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Franz Zeiger ist jetzt auch Reiseleiter

LINZ. Franz Zeiger, weit über die oberösterreichischen Grenzen als Tierpfarrer bekannt, betätigt sich jetzt auch als Reiseleiter. Der katholische Linzer Priester bleibt dabei aber seinem Metier treu: Im Sommer wird er die Tour eines oberösterreichischen Reisebüros begleiten, die zu "Deutschlands einzigartigen Zoos" und auch dem Musical "Der König der Löwen" nach Hamburg führt.

Die Person

Pfarrer Franz Zeiger Bild: gsto

Derzeit ist der umtriebige Seelsorger, der kürzlich das 50. Lebensjahr vollendete, aber unter anderem mit den Vorbereitungen für ein "Don Camillo und Peppone-Gschnas" in seiner Pfarre St. Peter im Stadtteil Spallerhof beschäftigt. Zeiger erregt durch seine zahlreichen und vielfältigen Aktivitäten immer wieder Aufmerksamkeit. Die seit 1997 angebotene Segnung jeweils zum Welttierschutztag am 4. Oktober hat er für jene, die nicht persönlich kommen können, auch per Internet möglich gemacht. Es genügt, ein Bild des Tieres zu schicken. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Mails aus allen Teilen der Welt. Der Geistliche, der fünf Katzen und zwei Schildkröten im Pfarrhaus beherbergt, gründete mit Spenden von Firmen und Privatpersonen eine Tiertafel zur Unterstützung von Menschen in Not, die sich das Futter für ihr Haustier nicht mehr leisten können und es deswegen abgeben müssten.

Um sie bekanntzumachen, hat er auch eine Ballade über den "Pfarrkater Benjamin" gedichtet, der "mich schon viel anschauen hat lassen". Denn die Katze hat allein unter anderem Autobusfahrten oder Ausflüge in Gasthäuser unternommen. Er bezeichnet Benjamin dennoch als "pastoralen Mitarbeiter". Das Namensschild mit Telefonnummer an ihrem Halsband des Ausreißers bescherte ihm Anrufe von Personen, die den Vierbeiner fanden. "Da bin ich mit Menschen zusammen gekommen, die ich in 1.000 Jahren nicht kennengelernt hätte".

Kreative Aktionen

Weil seine Kirche baufällig war und dringend 800.000 Euro für die Renovierung benötigt wurden, gründete er 2006 mit einem Musiker und einem Techniker die Band "Fisherman's Friends". Damit erinnert er an Petrus den Fischer, der Patron seiner Pfarre St. Peter ist. "Der erste Auftritt brachte die notwendige Summe natürlich nicht herein, darum singen wir noch heute", schildert Zeiger. Auf dem Programm der Konzerte zu Weihnachten und Muttertag stehen unter anderem Seemanns- und Weihnachtslieder aus dem Norden.

Das Internet nützt der Pfarrer auch für virtuelle Advent- sowie Fastenkalender. Er sammelt dort in einer "Sorgentruhe", was die Menschen bedrückt und trägt dies anschließend in den Fürbitten Gott vor. Außerdem schickt er regelmäßig "geistliche Impulse" in Mails an rund 3.000 Menschen in aller Welt aus. Gegen die Schließung des Postamtes in seinem Stadtteil hat er die Kirchenglocken läuten lassen, ist auf die Straße gegangen und hat Unterschriften gesammelt - bisher mit Erfolg. "Berührungsängste" habe er nicht. Er und sein Haus sei für alle offen, egal welcher Religion, Nation oder Partei. So kommt es auch, dass die Pfarre und die SPÖ ein gemeinsames "Don Camillo und Peppone-Gschnas" veranstalten. "Früher hatte jeder einen Faschingsball mit wie man so sagt dreieinhalb Leuten und es war fad. Jetzt ist die Bude voll und die Stimmung super." Die heurige Veranstaltung am 28. Jänner ist schon fast ausgebucht.

Zuerst "was Gscheites", dann Priester

Der aus einer Arbeiterfamilie in Steyr stammende Zeiger wollte - fasziniert von seinem Heimatseelsorger - immer schon Priester werden. Seine Eltern verlangten aber, dass er zuvor "was Gscheites" lernt. Deshalb machte er eine Lehre für Einzelhandelskaufmann. Später absolvierte er eine Ausbildung als Sozialarbeiter. 1986 trat er in den Kamillianerorden ein, der sich der Seelsorge für Leidende und Kranke verschrieben hat. Erst 1991 begann er das Priesterstudium. 1997 wurde er zum Priester geweiht. 2000 übernahm er die Pfarre St. Peter in einem Stadtteil, in dem viele voestalpine-Arbeiter wohnen. "Ich spreche die Sprache der Leute und sie meine", erklärt Zeiger.

Die Kirche sollte auf der Seite der Menschen stehen und er wolle ihre Probleme in die Öffentlichkeit tragen, beispielsweise Angst um den Arbeitsplatz oder um die Zukunft der Jugend. "Um die Kirche und ihre Arbeit über die Medien präsent zu machen, gehört Klappern zum Handwerk" begründet er seine Vorgangsweise. Die Forderungen nach einer Kirchenreform? "Mögen ihre Berechtigung haben, aber dafür gibt es Gescheiterte wie mich." Es würde zu viel darauf geschielt, was Bischöfe oder der Papst sagen. Das gewinne dadurch eine Bedeutung, die es in der Praxis nicht habe. Die Kurie in Rom sei nur die Verwaltungsebene. Aber in den Pfarren würden großartige Dinge geschehen. Der kaum mehr praktizierte Begriff "Solidarität" werde dort noch gelebt, Jeder finde seinen Platz. "Die Kirche hat eine gute Zukunft", glaubt der Geistliche.

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Artikel nachrichten.at/apa 23. Januar 2012 - 10:36 Uhr
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