26. September 2011 - 00:04 Uhr · · Weltspiegel

Papst forderte von Katholiken absolute Vatikan-Treue ein

Papst forderte von Katholiken absolute Vatikan-Treue ein - Papst Benedikt XVI.

Bild: EPA

FREIBURG/ERFURT. Papst Benedikt XVI. beendete gestern seinen Staatsbesuch in seiner Heimat Deutschland. Vor 100.000 Gläubigen in Freiburg mahnte er die katholische Kirche in Deutschland zur Einheit und zur Treue zu Rom.

Er winkte, segnete Kinder, lächelte den Gläubigen zu: Papst Benedikt XVI. wurde gestern von rund 100.000 Gläubigen begeistert zur Heiligen Messe am Freiburger Flugplatz empfangen. Es war der letzte Besuchstag des Pontifex in Deutschland und der letzte Auftritt vor einem so großen Publikum. Die Gläubigen bereiteten dem Papst bei der Fahrt im Papamobil über das Gelände einen bejubelten Empfang.

Eindringlich warnte das 84-jährige katholische Kirchenoberhaupt in seiner Predigt vor „religiöser Routine“ in der Kirche. „Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun kommt es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens“, sagte Benedikt. Er kritisierte vor allem „kirchliche Routiniers“, die in der Kirche nur noch den Apparat sähen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre. „Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers.“ Der Papst mahnte eine weiterhin „treue“ Verbundenheit der Kirche in Deutschland mit dem Heiligen Stuhl ein.

Keine Kompromisse

Bei den Begegnungen mit seinen Landsleuten gab sich der Papst beim viertägigen Besuch in seiner Heimat alles andere als kompromissbereit. Für Protestanten und aus seiner Sicht ungerechtfertigt modernisierungswütige Katholiken fand er eher schroffe Worte. Mangelnde Religiosität und eine „Verdünnung“ des Glaubens prangerte er hingegen bei mehreren Gelegenheiten an.

Am Samstagabend hatte der Papst mit 30.000 Jugendlichen in Freiburg ein stimmungsvolles Abendgebet bei Kerzenlicht abgehalten. Davor war er mit Vertreten der orthodoxen Kirchen sowie auf eigenen Wunsch mit dem deutschen Alt-Kanzler Helmut Kohl zusammengetroffen.

Gespräch mit fünf Opfern

Ein Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern in Erfurt am Freitagabend hatte besonderes Aufsehen erregt. Im Priesterseminar sprach er unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine halbe Stunde mit zwei Frauen und drei Männern, die von Priestern oder in katholischen Heimen sexuell missbraucht worden waren. Ein solches Treffen gehörte nicht zum offiziellen Besuchsprogramm, es war aber als symbolische Geste erwartet worden.

Einen letzten Höhepunkt der Reise bildete eine Rede des Papstes im Freiburger Konzerthaus. Danach flog Benedikt zurück in den Vatikan.

 

Nebenschauplätze: Schüsse in Erfurt und Unfall vor der Audienz

Knapp zwei Stunden vor dem Gottesdienst mit dem Papst auf dem Erfurter Domplatz schoss am Samstag ein 30-jähriger Berliner vier Mal mit einem Luftgewehr auf Sicherheitspersonal. Der Mann gestand die Tat und ist wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn wird ermittelt.
Vor der Audienz von Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Papst in Freiburg baute dessen Ehefrau Maike einen Unfall: Kohls Gattin steuerte den Wagen in einen Bach, das Auto steckte fest. Die Audienz konnte dennoch wenig später im Priesterseminar stattfinden.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/weltspiegel/Papst-forderte-von-Katholiken-absolute-Vatikan-Treue-ein;art17,721301
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