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"Austro-Nobelpreis" für Linzer Forscher

WIEN. Der Biochemiker Jürgen Knoblich und der Computerwissenschafter Gerhard Widmer erhalten den Wittgenstein-Preis 2009. Das gaben Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, am Montag bekannt.

Gerhard Widmer Bild: krieglsteiner

Der jährlich vergebene, jeweils mit 1,4 Mio. Euro dotierte „Austro-Nobelpreis“ ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung des Landes. Gleichzeitig wurden sechs Nachwuchsforscher mit den mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotierten START-Preisen ausgezeichnet. Sie Preise Anfang 2010 im Rahmen einer Gala verliehen.

Gerhard Widmer

Gerhard Widmer (48) ist Professor für Computational Perception an der Universität Linz und leitet die Abteilung für Machine Learning, Data Mining und Intelligent Music Processing am Österreichischen Forschungsinstitut für Artificial Intelligence in Wien. Der Informatiker wurde bereits 1998 mit dem START-Preis ausgezeichnet. Seine Professur „Computational Perception“ beschreibt Widmer mit der wörtlichen Übersetzung „Computer-Wahrnehmung“. Der Wissenschafter erforscht „Algorithmen, die Computer in die Lage versetzen, ihre Umwelt wahrzunehmen“. Im Bereich Musik hat Widmer hier bereits große Fortschritte erzielt.

So hat er sich das Ziel gesetzt, „mit Hilfe des Computers zu lernen, wie Musikinterpretation als künstlerische Fertigkeit funktioniert“, wie also etwa ein Pianist durch individuelle, gefühlvolle Spielweise ein Musikstück interpretiert. Wie erfolgreich er dabei ist, zeigt ein Nebeneffekt dieser Arbeit: Bei einem Wettbewerb in Japan 2008, bei dem ein Computer auf einem Konzertflügel vorgegebene Musikstücke mit künstlerischem Ausdruck spielen musste, räumten Widmer und sein Team gleich drei Preise ab. Widmer entwickelt auch intelligente Programme, welche die menschliche Musikwahrnehmung zumindest teilweise simulieren und riesige digitale Musiksammlungen nach bestimmten Kriterien durchsuchen und ordnen können. Ein solcher „elektronischer DJ“ wird bereits in der ersten musikalisch intelligenten digitalen Stereoanlage kommerziell genutzt.

Mit dem Preisgeld will Widmer u.a. in Richtung eines höheren Musikverständnisses von Computern arbeiten, das derzeit noch weit entfernt von jenem des Menschen sei. Aber auch Echtzeit-Systeme, die es Maschinen erlauben, Musik live mitzuverfolgen und in Echtzeit zu analysieren, sind ein Ziel. Einsetzbar wäre dies etwa für die Live-Visualisierung von Musikstücken.

Jürgen Knoblich

Jürgen Knoblich (45) ist Senior Scientist und stellvertretender Leiter des Instituts für molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Der seit 1997 in Österreich tätige gebürtige Deutsche ist Spezialist für Zellteilung. In den vergangenen Jahren hat Knoblich den Mechanismus der sogenannten asymmetrischen Zellteilung geklärt: Anders als bei der üblichen Zellteilung (Mitose), bei der zwei idente Tochterzellen entstehen, teilen sich Stammzellen asymmetrisch. Eine Tochterzelle bleibt eine Stammzelle, die andere wird zu einer spezialisierten Zelle, etwa eine Hautzelle. Wie das genau auf molekularer Ebene funktioniert und welche Gene und Proteine dabei eine Rolle spielen, hat der Wissenschafter am Modellorganismus der Fruchtfliege (Drosophila) aufgeklärt - was von besonderer Bedeutung für die Krebsforschung ist, spielt doch die asymmetrische Zellteilung eine wichtige Rolle bei der Tumorentstehung.

Das Preisgeld will Knoblich einerseits dazu verwenden, diese Prozesse auch bei höheren Organismen wie Mäusen zu untersuchen. Andererseits will der Wissenschafter einen systembiologischen Ansatz verfolgen und die Stammzellenbiologie physikalisch-mathematisch betrachten, wie er gegenüber der APA erklärte.

Mit dem START-Preis wurden ausgezeichnet:

Francesca Ferlaino, Institut für Experimentalphysik der Uni Innsbruck; Ilse Fischer, Institut für Mathematik der Uni Wien; Arthur Kaser, Uni-Klinik für Innere Medizin II - Gastroenterologie & Hepatologie der Medizin-Uni Innsbruck; Manuel Kauers, Research Institute for Symbolic Computation der Uni Linz; Thorsten Schumm, Atominstitut der Technische Universität Wien; David Teis, Biocenter der Med-Uni Innsbruck.

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Artikel apa/nachrichten.at 19. Oktober 2009 - 11:26 Uhr
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