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Hubschrauber in Achensee gestürzt: Vier Tote

INNSBRUCK. Bei dem Absturz eines Helikopters vom Innenministerium in den Tiroler Achensee sind offenbar alle vier Insassen ums Leben gekommen.

Hubschrauberabsturz Achensee

Bild: apa

Bisher wurde ein Leichnam geborgen, und zwar der eines 38 Jahre alten Flugbegleiters aus Tirol, wie es am Nachmittag bei einer Pressekonferenz in Achenkirch hieß. Der Helikopter des Innenministeriums war kurz nach 10.00 Uhr in den Achensee gestürzt.

An Bord befanden sich neben dem 41-jährigen Piloten aus Tirol ein 53-jähriger einheimischer Grenzpolizist und ein 43 Jahre alter Polizist aus der Schweiz. Dieser habe sich auf Hospitation in Tirol befunden, hieß es. Der Achensee ist an der Absturzstelle rund 80 Meter tief.

Augenzeugen hatten den Absturz um 10.10 Uhr beobachtet und Alarm geschlagen. Bei dem Hubschrauber handelte es sich um einen Helikopter des Innenministeriums vom Typ Ecureuil EC 135. Feuerwehr, Wasserrettung, Taucher und drei Rettungshubschrauber waren nach wir vor mit der Bergung beschäftigt. Der Flug soll zu Schulungszwecken durchgeführt worden sein.

EC 135 werden vom deutsch-französischen Unternehmen Eurocopter hergestellt und sind zweimotorige, leichte Vielzweckhubschrauber. Die Flugeinsatzstelle Innsbruck hat vor knapp drei Jahren, im Mai 2008, drei Helikopter dieses Typs bekommen. Neben der Flugpolizei hat z.B. auch der ÖAMTC Rettungshubschrauber dieses Typs im Einsatz.

Pilot offenbar erfahren

Während die Leiche des Flugbegleiters etwa eine Viertelstunde nach dem Absturz auf dem Wasser treibend gefunden wurde, gehen die Einsatzkräfte davon aus, dass die drei anderen Polizeibeamten an Bord mit der Zelle des Hubschraubers versunken sind. Das Wrack wird in einer Tiefe von mindestens 80 Metern vermutet, wie der Tiroler Landespolizeikommandant Helmut Tomac bei der Pressekonferenz sagte. Eine Bergung aus so großer Tiefe gilt als äußerst schwierig.

Die Absturzstelle liegt zwischen Achenkirch und der Gaisalm. Der Hubschrauber - er befand sich auf einem Übungs- und Grenzflug - war in südlicher Richtung unterwegs und sei unvermittelt abgesunken, ehe er in den See stürzte, berichtete Tomac unter Berufung auf Augenzeugen. Sämtliche Feuerwehren der Umgebung wurden alarmiert, 43 Taucher standen im Einsatz. Unterstützt wurden die Teams von der bayerischen Wasserwacht, deren Einsatzkräfte per Hubschrauber eingeflogen wurden und mit einem Sonargerät die Suche nach dem Wrack aufnahmen. Darüber hinaus waren Unterwasserkameras im Einsatz.

Warum der Hubschrauber abstürzte, war zunächst unklar. Laut Walter Senn, Leiter der Flugpolizei im Innenministerium, handelte es sich um einen relativ neuen Helikopter mit 1.300 Flugstunden. Der 41-jährige Pilot hatte bereits 2.500 Flugstunden absolviert und galt als erfahren. Der Eurocopter 135 verfügt über zwei Motoren und kann selbst dann weiterfliegen, wenn einer davon ausfallen sollte. Sachverständige befanden sich am Nachmittag auf dem Weg zur Unglücksstelle.

Der Hubschrauber war um 9.15 Uhr in Innsbruck gestartet. Der Beamte aus der Schweiz befand sich im Rahmen eines internationalen polizeilichen Austausches in Tirol und wollte sich unter anderem über die sogenannten Ausgleichsmaßnahmen - Polizeikontrollen anstelle der früheren Kontrollen an den Grenzübergängen - informieren.

Helikopter über dem Achensee

Die Polizei hat das Gelände großräumig abgesperrt. Ständig kreist ein Helikopter über dem Achensee, der an manchen Stellen mehr als hundert Meter tief ist. Am Ort der Bergungsarbeiten aber herrscht Stille, die nur hin und wieder von dem kreisenden Hubschrauber unterbrochen wird. Sichtlich geschockte Beamte geben einigen Schaulustigen karge Auskünfte. Das war Mittwochnachmittag die Szenerie nach dem Helikopterunglück mit offenbar vier Toten am Achensee in Tirol.

Im benachbarten Achenkirch ist der Hubschrauberabsturz Mittwochnachmittag jedenfalls in aller Munde. Etliche Anrainer sind gekommen, um sich selbst ein Bild davon zu machen.

„Für uns ist das alles ganz unwirklich“, sagt ein Beamter gegenüber der APA. Vorkehrungen für die Nacht werden getroffen. Zelte, Heizstrahler und Verpflegung für die Einsatzkräfte sind vor Ort eingetroffen. Nachts wird die Suche nach den Vermissten nicht gerade einfacher - denn dann wird der sonst schon dunkle See komplett schwarz. Sechs Stunden nach dem Unglück wird nach wie vor fieberhaft nach den drei vermissten Opfern gesucht.

Tödliche Hubschrauberabstürze

In den vergangenen Jahren ist es in Österreich immer wieder zu Hubschrauberabstürzen gekommen, bei denen Menschen getötet wurden. Mehrfach waren Helikopter des Innenministeriums von Unfällen betroffen. Im Folgenden eine Übersicht der schlimmsten Fälle seit 1997:

23. Juli 2010: Im Gebiet von Dienten/Maria Alm bei der Bergstation auf dem Gabühel (Bundesland Salzburg) stürzt ein Hubschrauber ab, der für einen Materialtransport im Einsatz stand. Der erfahrene Schweizer Pilot kommt ums Leben.

10. März 2009: In der weststeirischen Bezirkshauptstadt Deutschlandsberg stirbt beim Absturz eines Hubschraubers des Innenministeriums der 39 Jahre alte Pilot. Ein 49 Jahre alter Polizist und ein Bergretter (52) werden schwer verletzt.

9. Februar 2008: Beim Absturz ihres privaten Hubschraubers im Toten Gebirge in der Obersteiermark kommen zwei oberösterreichische Piloten ums Leben.

3. Mai 2007: Bei einem Absturz eines Hubschraubers des Innenministeriums am Innsbrucker Flughafen werden zwei Personen verletzt. Die Piloten befinden sich auf einem Schulungsflug.

5. März 2007: Beim Zusammenstoß eines Lastenhubschraubers vom Typ Super Puma mit einem zweisitzigen Leichtflugzeug DA20 Katana in der Nähe von Zell am See kommen acht Menschen ums Leben. Beide Piloten hatten vor dem Unglück gesundheitliche Probleme.

10. September 2006: Der Absturz eines Hubschraubers im Gemeindegebiet von St. Florian am Inn in Oberösterreich fordert zwei Todesopfer. Bei ihnen handelt es sich um einen Fluglehrer und seinen Schüler.

1. Mai 2006: Zwei schwer und drei leicht verletzte Personen sind die Bilanz des Absturzes des ÖAMTC-Rettungshubschraubers C 6 in der Stadt Salzburg bei der versuchten Landung auf dem Dach des Unfallkrankenhauses.

6. April 2004: Bei einem Absturz des Hubschraubers „Libelle 1“ des Innenministeriums bei Zürs bleiben der Pilot und der Flugretter unverletzt. Der Hubschrauber befindet sich am Rückweg von einer sogenannten Sicherheitssuche nach einem Lawinenabgang und wollte bei der Bergstation der Seekopfbahn landen.

25. Februar 2004: Ein Todesopfer und drei Verletzte fordert der Absturz eines Helikopters in St. Johann/Alpendorf im Pongau (Salzburg). Eine deutsche Skiurlauberin an Bord kommt ums Leben. Ein Notarzt und ein Sanitäter werden schwer, der Pilot leicht verletzt. Der Absturz ereignet sich kurz nach dem Start vor den Augen des Mannes der Urlauberin.

5. Juni 1999: Einen Toten und zwei Leichtverletzte fordert ein Absturz des Tiroler ÖAMTC-Notarzthubschraubers Christophorus 4 in Ellmau (Bezirk Kufstein). Der Helikopter gerät beim Landeanflug in eine Starkstromleitung der ÖBB im Bereich der Hartkaserbahn. Die Maschine des Typs Ecureuil N355 stürzt auf ein zum Unfallzeitpunkt leerstehendes Wohnhaus und brennt aus. Der Notarzt erliegt rund zwei Wochen nach dem Unglück seinen Verletzungen.

7. April 1998: In St. Johann im Pongau stürzt eine Helikopter ab, der für Dreharbeiten zur Serie „Medicopter“ unterwegs ist. Der Pilot stirbt, ein Passagier wird schwer verletzt.

15. März 1997: Vier Todesopfer sind beim Absturz eines Hubschraubers des Innenministeriums in den frühen Morgenstunden im niederösterreichischen Weinviertel zu beklagen. Die Maschine verunglückt während eines Grenzüberwachungseinsatzes in einem Waldgebiet wenige Kilometer nördlich von Mistelbach.
 

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Artikel nachrichten.at/apa 30. März 2011 - 11:09 Uhr
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