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Dohlen kennen Nächstenliebe

Wie sehr die tierische Intelligenz vom sozialen Zusammenleben abhängt, zeigt eine neue Studie an der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau über das Lernverhalten von Dohlen und Raben.

Dohlen kennen Nächstenliebe

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Die beiden Vogelarten wurden unter anderem deshalb gewählt, weil sie trotz enger Verwandtschaft unterschiedliche soziale Strukturen haben, berichtet Studienautorin Christine Schwab. Sie arbeitete mit Unterstützung des Wissenschaftsfonds FWF bei KLF-Leiter Kurt Kotrschal in Grünau an ihrer Doktorarbeit.

Mit Vögeln Kognitionsstudien durchzuführen, ist heute selbstverständlich, wurde aber noch vor 20 Jahren „schief beäugt“, erklärt Kotrschal. Damals habe man Vögeln nur Instinktleistungen zugestanden. Nicht zuletzt hätten Anatomen und neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung den Umschwung in der Meinung bewirkt.

Heute ist weitgehend unbestritten, dass Vögel sogar zu sehr hohen Leistungen fähig sind, etwa „zu wissen, was ein anderer weiß“, sagt der Forscher. Dohlen seien Schwarmvögel, sie blieben das während ihres ganzen Lebens. Bei Raben sei die Situation hingegen anders: „Sie leben nur in jungen Jahren in Gruppen zusammen, werden im Alter von vier bis fünf Jahren allerdings territorial und bevorzugen eine Lebensweise in Paaren“, erklärt Schwab.

Verwandte haben‘s gut

Bei den Experimenten zeigte sich, dass Raben generell länger aufmerksam sind. Sie schauen eher auf den Partner, wenn es etwas zu lernen gibt, und weniger auf andere Artgenossen. Dohlen wirken dagegen „wie Raben mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom“, so Kotrschal. Sie lernen weniger vom eigenen Partner als von anderen Artgenossen. Was das Teilen von Futter angeht, so sind die Dohlen deutlich freigiebiger, speziell gegenüber dem Partner oder nahen Verwandten.

Raben dagegen schauen in erster Linie auf sich selbst und verstecken nicht selten auch Futter. Dabei achten sie sogar darauf, dass sie nicht beobachtet werden. Das heißt, „sie wissen, was ein anderer weiß oder nicht weiß“, so die Interpretation.

Lieber Käse als Karotte

In ersten, noch unveröffentlichten Versuchen reagierten Dohlen auf bewusst ungerechte Behandlung. So konnte etwa ein Vogel durch Betätigen einer Apparatur für sich und gleichzeitig für ein anderes Tier Futter organisieren. Bekam die agierende Dohle beispielsweise ein Stück Käse – der sehr beliebt ist – und die andere eine weniger beliebte Karotte, so waren die Tiere bei Partnern und nahen Verwandten bereit, den Käse zu teilen.

Die Sache funktionierte vor allem bei den meist dominanteren Männchen, mit der Partnerin oder auch Brüdern wurde häufig geteilt. Fremde dagegen mussten sich mit der Karotte begnügen. Für die Wissenschafterin auffallend ist jedenfalls, dass die Vögel sich über die ungleiche Situation im Klaren sind und ein unterschiedliches Verhalten an den Tag legen.

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Artikel 17. April 2010 - 00:04 Uhr
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