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Die G-20 will Welt-Währungssystem breiter aufstellen

CANNES. Die G-20 will das Weltwährungssystem schrittweise aus seiner einseitigen Abhängigkeit vom US-Dollar lösen und es auf eine breitere und damit stabilere Basis stellen. In Cannes wurden Freitag Eckpunkte für eine solche Reform beschlossen.

ie vorgeschlagene Reform zielt auf ein multipolares Währungssystem ab, in dem die Währungen von Schwellenländern neben dem US-Dollar, dem Euro und dem Yen eine größere Rolle spielen sollen. Derzeit kommt die US-Währung mit 9,6 Billionen Dollar auf einen Anteil von knapp zwei Drittel der weltweiten Devisenreserven - gefolgt vom Euro mit gut einem Viertel.

Das verschafft den USA besondere Vorteile bei der Finanzierung ihrer Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite. Andererseits sind etliche Währungen, nicht zuletzt der chinesische Remnimbi, trotz teils heftiger Kritik immer noch an den Dollarkurs gekoppelt. Das gibt den Chinesen über Unterbewertungseffekte Exportvorteile und sichert ihnen speziell in den USA einen erleichterten Marktzugang.

Kapitalverkehrskontrollen

Es gibt im wesentlichen fünf Schwerpunkte einer Reform, die eine G-20-Arbeitsgruppe unter dem Co-Vorsitz des deutschen Finanzstaatsekretärs Jörg Asmussen erarbeitet hat. Sie befasste sich beispielsweise mit dem Kapitalverkehr, dem Umgang mit unerwünschten großen Kapitalzu- und -abflüssen. Diese können in betroffenen Ländern erhebliche wirtschaftliche Probleme und Währungsturbulenzen auslösen. Die Reformpläne sehen vor, dass die G20 den Grundsatz eines weltweit freien Kapitalverkehrs verfolgt. "Wir wollen, dass freier Kapitalverkehr zwischen den Ländern stattfindet", beschrieb Merkel das Prinzip. Kapitalverkehrskontrollen soll es nun aber geben, allerdings nur in Ausnahmefällen, zeitlich begrenzt und in enger Abstimmung mit Partnerländern.

Sonderziehungsrechte stärken

Zweitens geht es um eine Stärkung der sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) des Internationalen Währungsfonds als Abrechnungs- und Reservewährung. Diese Kunstwährung ist durch einen Währungskorb gedeckt. Er umfasst bislang lediglich die großen Weltwährungen Dollar, Euro, Yen und das britische Pfund. Gedacht ist daran, bis 2015 die Zusammensetzung dieses Korbes zu überprüfen. Ziel ist mittelfristig, Währungen wichtiger Länder wie China oder Brasilien einzubeziehen und zu internationalisieren.

Allerdings müssen dafür zwei Bedingungen erfüllt sein, wie Asmussen jüngst in einem Interview erläuterte: Die Währungen müssen im weltweiten Handel umfangreich genutzt werden und sie müssen frei nutzbar sein. Der chinesische Remnimbi ist das derzeit noch nicht. China müsste also Fortschritte machen in Richtung voller Konvertibilität und Wechselkursflexibilität - ein Langzeit-Streitthema.

IWF soll Währungsgeschehen beaufsichtigen

"Wir unterstützen auch, dass der IWF die internationalen Kapitalströme besser überwacht", erläuterte die deutsche Kanzlerin Merkel einen weiteren Punkt. Der Internationale Währungsfonds, dessen Bedeutung im Rahmen der Krisenbekämpfung ohnehin zugenommen hat, soll also auch eine stärkere Aufsichtsfunktion über das Währungsgeschehen übernehmen.

Um Länder, gerade Schwellen- und Entwicklungsländer, weniger abhängig von den großen Kapitalmärkten des Westens zu machen, plädiert die G-20-Arbeitsgruppe darüber hinaus für eine Stärkung von Anleihemärkten in lokalen Währungen. Dazu soll ein Aktionsplan beitragen. Schließlich wurden Grundsätze festgelegt, wie der IWF mit regionalen finanzpolitischen Einrichtungen, zum Beispiel dem Euro-Rettungsschirm EFSF, enger zusammenarbeiten kann. Dahinter steckt der Ausbau von wirtschaftlichen Sicherungsnetzen zur Abwehr und Bewältigung von Krisen.

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Artikel nachrichten.at/apa 04. November 2011 - 16:48 Uhr
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