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Der Weltraum in Reichweite

Diese Woche hat der britische Milliardär Richard Branson das erste Raumschiff für kommerzielle Kurzreisen in den erdnahen Raum vorgestellt: Der Beginn eines neuen Raumfahrtzeitalters, an dessen Ende die Eroberung des Sonnensystems stehen wird.

Der Weltraum in Reichweite

So soll ein kugelförmiges Raumschiff in ferner Zukunft ausschauen, das beim Saturn „vor Anker“ gehen könnte. Das ultraschnelle Raumschiff Triton hat die NASA am Reißbrett fertig. Bilder: privat Bild:

Davon ist jedenfalls Joachim Achleitner (53) aus Thomasroith überzeugt. Der Mitarbeiter in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines oberösterreichischen Hightech-Unternehmens befasst sich beruflich und privat mit Plasmasystemen. Plasmatriebwerke sind die Antriebstechniken der Zukunft, ist Achleitner überzeugt. Seit seiner Jugend verfolgt er die Entwicklung der Raumfahrt, steht in Kontakt mit der deutschen Luft- und Raumfahrtgesellschaft und der europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Achleitner hält Fachvorträge und schreibt derzeit an einem Buch mit dem Titel „Aufbruch zu den Sternen“.

„Die Zukunft der Raumfahrt hat schon begonnen“, sagt Achleitner. Ausgangspunkt war die Internationale Raumstation ISS, als nächstes folgt das Comeback auf dem Erdmond, und schon in 15 Jahren wird die Menschheit mit Hilfe des in Planung befindlichen Super-Raumschiffs „Triton“ das Sonnensystem erobern.

Auf der Internationalen Raumstation (ISS) werden Missionen zu Mond und Mars vorbereitet. Die Astronauten lernen auf der ISS, ohne Verbindung zur Erde zu operieren. Das US-Labor-Modul „Destiny“ wurde 2001 angedockt, hier finden wissenschaftliche Studien im All statt, um die Techniken zu entwickeln.

Der Mars im Visier

Sechs Monate dauert der Trek zum Mars mit klassischen chemischen Triebwerken, einen solchen Zeitraum haben auch schon Astronauten auf der ISS verbracht. Eines der größten Probleme ist laut Achleitner die fehlende Gravitation im All. Sie lässt die Muskeln schrumpfen, die Knochenmasse sinkt pro Monat um 1,5 Prozent. Tägliches Fitness-Programm für die Astronauten auf der ISS kann diesen Abbau nur zum Teil wettmachen.

Um 2027 könnten Menschen erstmals ihren Fuß auf den Mars setzen. Vorerst konzentriert man sich aber noch auf die unbemannte Mission mit robusten Robotern. 2007 startete der Phoenix-Lander der NASA. Mittlerweile ist er am Nordpol des Mars gelandet, nahm bereits Bodenproben, entdeckte Kohlendioxid und Wasser an den Polkappen.

Doch vor dem Mars kommt der Mond: Derzeit entwickelt die NASA eine neue Trägerrakete. „Ares V“ soll eine Mondlandefähre in den Erdorbit bringen. Mit 116 Metern ist sie doppelt so hoch wie das Space Shuttle und kann 188 Tonnen Nutzlast in eine niedrige Umlaufbahn befördern. In einer Orion- Kapsel gelangt die Crew mit der kleineren „Ares I“ (24 Tonnen Nutzlastkapazität) ins All: Ares I soll die Space Shuttles ersetzen.

Die aus Service- und Kommandomodul bestehende Orion-Kapsel soll in zehn Jahren eine vier- bis sechsköpfige Crew zum Mond bringen. Sie werden den Nordpol des Mondes erkunden und einen möglichen Standort für eine Mondbasis auskundschaften. Eine Mondkolonie ist Vorbild für die Besiedlung des Mars und weiterer Trabanten wie der Jupitermonde Callisto und Europa sowie des Saturnmondes Titan.

Kann man Sauerstoff aus den an den Polen entdeckten Eismassen gewinnen, ließe sich die Station autark versorgen, aus dem Eis könnte man Wasserstoff als Raketentreibstoff herstellen.

Doch die Zukunft gehört dem neuen interplanetaren Triton-Raumschiff. „Es wäre wegen der enormen Kosten von einer Billion Dollar nur als Projekt der gesamten Menschheit zu verstehen“, ist Achleitner überzeugt. Dieses erste globale Hightech-Projekt würde sechs Millionen Arbeitsplätze schaffen und einen ungeahnten technologischen Schub von der Metallurgie bis zur Robotertechnik bewirken.

Zusammengebaut wird das 170 Meter lange Raumschiff im Erdorbit. Die Kommandoeinheit ist in ständiger Rotation, schafft damit künstliche Schwerkraft. Umgeben von einem Wasserschild wären die Astronauten vor der kosmischen Strahlung geschützt. Mit Plasma-Antrieb kann das Schiff auf bis zu 8500 km/sec. beschleunigen, den äußersten Planeten Pluto könnte es in neun Monaten erreichen.

Die künftige Raumfahrt finanziert sich selbst, sagt Achleitner. Allein im Asteroidengürtel gibt es riesige Vorkommen an Platin und Nickel. Interplanetarer Bergbau werde in Zukunft zum Alltag gehören. Bemannte Stationen auf Mond und Mars könnten sich mit dem entdeckten Isotop Helium-3 sowie der intensiven Sonneneinstrahlung mit Energie versorgen. Mit Elektrolyse lassen sich aus dem Eis Wasserstoff und Sauerstoff gewinnen.

Doch Voraussetzung für die Eroberung des Weltraums ist eine rotierende Raumstation. Die NASA hat sie auf dem Reißbrett schon fertig: Eine erweiterte ISS, die in 3600 km Abstand zur Erde über eine Nabe mit einem rotierenden Rad versehen ist. Tausende Menschen könnten darin leben und dort Raumschiffe wie die geplante „Triton“ zusammenbauen. Solche Stationen könnte man im Orbit aller Planeten des Sonnensystems anlegen – als Basis für einen künftigen Raumverkehr.

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Artikel 12. Dezember 2009 - 00:04 Uhr
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