15. September 2017 - 15:32 Uhr · nachrichten.at/apa · Weltspiegel

Die Ur-Wiesn war eine Hochzeit

Oktoberfest

Bild: (AFP)

MÜNCHEN. Die Maß braunes Kellerbier kostete drei Kreuzer und drei Pfennige, und über Sicherheitsfragen machte sich niemand groß Gedanken.

Beim allerersten Oktoberfest vor gut zweihundert Jahren gab es nicht einmal Zelte, nur offene Buden. Ganz München feierte im Oktober 1810 fünf Tage lang mit, als Kronprinz Ludwig - der spätere König Ludwig I. - Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete.

Ein Pferderennen auf der nach der Braut benannten Theresienwiese bildete den Höhepunkt. Das Königshaus bezog die Bürger bewusst ein: Vier Jahre nach der Proklamation des Königreichs, dem nun große Teile Frankens und Schwabens angehörten, sollte das Fest das Gemeinschaftsgefühl fördern und die Ausrichtung auf die Residenzstadt München unterstreichen. "Volksfeste freuen mich besonders. Sie sprechen den Nationalcharakter aus, der sich auf Kinder und Kindeskinder vererbt", sagte damals der Kronprinz. Deshalb sollte das Fest nun jedes Jahr wiederholt werden. Das Königshaus übertrug die Organisation dem "Landwirtschaftlichen Verein" - die Bauern waren eine wichtige Berufsgruppe. Die ersten Bierburgen stellten ab 1896 unternehmungslustige Wirte auf, aber schon 1818 gab es das erste Karussell und zwei Schaukeln.

Die "Oide Wiesn", die sich nach dem 200-jährigen Bestehen des Volksfestes als Teils des Festes etabliert hat, führt Traditionen fort. Alle vier Jahre erinnert das Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) mit Tierschauen an die Wurzeln des Volksfestes.

Das Oktoberfest wird heuer 207 Jahre alt, aber es findet erst zum 184. Mal statt. Rund zwei Dutzend Mal musste das Fest wegen Seuchen, Kriegen und Inflation ausfallen. Wegen der Cholera wurde es in den Jahren 1854 und 1873 abgesagt. Zudem gab es in Kriegs- und Nachkriegsjahren keine Wiesn. Nach dem Ersten Weltkrieg engagierten sich - da das Königshaus nun fehlte - zum Neustart Münchner Bürger im "Verein zur Erhaltung des Oktoberfests". Kaum war das Fest wieder angelaufen, musste es 1923 und 1924 wegen der Inflation abgesagt werden.

Auch während des Zweiten Weltkriegs fiel die Wiesn aus. Nach 1946 entwickelte sich das Fest rasch, schon 1950 kamen rund fünf bis sechs Millionen Besucher. 2001, nach den Terroranschlägen vom 11. September, fand das Volksfest statt - aber das Anzapf-Ritual fiel aus.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/weltspiegel/Die-Ur-Wiesn-war-eine-Hochzeit;art17,2680072
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