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In Massengrab doch Sudetendeutsche

PRAG. Ein DNA-Test hat bestätigt, dass in einem Massengrab auf der Wiese "Budinka" beim südmährischen Dorf Dobronin doch Sudetendeutsche begraben lagen. Dies berichtete die tschechische Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" am Donnerstag unter Berufung auf die Tests.

Sudetendeutsche

Sudetendeutsche auf der Flucht Bild: APA

2010 waren an dem Ort Skelette und Knochenreste von bis zu 15 vermeintlich ermordeten Sudetendeutschen entdeckt worden.

DNA-Anlysen haben nun doch Übereinstimmung ergeben

Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft wollten sich äußern. Die Zeitung hat die Informationen von dem Deutschen Johann Niebler bekommen, dessen Familie in "Budinka" einen Verwandten vermutet und sich für die Aufklärung der damaligen Ereignisse bei Dobronin einsetzt. Laut Niebler hat die tschechische Polizei eine Frau aus Erding bei München benachrichtigt, der DNA-Test habe "zu 99,9 Prozent" bestätigt, dass in dem Massengrab ihr Vater, ein Bauer aus Bergersdorf (heute Kamenna) läge. Er sei 62 Jahre altgeworden. In der nächsten Zeit sollen auch er, Niebler, und weitere Hinterbliebene die Ergebnisse der DNA-Vergleiche aus Tschechien bekommen. Erste Analysen waren bereits 2011 abgeschlossen worden, allerdings entsprachen die, vermeintlichen Verwandten in Deutschland abgenommenen, Proben nicht dem DNA-Profil der Toten aus dem Massengrab.

Opfer mussten vor Exekution ihre Gräber selber ausheben

Auf der Wiese "Budinka" sollen in der zweiten Mai-Hälfte 1945 etwa 15 Sudetendeutsche massakriert worden sein. Seit Jahren setzt sich der tschechische Journalist Miroslav Mares aus Jihlava (Iglau) für die Aufklärung des Falles ein und sammelt dazu Archivmaterial. Eine der Unterlagen war das Buch "Bergersdorf" der deutschen Schriftstellerin Herma Kennel. Die Autorin schreibt darin, dass zwischen dem 12. und 19. Mai 1945 einige unter Alkoholeinfluss stehende Personen 15 Deutsche massakriert hätten. Die Täter haben die Opfer vom Zeughaus abgeholt und auf ein Feld nahe eines Waldes geführt. Dort hätten diese ihre eigenen Gräber ausheben müssen und wurden danach erschlagen oder erschossen .

Auch Kennel bestätigte nun gegenüber "Mlada fronta Dnes" den positiven DNA-Vergleich. "Ich weiß schon, dass der DNA-Vergleich in einem Fall stimmt. Ich bin zufrieden", sagte die Autorin des Buches.

Von Mai 1945 bis Dezember 1946 wurden nach Berechnungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft über zwei Millionen Sudetendeutsche aus der Tschechoslowakei vertrieben. Diese Vertreibungen forderten tausende Opfer bei der deutschsprachigen Volksgruppe, die in den Grenzgebieten angesiedelt war. Später wurden die Ausweisungen nach Deutschland und Österreich von den Alliierten als "geordneter Transfer" gebilligt.

Umstrittene Amnestie-Gesetze

Mit den nach wie vor rechtsgültigen "Benes-Dekreten" hatte der tschechoslowakische Präsident Edvard Benes im Jahr 1945 nach mehr als sechs Jahren Besetzung durch Nazi-Deutschland die Rechtsordnung in seinem Land wieder hergestellt. Unter den Nazis war die Tschechoslowakei in das Sudetenland und das Protektorat Böhmen und Mähren sowie in die Slowakei aufgeteilt, die zwar eigenständig, doch ein NS-Vasallenstaat war. Das am 8. Mai 1946 verabschiedete Amnestie-Gesetz erklärte alle im Zeitraum von 30. September bis zum 28. Oktober 1945 begangenen einschlägigen Verbrechen als "gerechte Vergeltung für die Taten der Okkupanten oder ihrer Helfershelfer" für straffrei.

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Artikel nachrichten.at/apa 26. Januar 2012 - 11:50 Uhr
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