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Russland feiert Stalingrad als „christliches Heilsereignis“

MOSKAU. 70 Jahre nach der Schlacht herrscht in Russland Stalingrad-Fieber. Politik und Kirche versuchen, den Sieg über die Wehrmacht in ein „christliches Heilsereignis“ umzudeuten.

Die letzten Tage in der Hölle von Stalingrad 

Feldmarschall F. Paulus, Generalleutnant A. Schmidt, Oberst W. Adam bei ihrer Gefangennahme am 31.1. 1943. Bild: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

Die Feiern zum 70-jährigen Jubiläum der Schlacht von Stalingrad haben ganz Russland erfasst. Gestern empfing Präsident Putin 300 Veteranen der Schlacht im Kreml. In Wolgograd, Sankt Petersburg und Tschita kursieren Autobusse mit Stalin-Porträts und der Aufschrift „Für die Heimat, für den Sieg!“ Der Stadtrat in Wolgograd hat beschlossen, die Metropole solle künftig am 2. Februar und anderen Feiertagen wieder Stalingrad heißen. Vizepremier Dmitri Rogosin hatte den Namen Stalingrad bereits per Twitter befürwortet. Allerdings sprachen sich bei einer Meinungsumfrage im Herbst 60 Prozent der Russen gegen die Rücktaufe aus. Der Politologe Boris Meschujew ist dagegen. Er glaubt, eine Umbenennung wäre vor allem politische PR, das Regime versuche, die Heldentaten der Vergangenheit für seine Zwecke zu nutzen.

Im Gegensatz zur Sowjetzeit wird nicht mehr gegen die „revanchistische BRD“ gehetzt. An den Feiern in Wolgograd nehmen der deutsche Botschafter, Wehrmachtsveteranen und das Osnabrücker Symphonie-Orchester teil. Bei den Kämpfen um die Stadt waren auf beiden Seiten zwischen 700.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben gekommen.

Gleichzeitig bemühen sich nationalistische Publizisten ebenso wie russisch-orthodoxe Geistliche und Regierungspolitiker, den Sieg der Roten Armee zum christlichen Heilsereignis umzudeuten. Schon vergangenen Oktober hatte Patriarch Kyrill dazu aufgerufen, die „heiligen Grenzen“ des Vaterlandes so standhaft zu verteidigen wie die Vorfahren bei Stalingrad. „Unsere Großväter wurden zur Waffe in den Händen Gottes im Kampf gegen den Teufel“, erklärte Kulturminister Medinski. Wären die Sowjet-Soldaten nicht gewesen, hätten die Nazis ganz Polen in Auschwitz verwandelt und ganz Russland in Birkenau. Alexander Prochanow, Chefredakteur der nationalistischen Wochenzeitung Sawtra, feiert die Schlacht von Stalingrad als Wiederkehr Christi. „Stalingrad ist für die Menschheit ein Ort, so heilig wie Jerusalem“, schreibt er.

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Artikel OÖN 02. Februar 2013 - 00:04 Uhr
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