Bei einem Bombenanschlag auf die Kathedrale der ukrainischen Stadt Saporoschje ist am Mittwoch eine 80-jährige Nonne getötet worden. Mindestens 8 weitere Menschen wurden bei der Explosion im Südosten der Ukraine verletzt. Die Kathedrale gehört zum Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche. Der Zwischenfall ereignete sich am letzten Tag des Besuchs des Moskauer Patriarchen Kirill in Kiew.
Der Sprengsatz detonierte gegen 16.30 Uhr Ortszeit (15.30 Uhr MESZ). Die Hintergründe des Anschlags waren zunächst unklar. Die Nonne starb an ihren Verletzungen im Krankenhaus. Die Explosion ereignete sich am Jahrestag des Übertritts des Landes zum Christentum im Jahr 988.
Ukrainische Nationalisten befürchten nach dem Regierungswechsel in Kiew und dem Amtsantritt des prorussischen Präsidenten Janukowitsch, dass die russisch-orthodoxe Kirche ihren Einfluss erheblich ausweitet. Bei Protesten gegen die Rundreise Kirills waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Demonstranten festgenommen worden.
Kirill will die gespaltene ukrainische Orthodoxie vereinen und sie wieder unter das Dach Moskaus holen. Dabei geht es in erster Linie um eine Wiedervereinigung des Moskauer und des Kiewer Patriarchats. Daneben gibt es aber noch andere ukrainische Orthodoxe. Viele dieser nationalistisch gesinnten Christen sind für die Eigenständigkeit ihrer Kirche als Symbol für die Unabhängigkeit des Landes.
Zuvor hatte Kirill in Kiew bei einem landesweit im Fernsehen übertragenen Gottesdienst für die Einheit der orthodoxen Kirche geworben. Der Kiewer Patriarch Filaret hatte sich für eine Wiederannäherung beider Kirchen ausgesprochen. Die Ex-Sowjetrepublik ist ein tief gespaltenes Land - mit starken nationalistischen Tendenzen im Westen und einer von der russischen Tradition geprägten Bevölkerung im Osten.
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