16. April 2009 - 12:50 Uhr · Von Thomas Widter · OÖN Test

OÖN-Test: Mühsames Lesen im E-Book

E-Buch E-Book PRS-505 Sony Reader

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Das erste in Österreich erhältliche E-Book Reader PRS-505 ist für Technik-Fans eine spannende Sache, für den Durchschnittsleser aber noch zu unausgereift: Dies zeigt unser OÖN-Test.
Unerwartet klein ist es, das erste in Österreich erhältliche E-Book: Trotz des recht hohen Gewichts (mit Einband 345 Gramm, ohne 255 Gramm) hat das Display nicht einmal das Format A6. Die Verarbeitungsqualität ist jedoch ausgezeichnet, Sonys 299 Euro teurer Reader PRS-505 wirkt dank seiner stabilen silberfarbenen Metallkonstruktion ziemlich wertvoll.
 
Für Technik-Interessierte, nicht für Leseratten
Schon beim Auspacken des Geräts wird klar, dass es sich dabei um einen Vorboten zu künftigen, besseren Modellen handelt. Die derzeitige Zielgruppe ist damit die der Technik-Fans, nicht die der Bücherwürmer. Für stundenlanges Lesen reicht die Darstellungsqualität nicht aus, da Text unabhängig von der Zoom-Stufe (Schriftgröße) stets leicht verwaschen aussieht. Die Augen des Lesers versuchen, den Schärfegrad zu erhöhen und können damit nur scheitern, was auf Dauer sehr anstrengend ist.
 
Lange Akkulaufzeit, geringe Rechenleistung
Die Akkulaufzeit ist sehr lange, nach Herstellerangaben können Leseratten 6.800 Mal Umblättern, bevor dem Reader der Strom ausgeht. Der Grund für diese Genügsamkeit: Energie wird nur dann verbraucht, wenn der Reader seinen Bildschirminhalt ändert, zudem ist der Prozessor des Geräts sehr genügsam. Leider ist die Rechenkraft dementsprechend niedrig und eher zur Bewältigung reiner Text-Dokumente als aufwändiger pdf-Dateien ausgelegt.
 
Speicheraustattung gering, aber erweiterbar
Sonys Reader bietet lediglich 192 Megabyte internen Speicher, der jedoch dank zweier Speicherkarten-Erweiterungsslots (je ein Slot im SD- und MemoryStick-Format) aufgerüstet werden kann. Neben online gekauften Büchern in kopiergeschützten E-Book-Formaten kommt der PRS-505 auch mit pdf-Dokumenten und (selbst gemachten) Fotos zurecht.
 
Für komplexe pdf-Dateien ungeeignet
Als wir die elektronische Fassung der aktuellen OÖN-Ausgabe auf das Gerät spielen (diese pdf-Dateien sind unter www.nachrichten.at/epaper erhältlich), erweist sich der Reader als hoffnungslos überfordert. Ein einziges Umblättern dauert mehrere Sekunden, die Tageszeitung auf eine lesbare Größe zu zoomen, funktioniert erst gar nicht. Mit einfachen Textdokumenten (txt und rtf Formate) sowie mit jpg-Dateien (Fotos) sieht die Lage dafür wesentlich besser aus.
 
Umständliche, teils langsame Bedienung
Die Bedienung wurde von Sony nicht optimal gelöst, vor allem die unübersichtlichen, teils mehrfach ausgeführten Bedienelemente verwirren den Anwender. Auch die Menüstruktur ist nicht sehr übersichtlich und auf viel zu zahlreiche Tasten angewiesen. Weniger Komplexität wäre hier mehr gewesen und hätte zu einer intuitiveren Bedienung beigetragen. In seiner jetzigen Form fordert der PRS-505 dem Anwender zwingend das Lesen der elektronischen Anleitung ab - eine übrigens nicht sonderlich unterhaltsame Lektüre.
 
Gelungener E-Book-Shop auf Thalia.at
Wesentlich besser aufbereitet sind die speziellen Hilfe-Webseiten auf www.thalia.at. Thalia vertreibt über seinen Webshop bereits eine ansehnliche Auswahl elektronischer Fassungen aktueller Bücher. Wer erwartet, dass diese E-Bücher im Vergleich zu ihren gedruckten Kollegen deutlich günstiger sind, täuscht sich jedoch: Die Preisdifferenz beträgt häufig weniger als zehn Prozent, manche E-Bücher sind nur 50 Cent günstiger. Auch wenn Thalias Internet-Shop noch nicht völlig reibungslos funktioniert (der Menüeintrag „Krimis und Thriller“ führt etwa nicht zu elektronischen Büchern), ist er bereits gut nutzbar. Die bebilderten Anleitungen sind für technisch weniger versierte Anwender Gold wert. Die herunter geladenen Bücher müssen manuell auf den Reader kopiert werden.
 
Leselampe: Stabil, aber wenig praktikabel
Sony bietet eine zum PRS-505 passende Leselampe an, die sich im OÖN-Test als wenig praktikabel erweist, da sie aus transparentem, lichtdurchflutetem Plastik besteht und sich wie ein Schleier über die ohnehin bereits nicht großartige Bildschirmdarstellung legt. Die batteriebetriebene Lampe (zwei AAA Zellen) erhöht zudem das Gesamtgewicht des Readers deutlich. Gemeinsam mit dem Reader hat sie allerdings die qualitativ gute Verarbeitung.
 
Fazit: Ein erster Schritt in die E-Book-Zukunft
Von dem in den USA erhältlichen Kindle2 (Amazon.com) ist Sonys PSR-505 weit entfernt, dennoch verkörpert er möglicherweise einen ersten Schritt in Richtung digitaler Bücher-Zukunft. Hat sich die amerikanische E-Book-Infrastruktur erst einmal in Österreich etabliert (Bücher und Zeitschriften können in den USA ohne PC direkt über das Handynetz herunter geladen werden), könnte dem E-Buch aus hierzulande ein großer Erfolg ins Haus stehen.
Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/web/ooentest/OOEN-Test-Muehsames-Lesen-im-E-Book;art11175,152890
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