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Bischofssynode: Papst warnt vor einer "Kirche mit geschlossenen Toren"

ROM. Zuvor erschütterte das Coming-out eines polnischen Priesters den Vatikan.

Krysztof Charamsa

„Die katholische Kirche muss hinsichtlich gläubiger Homosexueller die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist.“ Krysztof Charamsa, poln. Priester Bild: Reuters

Mit einer Messe im Petersdom eröffnete Papst Franziskus gestern die Bischofssynode im Vatikan. Bis zum 25. Oktober beraten Bischöfe aus aller Welt über das künftige Familienbild der katholischen Kirche. Die Synode begann in angespannter Atmosphäre, nachdem sich am Samstag ein polnischer Priester zu seiner Homosexualität bekannt hatte.

314 Kardinäle, Patriarchen, Bischöfe und Priester zelebrierten die Messe zur Eröffnung der Synode. Es ist die zweite Bischofssynode in Franziskus’ Pontifikat nach jener im Herbst 2014. Österreich wird dabei von Kardinal Christoph Schönborn, dem Feldkircher Bischof Benno Elbs und dem Wiener serbisch-orthodoxen Bischof Andrej Cilerdzic vertreten.

In seiner Ansprache warnte der Papst vor der konsumorientierten Kultur. "Man erlebt das Paradoxon einer globalisierten Welt mit vielen Luxuswohnungen, aber immer weniger die Wärme im Haus und in der Familie. Es gibt viel Spaß, aber eine immer tiefere Leere im Herzen. Viel Freiheit, aber wenig Autonomie. Immer mehr Menschen fühlen sich einsam", sagte er.

Franziskus erwähnte auch das schwierige soziale Umfeld für Familien. In der heutigen Welt sei es immer schwieriger, eine stabile Beziehung aufzubauen. "Die dauerhafte, treue und stabile, fruchtbare Liebe wird immer mehr verhöhnt und als Sache der Vergangenheit betrachtet", sagte der Heilige Vater. Er warnte zugleich vor einer "Kirche mit geschlossenen Toren". Eine Kirche, die sich verschließe, sei "keine Brücke, sondern eine Barriere". Die Kirche müsse aufnahmefähig sein.

"Suchen, aufnehmen, begleiten"

Vor dem Hintergrund des Coming-outs eines polnischen Priesters unmittelbar vor Synodenbeginn und der heftigen Kritik des Vatikans betonte der Papst, dass auch der Mensch, der Fehler begeht, "immer begriffen und geliebt werden" müsse. "Die Kirche muss ihn suchen, aufnehmen und begleiten", sagte der Heilige Vater.

Krysztof Charamsa, bisher Mitglied der einflussreichen Glaubenskongregation, hatte am Samstag seine Homosexualität öffentlich gemacht und dem Klerus vorgeworfen, "überwiegend homosexuell und homophob" zu sein. Die Haltung der Kirche gegenüber Homosexuellen bezeichnete er als "rückwärtsgewandt". Charamsa sagte der italienischen Zeitung "Corriere della Sera", die katholische Kirche müsse hinsichtlich gläubiger Homosexueller "die Augen öffnen und verstehen, dass ihre Lösung, totale Abstinenz und ein Leben ohne Liebe zu leben, unmenschlich ist".

Der Vatikan enthob Charamsa umgehend seines Amtes in der Glaubenskongregation. Über seine priesterliche Zukunft müsse sein zuständiger Bischof entscheiden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Bischof von Pelplin, Ryszard Kasyna, habe gegenüber Charamsa eine Verwarnung ausgesprochen, hieß es in einer noch am Samstag veröffentlichten Erklärung.

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Artikel 05. Oktober 2015 - 00:05 Uhr
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