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Die unendliche Geschichte um das Grabtuch aus Turin

Ab 19. April ist die Ikone "La Sacra Sindone" erstmals nach fünf Jahren wieder zu sehen.

Die unendliche Forschungsgeschichte um das Grabtuch aus Turin

Die Totenmaske des Agamemnon. 3D auf 2D verbreitert das Gesicht üblicherweise. Bild: Archiv

Alle paar Jahre ist das Turiner Grabtuch für Schlagzeilen gut. Die kirchlicherseits als Ikone – nicht als Reliquie – eingestuften 4,8 Quadratmeter Leinen sind bald wieder hinter Panzerglas im Turiner Dom zu sehen – für gut zwei Monate. Die Stadt darf mit Millionen an Tourismuseinnahmen rechnen. Offizieller Anlass für die Ausstellung ist der 200. Geburtstag von Johannes Bosco, Gründer des Salesianer-Ordens.

Ob das Grabtuch echt ist, also tatsächlich den Körperabdruck von Jesus Christus nach dessen Kreuzigung zeigt oder nicht, wird wieder zu diskutieren sein. Dabei sollte eigentlich seit dem Jahre 1389 alles klar sein. Damals beschwerte sich der Bischof von Troyes beim Gegenpapst Clemens VII. über die Kirche in Lirey, wo man "fälschlich und betrügerisch" ein "listig gemaltes Tuch angeschafft" habe, auf dem "mit kleverer Fingerfertigkeit das Bild eines Mannes dargestellt" sei, "von dem sie fälschlich behaupten, dass dies das wirkliche Grabtuch sei, in welches unser Heiland in der Grabesgruft eingewickelt war".

Seit das Tuch von seinen Eignern, dem Adelshaus Savoyen, im Duomo di San Giovanni in Turin aufbewahrt wird (1532), zeigt man es unregelmäßig. Mit der fotografischenAblichtung im 19. Jahrhundert beginnt die anhaltende Attraktivität des Grabtuchs und die Diskussion um dessen Echtheit. Es wurde sogar ein eigener Forschungszweig gegründet, die Sindonologie nach dem griechischen Wort für Leichentuch, sindòn.

Die Kirche, erst seit 1983 Eigentümerin des Tuchs, erlaubt 1988 eine Datierung des Leinenstoffs per Radiocarbon-Methode. Probenentnahme und Untersuchungsverlauf sind detailliert protokolliert. Drei unabhängige Radiokohlenstofflaboratorien (University of Arizona, Oxford University, eidgenössische Technische Hochschule in Zürich) werden mit der Untersuchung beauftragt und kommen in der Veröffentlichung im Fachmagazin Nature unisono zum Schluss: Das Turiner Grabtuch wurde im Zeitraum zwischen 1200 n. Chr. und 1304 n. Chr. gewebt. Damit hatte sich die Sindonologie überlebt – vermeintlich.

Verschwörungstheorien

Tatsächlich traten rasch Vertreter der Authentizitätsfraktion auf, um der Radiocarbon-Untersuchung am Zeug zu flicken. Die Proben seien an einer Stelle des Grabtuchs entnommen worden, wo im Mittelalter mittels "Invisible Reweaving" ein Flicken unsichtbar eingewebt worden sei, argumentierte etwa der kirchennahe US-Chemiker Raymond Rogers. Andere monierten, Bakterien, Pilze und ein überstandener Brand von 1532 hätten die Untersuchungen beeinflusst. Verschwörungstheoretiker lancierten, dass die Proben vertauscht worden seien. Zudem vertritt eine recht verhaltenskreative Gruppe Echtheitsfanatiker die These, die Kohlenstoffanteile (C-14) im Tuch seien aufgrund der Auferstehung erhöht gewesen.

Ernsthafte, aber nicht völlig seriöse Versuche gab es auch, anhand von Pollenanalysen das Grabtuch ins erste Jahrhundert zu datieren. Doch allein die Fischgrät-Webart des Leinens verweist wieder ins Mittelalter.

Der Vatikan hält sich auffallend bedeckt in der Echtheitsdebatte. Man bleibt bei der Einstufung des Tuchs als Ikone (Heiligendarstellung) im Gegensatz zur Reliquie (meist Körperteil eines Heiligen). Zumal es widersprüchliche Befunde gibt, ob überhaupt Blut auf dem Tuch klebt oder bloß Farbpigmente. Für Zweiteres spricht die täuschend ähnliche Grabtuchkopie einer italienischen Skeptiker-Vereinigung. Unter Anleitung eines Chemikers wurde sie 2009 hergestellt – mit Methoden aus dem Mittelalter in sechs Tagen.

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Artikel 11. April 2015 - 01:14 Uhr
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