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Viel Aufregung, wenig Charme: Carla Bruni im Konzerthaus

WIEN. "Sarko" war nicht mitgekommen. Aber auch ohne Nicolas Sarkozy war der Auftritt der Sängerin Carla Bruni am Freitag im Wiener Konzerthaus ein außergewöhnlicher.

Carla Bruni in Wien

Carla Bruni in Wien Bild: apa

Jedenfalls waren Smartphones und Tablets vieler Besucher nahezu ununterbrochen in Verwendung.

Die viele Aufregung, deren Auswirkungen bei manchen Zuhörern nicht nur urheberrechtlich höchst bedenklich, sondern für den Rest des Publikum auch ausgesprochen störend waren, galt einem künstlerisch wenig aufregenden Konzert. Die 46-Jährige, die nach ihrem Intermezzo als First Lady mit ihrem vierten Album "Little french songs" an frühere Erfolge anzuschließen sucht, hatte trotz der ostentativen Sympathie des Publikums mit langen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen.

Eine schlecht ausbalancierte Verstärkeranlage führte mit satter Lautstärke die durch eine Bibliotheks-Attrappe auf dem Podium suggerierte Möchtegern-Wohnzimmer-Atmosphäre ad absurdum. Zwei begleitende Musiker erledigten ihren Job an Klavier, Trompete und Gitarre wenig begeisternd. Eine übergroße Portion Botox reduzierte das Mienenspiel der in weinrotem Sakko und schwarzer Lederhose auftretenden Musikerin auf ein Minimum. Das waren die erschwerten Rahmenbedingungen des Konzerts, das Charme vermissen ließ, dafür mit interessanten Visuals aufwartete.

Die tollen, gefühlvollen und auch musikalisch interessanten alten Songs wie "Raphael", "Le plus beau du quartier" oder "Quelqu'un m'a dit" funktionieren noch immer gut, wenngleich sie heute deutlich kühler klingen als einst. Neue Nummern, die wie die Liebeserklärung an ihren Gatten "Mon Raymond" oder das Anti-Hollande-Spottlied "Le Pingouin" in Frankreich für Aufregung sorgten, sind augenzwinkernde Polit-Kinderlieder, einfach, fröhlich und ein wenig sarkastisch.

Ein großer Teil der Lieder, bei denen Bruni sich häufig auch selbst an der Gitarre begleitete, wirkte allerdings musikalisch wie inhaltlich austauschbar, angesiedelt irgendwo zwischen Schlager, Pop und Folk. "J'arrive à toi" sei "zur Abwechslung ein Liebeslied", kündigte Bruni selbstironisch einen weiteren Song zum Thema Nummer eins an.

Nur selten hatte man das Gefühl, es lohne sich, genauer hinzuhören. In "Dolce Francia" sang Bruni Charles Trenets "Douce France" in ihrer Muttersprache Italienisch. Plötzlich war weniger Paris als San Remo zum Greifen nahe! Mit "Vienne" brachte sie a capella einen kurzen Auszug eines Chansons ihrer großen Kollegin Barbara. Das war nicht nur eine schöne Verbeugung an die Gastgeber-Stadt, sondern auch ein ziemliches Wagnis, das deutlich machte, wie viel ihr zu den großen Vorbildern fehlt. Und natürlich ein kleiner, ironischer Wink in Richtung der mithörenden Adabei-Fraktion, die seismografengleich auf mögliche Erschütterungen ihrer Ehe horcht: "C est que, sans réfléchir / J ai préféré partir / Et je suis à Vienne sans toi."

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Artikel nachrichten.at/apa 15. März 2014 - 13:21 Uhr
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