werden mehrere Tonnen Süßigkeiten in die Menge geworfen. Begeistert sammeln die Kinder nicht nur Zuckerln, sondern auch ganze Schokoladetafeln ein.

Umso schlimmer ist es für Tausende Feierwütige, dass die traditionellen Karnevalsumzüge in Düsseldorf, Dortmund und einigen anderen Städten kurzfristig abgesagt wurden. Das Sturmtief "Ruzica" macht den Faschingsnarren einen Strich durch die Rechnung (Meteorologen rechneten mit schweren Sturmböen im ganzen Bundesland Nordrhein-Westfalen).

"Unheimlich traurig"

Man sei "unheimlich traurig", hieß es etwa aus Münster. Monatelang bereiten sich Karnevalsvereine auf die sogenannte fünfte Jahreszeit vor – eine Absage ist für die Faschingsnarren ein Drama. "Die Sicherheit geht einfach vor", sagte Rolf Jungenblut, der Präsident des Bürgerausschusses Münsterscher Karneval.

Möglicherweise wird der Karnevalsumzug deshalb im Frühsommer nachgeholt. In Düsseldorf beispielsweise war das vor 26 Jahren schon einmal der Fall. Auch damals wurde der Umzug abgesagt, die Stadt feierte dann bei strahlendem Sonnenschein im Mai. Es gehe nicht anders, war aus Düsseldorf am gestrigen Montag zu hören. Da die Wagen zu einem Großteil aus Pappe seien, wäre das bei Sturm und Wind sehr gefährlich.

Die Kölner entschieden indes anders. In der Hauptstadt des Karnevals hieß es: "D’r Zoch kütt", der Zug kommt, inklusive des Narrenrufs "Kölle Alaaf!" Der "Wedderjott" (Wettergott) konnte die Kölner nicht verschrecken, wie eine Teilnehmerin sagte. Dem Regen wurde getrotzt, viele Jecken erschienen im Regenschutz.

Pferde waren diesmal aber keine zu sehen. Das Wetter hätte die Tiere unberechenbar machen können. Eigentlich hätten 500 Pferde am mehrere Kilometer langen Zug mitgehen sollen. Auch besonders große Figuren, Fahnen und Trageschilder in den Fußgruppen wurden nicht zugelassen.

Mehr Anzeigen

Um Übergriffe wie zu Silvester möglichst verhindern zu können, hatte die Stadt zudem die Zahl der Polizisten deutlich erhöht. Am vergangenen Donnerstag – "Weiberfastnacht", der Beginn des Karnevals – waren der Polizei mit 22 Sexualdelikten allerdings um 13 mehr gemeldet worden als 2015. Der Polizeidirektor führt die gestiegene Anzeigenzahl auf eine veränderte Anzeigenbereitschaft in der Bevölkerung zurück.

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Artikel Christine Zeiner 09. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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