Schöne neue Welt

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So sahen Computer noch im Jahr 1999 aus. Bild: Wodicka Erwin

Das Internet und was bisher geschah

Als nachrichten.at vor 20 Jahren ins Netz ging, stand das Internet noch am Anfang. Klaus Buttinger und Bernhard Lichtenberger haben sich auf eine Zeitreise begeben.

Von Bernhard Lichtenberger und Klaus Buttinger, 28. November 2015 - 00:04 Uhr
Am 9. November 1995 ging nachrichten.at unter dem Namen OÖ Online als eines der ersten österreichischen Medien-Portale ins Netz. Ein Rückblick und ein Jubiläum, auf das wir stolz sind - und Anlass für unsere Serie zum Thema "Schöne neue Welt".

Der Start von nachrichten.at, damals unter dem Namen „OÖ Online“, geschah zu einer Zeit, als Suchmaschinen gerade dazu ansetzten, das Internet zugänglich zu machen. Dass das Netz einmal über Smartphones zum ständigen Begleiter im Alltag werden sollte, war damals noch nicht absehbar. Seit den ersten ungelenken Gehversuchen im World Wide Web hat sich viel verändert. Zum Vor- und zum Nachteil unseres Seins.

Das Internet rückte uns zusammen. Wir können den Liebsten, die es etwa auf die andere Seite des Globus verschlagen hat, via Skype oder Whatsapp jederzeit nah sein. Auf der anderen Seite hat sich die internationale Cyber-Kriminalität als Gefahrenquelle bis in unsere Privatsphäre geschlichen. Im Dschungel der Möglichkeiten drohen uns die Übersicht und die Aufmerksamkeit verloren zu gehen. Unsere Zeitreise folgt der Entwicklung der neuen Digitalwelt. Ob sie schön ist, wird sich weisen.

 

  • E-Mail
    Lange bevor sich das Datennetz um den Globus legte, verschickte der US-Techniker Ray Tomlinson 1971 die erste elektronische Post. An den Inhalt kann sich der Mann, der uns auch den Klammeraffen (@) schenkte, nicht mehr erinnern: „Alles, was ich weiß, ist, dass alles großgeschrieben war.“ Die Geister der schnellen Kommunikation, die wir seither riefen, werden wir nicht mehr los. Der Segen des unmittelbaren Informationsaustausches wurde zum zeitraubenden Fluch. Die Technologie-Marktforscher der Radicati Group schätzen, dass 2015 112 Milliarden (geschäftlich) bzw. 93 Milliarden (privat) E-Mails täglich verschickt und empfangen werden.
  • World Wide Web
    1989
    : Einen aussagekräftigeren Ort, um ein internationales Netz zu schaffen, gibt es kaum: Das CERN, die Forschungseinrichtung auf schweizerischem und französischem Gebiet. Hier baute Tim Berner-Lee ein Hypertext-System auf, das die Welt verändern sollte; und zwar in einem Ausmaß, das wir erst in den Anfängen erkennen. Wenn das Internet einmal nicht nur in Webseiten drin ist, sondern in den Dingen, wird das Kaffeehäferl uns in der Früh sagen, dass wir schlecht aussehen und uns automatisch beim Netzdoktor anmelden, dessen Diagnose eine Medikamentenlieferung veranlasst, die uns per Drohne ins Haus flattert. Nur schlucken werden wir noch selbst müssen.
  • Website
    Unter der Adresse info.cern.ch erklärte der britische Physiker Berners-Lee im November 1990 in 165 Worten, was das World Wide Web ist, welche Personen daran beteiligt sind und wie man einen Browser benutzt. Diese erste Webseite der Welt bestand lediglich aus schwarzem und blauem Text auf weißem Hintergrund. 2014 waren erstmals mehr als eine Milliarde Websites online. Aktuell liegt das Online-Lexikon Wikipedia in der Rangliste der meistbesuchten Webseiten auf Platz 7 – und beweist, dass Wissen geiler und potenter als die Spielwiese für Geschlechtsteile ist: pornhub.com muss Rang 63 als befriedigend hinnehmen.
  • Yahoo!
    Im Netz geht nichts verloren. Was nicht heißt, dass es leicht zu finden ist. 1994 gründeten zwei Doktoranden der kalifornischen Stanford-Universität deshalb eine Navigationshilfe, die sie erst „Jerry and David’s guide to the world wide web“ nannten. Im Jahr darauf wurde die Webverzeichnis-Sammlung auf Yahoo umgetauft.Auf der Suche nach der eigenen Suchtechnologie verlor sich das Portal in verpassten Gelegenheiten. 2014 lag der Marktanteil der Suchmaschine in Europa bei 2,1 Prozent. Google beherrscht den Kontinent mit 92,8 Prozent. Übrigens. Wer „Yahoo“ bei Yahoo sucht, erhält 568 Millionen Treffer. Bei Google erzielt „Yahoo“ 856 Millionen Ergebnisse.
  • Amazon.com
    Den Informatiker Jeff Bezos überfiel 1994 der Gedanke, dass Bücherwürmer nicht mehr aus ihrem Ohrensessel kriechen müssen, um an ihr nächstes Stück zum Schmökern zu kommen. Ein paar Mausklicks auf Amazon.com genügten, und schon machte sich das bestellte Buch auf den Weg zum Kunden. Mit dem Versand von Literatur gibt sich der Online-Händler mit 222.400 Mitarbeitern längst nicht mehr zufrieden. Vom Fetisch-Fantasy-Set für die Sadomaso-Weihnacht bis zu Schneeketten – verkauft wird, was Geld bringt. Dass Amazon mit seiner Marktmacht Verleger und Händler unter Druck setzt, ist weniger sympathisch.
  • nachrichten.at
    Mit den Worten „Oberösterreich goes OONline“ starteten am 9. November 1995 die OÖNachrichten in ein neues Zeitalter. Wer hätte gedacht, dass uns das damalige oon.at heute als nachrichten.at täglich, stündlich, minütlich als Journalisten beschäftigen wird. Der Vorsatz von damals gilt heute noch viel intensiver, nämlich „laufend aktualisierte Nachrichten, vor allem regionaler Natur, aus dem politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Geschehen in Oberösterreich“ zu veröffentlichen – mit mehr Möglichkeiten, als wir damals erahnen konnten. Wir sind mit nachrichten.at und unseren OÖN-Apps für Tablet und Smartphone unserem Leser näher gerückt – quasi bis in den Hosensack.
  • Google
    Was täten wir ohne die größte Krücke im Internet? Wieder selbst Karten lesen, nachschlagen und denken lernen? Unmöglich. Seit die Stanford-Knaben Larry Page und Sergey Brin 1997 Google.com registrierten, begleitet uns die Suchmaschine und kommt uns täglich mit allerlei Diensten näher. Was in einer Garage begann, ist heute eine Aktiengesellschaft, die zu den wertvollsten Marken der Welt zählt und 60 Milliarden Dollar Umsatz macht (2013). Der Konzern ist im Besitz des wohl größten Datenschatzes aller Zeiten, darf aber das Vertrauen der Kundschaft nicht verlieren, indem er zu tief gräbt. Wen der Neid frisst, der sei getröstet. Noch jedes Imperium hat es zerrissen.
  • Napster
    Eine pfiffige Idee hatten 1999 Shawn und John Fanning sowie Sean Parker: MP3-Musikdaten übers Internet tauschen. Schönheitsfehler: Die Rechteinhaber der Musiktitel sahen kein Geld. Sie warfen Napster und anderen Peer-to-peer-Netzwerken vor, Raubkopien zu verbreiten, und überzogen die Plattformen letztendlich erfolgreich mit Klagen. Wer bis 2003 seine Festplatte nicht mit Musik aller Art angefüllt hatte, kam zu spät. Napster wurde abgeschaltet, seither muss man in den Stores der Großen wieder Geld ausgeben, außer man freundet sich mit anderen Piraten-Netzwerken an, wie z. B. – aber halt! Das wollen wir hier nicht verraten, sonst klagt uns vielleicht Sony oder so.
  • Wikipedia
    2001 wurde Wikipedia laut Eigenangabe gegründet, und zwar als freies Online-Lexikon. Eigentümer ist die Wikipedia Foundation, eine gemeinnützige Organisation. Seither verstauben Kilometer von gedruckten Enzyklopädien. Nicht einmal Flohmärkte nehmen sie mehr.
    Wikipedia ist derzeit das meistgenutzte Online-Nachschlagewerk und liegt auf Platz sieben der meistbesuchten Websites der Welt. Jede Wirtshauswette wird mit dem Handy auf Wikipedia innert Minuten entschieden, die Spannung ist aus unserem Leben gewichen. Eines aber muss klar sein: Auch Wikipedia kann irren und tut es auch ausgiebig. de.wikipedia.org
  • MySpace
    2003 von Tom Anderson (USA) als Datenspeicher im Internet gegründet, wuchs dieses Soziale Netzwerk rasant. 2005 kaufte Rupert Murdochs Konzern News Corporation die Plattform, auf der sich hauptsächlich Bands tummelten, für 580 Millionen Dollar. Erst 2007 wurde eine Österreich-Seite auf MySpace eingerichtet. Jede Dorfband lud nun ihre Songs hoch und träumte vom großen weltweiten Erfolg. Im Jahr darauf begann der Abstieg von MySpace im Schatten des großgewordenen Konkurrenten Facebook. Aus zu Hochzeiten fast 270 Millionen Mitgliedern wurden im Laufe des Schrumpfungsprozesses weniger, weniger und noch weniger. Gibt’s MySpace.com eigentlich noch?
  • Skype
    Es ist schon eine große Freude, wenn es noch etwas gibt im Netz, das kostenlos ist. Etwa Skype, der Instant-Messaging Dienst, der IP-Telefonie ermöglicht. Seit 2003 gibt es ihn, 2005 kaufte ihn Ebay, seit 2011 gehört er Microsoft. Entwickelt wurde er ursprünglich von einem schwedisch-dänischen Team in Luxemburg. Ob damals schon die Abhör- und Mitschnittfunktionen für den Geheimdienst vorgesehen waren, ist nicht bekannt. Klar ist, dass nicht nur die NSA, sondern auch Behörden in Österreich Skype abhören können, weshalb Firmen mit Innovationscharakter eher wenig über Skype kommunizieren. Schön ist es aber schon, den Onkel aus Amerika auf dem Laptop zu sehen.
  • Facebook
    2004 wurde die Gesichtsbuch-Plattform von Dustin Moskovitz, Chris Hughes, Eduardo Saverin und Mark Zuckerberg veröffentlicht. 11 Jahre später zählt das soziale Netzwerk unglaubliche 1,5 Milliarden Mitglieder und wächst weiter. Die seit 2012 als Aktiengesellschaft aufgestellte Datenkrake lebt von der Werbung; so gut, dass vor eineinhalb Jahren der Messenger-Dienst WhatsApp für insgesamt 19 Milliarden US-Dollar gekauft werden konnte. Von Österreich könnte Facebook-Guru Zuckerberg Ungemach drohen. David Max Schrems will Facebook mit Sammelklagen wegen Datenschutzverletzungen eindecken. Die Sache liegt beim Obersten Gerichtshof.
  • Twitter
    Die Spatzen pfeifen es von den Dächern, dass 140 Zeichen ausreichen, um seinen Kommentar zur Lage der Welt zu verbreiten. Jack Dorsey hat „Twitter“ (Gezwitscher) 2006 als Kurznachrichtendienst erfunden.
    Um entsprechendes Gehör zu finden, bedarf es der Follower, die den Zwitscherer zu ihrem Meinungsbildner erklären. In Österreich gibt es aktuell etwas mehr als 140.000 Twitter-Accounts, von denen etwa die Hälfte aktiv sind. Erfolgreichster heimischer Kurzkommentierer ist ZiB2-Star Armin Wolf, dem 35.800 Menschen folgen. Im Vergleich zu Pop-Idol Katy Perry nimmt sich das klein wie ein Spatz aus: Hinter ihr sind 76 Millionen Menschen her.
  • iPhone
    Wie gut, dass die Zeit Wunden heilt. Wie regten wir uns in einer Ära, da Telefonzellen noch mehr bedeuteten als ein Unterstand bei einem Wolkenbruch, doch über die ersten Zeitgenossen auf, die ihr Handy lautstark spazieren trugen. Schnösel, rücksichtslose Angeber! Und dann läutete Apple mit dem iPhone 2007 die Smartphone-Manie ein, bei der die Telefonierfunktion fast schon Nebensache ist. Seither starren Menschen in allen Lebenslagen auf den Bildschirm des Kastls in ihrer Hand, verspannen ihre Genicksmuskulatur, schrammen gefährlich an Laternenmasten vorbei. Sie schauen in die Welt und übersehen ihre Umwelt.
  • Whatsapp
    Seit Jan Koum und Brian Acton 2009 den Instant-Messaging-Dienst ins Leben gerufen haben, darf sich die gute alte SMS auf ihr Altenteil einrichten. Texte, Bilder, Videos, Tonaufnahmen werden gratis ausgetauscht, auch die Internet-Telefonie ist seit heuer möglich. Besonders populär ist die Bildung von Whatsapp-Gruppen. Wir hörten etwa von einem Verbund namens „Mohnflesserl Junkies“, der sich mittwochs zum geselligen Verzehr der Backware trifft und am Vortag via Whatsapp die jeweiligen Wünsche (Salz-Mohn oder nur Mohn) abfragt. Das sei recht praktisch, versichert die Gruppe. Frage: Wie organisierte man so etwas früher?

Die Zeitreise des Internets ist noch lange nicht vorbei - oder wie es Homer Simpson sagen würde:

"Das Internet? Gibt’s diesen Blödsinn immer noch?“

 

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Kommentare

„Nicht nur das Internet. Alles hat in den letzten 25 Jahren einen immer schneller werden ...“ Salzkammergut Nicht nur das Internet. Alles hat in den...
„Vollkommen richtig; mir fiel wärs halt speziell beim Internet auf - nichts vorher nahm für mich ...“ Ruflinger Vollkommen richtig; mir fiel wärs halt s...
„Taschenrechner waren für mich in den letzten Jahren der HTL unumgänglich, obwohl Geberationen ...“ Ruflinger Taschenrechner waren für mich in den let...

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