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Bild: (Volker Weihbold)
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Freie Schulwahl ab sofort: Das ABC dieser Neuregelung

  • Freie Wahl: Schüler und deren Eltern können sich eine Neue Mittelschule aussuchen – landesweit
  • Die Anmeldefrist für eine Wunschschule endet am 10. März – ab 27. März steht fest, wer angenommen wurde. 

Freie Schulwahl

Die Schulsprengel für Neue Mittelschulen wurden vom Land abgeschafft. Zehn- bis 14-Jährige, respektive dessen Eltern, können frei entscheiden, welche Neue Mittelschule sie besuchen möchten. Die Anmeldefrist für Herbst endet am 10. März. Diese Neuregelung gilt für das ganze Land. Mit Hilfe von Johann Gruber, Bezirkshauptmann-Stellvertreter, und Pflichtschulinspektor Johann Zillner wird sie hier erklärt.

Dürfen Eltern und Schüler aus allen Neuen Mittelschulen im Bezirk frei wählen?

Alle zehn bis 14-jährigen Pflichtschüler können gemeinsam mit ihren Eltern entscheiden, welche der 232 NMS in ganz Oberösterreich sie besuchen wollen. Perwanger und Paltinger dürfen weiterhin nach Salzburg (Mattsee) gehen.

Wann kann ich mein Kind anmelden?

Der Antrag auf Aufnahme an der Wunschschule ist bis zum 10. März persönlich an der Wunschschule einzureichen.

Kann ich mein Kind an mehreren Wunschschulen anmelden?

Zusätzlich können maximal zwei weitere Schulplatzwünsche angegeben werden. Eine Anmeldung ist jedoch nur an der ersten Wunschschule möglich.

Wann weiß ich, ob das Kind an der Wunschschule angenommen ist?

Die vorläufige und schulinterne Zuweisung eines Schulplatzes durch die Schule erfolgt bis 22. März. Ab 27. März werden die Eltern informiert.

Wer entscheidet, ob ein Kind aufgenommen wird oder nicht?

Der Schulleiter.

Nach welchen Kriterien wird entschieden?

Es gibt keine Aufnahmeprüfung, keine Bewerbung. Außer an den Musik-NMS, dort gibt es Eignungstests. Es gibt eine Geschwisterregelung. Heißt, Kinder, deren Bruder oder Schwester bereits an der Wunschschule ist, werden bevorzugt. Auch Entfernung und Verkehrsverbindung spielen eine Rolle. In der Aufnahmeverordnung ist auch die schulische Leistung als ein Kriterium vorgesehen.

Was ist, wenn ein Schüler in seiner Wunschschule nicht angenommen wird?

Wenn die Schule aus personellen, räumlichen oder schulorganisatorischen Gründen einen Schüler in der Wunschschule nicht aufnehmen kann, kann dieser an einer anderen Wunschschule aufgenommen werden. Klappt auch das nicht, muss ihn die Neue Mittelschule seines Pflichtsprengels aufnehmen. Sprengel gibt es also nach wie vor, nur haben Eltern/Schüler jetzt auch die Möglichkeit, sich eine sprengelfremde Wunschschule auszusuchen. Die Pflichtschulsprengel sind von der Behörde so geregelt, dass die Bezirke flächendeckend in Pflichtschulsprengel aufgeteilt sind. Schulsprengel ist in der Regel – wie vorher – die Wohnsitzschule.

Werden ortsansässige Kinder bevorzugt? Haben zum Beispiel die Ostermiethinger Kinder Anspruch auf einen Platz an der NMS Ostermiething?

Ja, das sind Schüler im Pflichtschulsprengel.

Kann es sein, dass eine Schule schließen muss, weil sie zu wenige Anmeldungen hat?

Das wird im Bezirk Braunau nicht der Fall sein.

Ist es tatsächlich ein freier Wettbewerb und dürfen Schulen werben?

Nicht aggressiv, aber Schulen werben etwa bei Elternabenden oder einem Tag der offenen Tür.

Gibt es eine Quotenregelung für Kinder mit Migrationshintergrund?

Die gibt es nicht, das widerspräche dem Gleichheitsgrundsatz.

Was ist, wenn während des Schuljahres eine Familie z. B. nach Munderfing zieht, die Munderfinger NMS aber bis auf den letzten Platz bereits gefüllt ist: Muss sie dann ein "Wunschschüler", also Schüler, der einem anderen Sprengel zugeteilt wäre, verlassen?

Ein Schüler, der bereits aufgenommen wurde, wird nicht mehr abgewiesen.

Wer übernimmt den Schülertransport?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Öffentliche Verkehrsmittel und Gelegenheitsverkehr, sprich private Busunternehmen. Hierbei kommt es auf die Anzahl der Schüler an.

Gibt es Gastschulbeiträge?

Die gibt es nicht mehr. Es gibt allerdings einen laufenden Schulerhaltungsbeitrag – das ist im Prinzip dasselbe, nur die Bezeichnung ist anders. Die Gemeinden haben den Beitrag zu bezahlen, wenn Schüler eine Schule außerhalb eines Pflichtschulsprengels besuchen.

 

Details und Interview

 

Mattighofen und Munderfing: Zwei, die sich in die Quere kommen
Die Mittelschule in Mattighofen  
Bild: (mora)

Mattighofen und Munderfing: Zwei, die sich in die Quere kommen

Brennpunkt-Schulen sind eine befürchtete Folge der freien Mittelschulwahl. Ein Beispiel aus dem Bezirk Braunau ist die NMS Mattighofen, die bisher schon oft mit Umschulungsanträgen zu tun hatte. Gleich in der Nachbargemeinde der Mattighofner Schule steht die beliebte NMS in Munderfing,

Konkret könne man aber noch nichts sagen, so NMS-Leiter Johann Gärtner aus Mattighofen. Erst, wenn der Stichtag am 10. März da ist, werde er wissen, wie sich die freie Schulwahl auf seine Schule auswirken wird. "Ich glaube nicht, dass sich viele meine Schule als Wahlschule auswählen. Natürlich würde mich das freuen, aber damit rechne ich nicht", sagt er. Dass die neue Regelung Mattighofen im Hinblick auf die Umschulung härter treffen könnte als andere Schulen, sei seine Befürchtung. "Es ist mir schon wichtig, dass sich möglichst wenige aus meinem Sprengel an einer anderen Schule anmelden", sagt Gärtner. Drei Klassen, so viele im Vorjahr, erwarte er sich auch für das kommende Schuljahr.

Neues pädagogisches Konzept

Denn die freie Wählbarkeit habe auch ihre Grenzen: In anderen Schulen werden die Kinder aus dem Schulsprengel bevorzugt (diese bestehen weiterhin, wurden allerdings neu gezogen, siehe Bericht oben). Der Mattighofner Schulleiter setzt auf das neue pädagogische Konzept, das es an seiner NMS derzeit exklusiv im Bezirk gibt: Schüler der jetzigen ersten Klasse können Ende nächsten Jahres aus Schwerpunkten für den weiteren Unterricht wählen. "Vielleicht spricht sich das herum", hofft der Schulleiter.

"Das Land entscheidet"

Das gegenteilige Problem hat der Leiter der NMS Munderfing, Norbert Stangl. Seine Schule ist bei Eltern und Schülern sehr beliebt. "Wir können nicht klagen", sagt er bescheiden. Er habe bereits "relativ" viele Anmeldungen auf dem Tisch.

Die freie Schulwahl sieht er aber noch mit einem mulmigen Gefühl: "Eigentlich haben weder die Gemeinde noch ich ein Mitspracherecht. Der Schulleiter gibt nach vom Land vorgelegten Kriterien eine Empfehlung ab. Das Land entscheidet schließlich, wer in die Schule gehen kann", sagt er. Erst Ende März erfährt der Schulleiter die Entscheidung des Landes und kann weiterplanen.

Priorität haben jene Kinder, die im Schulsprengel Munderfing sind, das sind die Munderfinger, Jeginger und ein Teil der Kinder aus Schalchen. "Sie können bei uns nicht abgelehnt werden", macht Stangl deutlich. Wer die NMS Munderfing als Wunschschule angibt, hat gute Chancen aufgenommen zu werden, wenn sie näher ist, als die Sprengelschule oder wenn bereits Geschwister diese Schule besuchen. Auch Leistung wird ein Kriterium sein, wie Pflichtschulinspektor Hans Zillner bestätigt.

 

"Jedes Kind wird einen Platz an einer Schule bekommen"
Wolfgang Schatzl erwartet von der Reform eine Verwaltungsvereinfachung.  
Bild: (Streif)

"Jedes Kind wird einen Platz an einer Schule bekommen"

Worin er die Vor- sowie die Nachteile der freien Schulsprengelwahl sieht, darüber spricht der Rieder Bezirksschulinspektor Wolfgang Schatzl, interimistisch auch für Schärding zuständig, im Interview mit der Volkszeitung.

  1. Worin bestehen die Vorteile der freien Schulsprengelwahl?


    Wir erwarten uns davon vor allem eine Vereinfachung der Verwaltung. Bisher hat jedes neue Schuljahr viele Umschulungsanträge mit sich gebracht, wenn die Eltern für ihre Kinder eine andere Schule wollten. Das hat die beteiligten Gemeinden, Schulen, Eltern und Schüler sehr beansprucht.
  2. Wie viele dieser Umschulungsanträge gab es in den letzten Jahren?


    Wir verfügen über keine genauen Zahlen, da diese an den einzelnen Schulen vorliegen. Die Zahl der Anträge fiel regional jedoch recht unterschiedlich aus: Je zentraler die Wohngegend und je größer das Angebot an Schulen, desto mehr Anträge gab es.
  3. Sehen Sie durch die Reform auch Nachteile?


    Das lässt sich im Moment eher schwer sagen. Die Entwicklungen ab dem kommenden Schuljahr werden neu und spannend zu beobachten sein. Auf die Schulen kommt die Aufgabe zu, sowohl die Zahl der sprengeleigenen Schüler zu kennen und zu wissen, wie viele Kinder kommen oder wechseln möchten.
  4. Fürchten Sie als Bezirksschulinspektor, dass aus Sprengeln mit sogenannten Brennpunktschulen, in denen es einen hohen Migrationsanteil gibt, sehr viele Schüler weg- und kaum jemand hinwechseln wird?

    Probleme mit Brennpunktschulen mag es in einzelnen Fällen geben. Eine Schule darf nicht überdurchschnittlich wachsen. Auf der Ebene des Landesschulrates gibt es eine Steuerungsgruppe, die solchen Entwicklungen bei Bedarf entgegenwirkt. Im Fall von Überlastung gibt es eigene Regelungskriterien (siehe Bericht oben, Anm.). Wichtig ist: Jedes Kind wird einen Platz bekommen.

 

Abstimmung und Umfrage

Abstimmung um Umfrage

Durch die Auflösung der Pflichtschulsprengel gibt es ab sofort einen freien Wettbewerb unter den NMS. Gut oder schlecht? Was denken Sie? Wir haben acht Landsleute zu dem Thema befragt. Auch Ihre Meinung interessiert uns - Stimmen Sie ab!

 

 

Der Braunauer sieht Vor- und Nachteile dieser Neuregelung.      
Bild: (Marina Huber)

Fred Hermann Werbegrafik-Designer: "Das Positive: Die Umstellung wird zu einem Wettbewerb um Schüler führen. Imageschwächere Schulen werden sich neu positionieren müssen, um den Anschluss an diverse "Elite"-Mittelschulen – wie zum Beispiel Ranshofen oder Eggelsberg mit speziellen Schwerpunkten wie Musik, Sport oder Informatik – nicht zu verlieren. Wettbewerb führt (fast) immer zu Qualitätssteigerungen. Das Negative: Die Integration der Schüler, die nicht Deutsch als Muttersprache haben, wird darunter leiden.

 

Plasser
Die Neukirchnerin hat fünf Kinder, 13 ist das jüngste.      
Bild: (Privat)

Brigitte Plasser, Kaufmännische Angestellte: "Ja, ich finde das nur gut. Die Schulen haben ja unterschiedliche Schwerpunkte. Da kann man bei der Schulwahl die Begabungen und Interessen der eigenen Kinder berücksichtigen, das deckt sich oft mit den liebsten Freizeitbeschäftigungen. Meine Kinder haben alle das Gymnasium besucht. Das hätte sich auch nicht geändert, wenn es die freie Wahl schon gegeben hätte. Ich bin sehr für den Erhalt der Gymnasien, weil es schwer ist, den Unterricht für sehr Begabte und Kinder mit Förderbedarf in einer Klasse passend zu gestalten."

 

Brigitte Feichtenschlager
Die Mauerkirchnerin hat einen10-jährigen Sohn.      
Bild: (Privat)

Brigitte Feichtenschlager, Lehrerin in der Erwachsenenbildung: "Gerade bei Leuten wie uns, die in der Nähe der Gemeindegrenze leben, war’s schwierig. Bei meinem Sohn war der Kindergartensprengel nicht derselbe wie der für die Schule. Es ist schon vorteilhaft, dass es jetzt einen kleinen Konkurrenzkampf gibt, weil die Schulen dann angespornt werden, besser zu werden, aber das darf nicht ausarten. Grundsätzlich glaube ich, dass sich nicht viel ändern wird, weil die Bus- und Zugverbindungen im Innviertel ohnehin nicht viel Spielraum für weitere Schulwege lassen."

 

Cordula Breit-Menschick
Die Innviertlerin unterrichtet an der Roseggerschule, Ried.      
Bild: (Privat)

Cordula Breit-Menschick, Lehrerin: "Für die Eltern ist es unkomplizierter, wenn sie die Schule frei wählen können. Bisher musste man das von der Gemeinde genehmigen lassen. Auch größere Schulen, die besondere Schwerpunkte, beispielsweise in Technik, Sport oder Informatik anbieten, profitieren davon. Ich unterrichte an der Rieder Roseggerschule und wir haben 30 bis 40 Prozent sprengelfremde Schüler. Kleinere Schulen auf dem Land werden darüber wahrscheinlich nicht froh sein. Ich bezweifle aber, dass es den großen Umbruch geben wird."

 

Matthias Ertl, Direktor Informatik-Mittelschule Aurolzmünster: "Ich glaube nicht, dass es wegen der freien Wahl zu großen Veränderungen bei den verschiedenen Schulen kommen wird. Bei uns bewegen sich die Anmeldungen fast im selben Rahmen wie die Jahre zuvor. Alle Neuen Mittelschulen haben ohnedies nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung und können in diesem Rahmen kleine Schwerpunkte setzen. Außerdem wird wohl kaum ein Kind weite Fahrten in Kauf nehmen. Wichtig ist nicht, was außen auf der Schule draufsteht, sondern die Personen, die in der Schule agieren."

 

Harald Slaby
Der Andorfer ist Vater von zwei schulpflichtigen Kindern      
Bild: (AMS Schärding/honorarfrei)

Harald Slaby, Geschäftsstellenleiter AMS Schärding: "Das Angebot der Schulen ist bunter, interessanter, attraktiver geworden. Es gibt jetzt beispielsweise technisch-naturwissenschaftliche, Sport-Informatik und Musikschwerpunkte, in denen Jugendliche Begabungen und Interessen ideal entwickeln können. Daneben gibt es die Regel-Mittelschulen, in denen genauso gut und kreativ unterrichtet wird. Alles in allem sehe ich die freie Schulwahl weniger unter dem Blickwinkel des Wettbewerbes der Schulen sondern als positive Chancenerweiterung für die Schüler."

 

Fritz Burgstaller
Der Innviertler aus Ort im Innkreis ist Jurist an der BH Schärding      
Bild: (Privat)

Friedrich Burgstaller, Behörden-Jurist: "Ich bin an der Bezirkshauptmannschaft Schärding für den sprengelfremden Schulbesuch zuständig und daher mit der Materie inhaltlich vertraut. Natürlich liegt es im Interesse der Eltern, frei entscheiden zu können, welche Neue Mittelschule die Kinder besuchen. Die Auslastungsplanungen der Schulerhalter werden schwieriger werden. Man darf die Gemeinden hier nicht im Stich lassen. Der nächste Schritt wäre dann die Wahlfreiheit auch bei Volksschulen. Wir werden sehen, wo die Reise hingeht."

 

Klaus Angerer
Der Schärdinger ist auch als Leichtathletik-Trainer tätig      
Bild: (OÖN-Streif)

Klaus Angerer, Lehrer an der Neuen Mittelschule Schärding: "Bei uns an der Neuen Mittelschule Schärding ist im Sportschwerpunkt der gesamte Bezirk Schärding der Sprengel. Wir haben hier Sportschüler aus dem ganzen Bezirk, die sich durch einen sportlichen Eignungstest (Aufnahmetest) für die Schule qualifizieren. Daher ist hier keine Änderung zu erwarten. Ähnliches gilt für den Musikzweig: Nur ist es hier für die Interessierten und Begabten möglich, zwischen (natürlich nach regionalen Gesichtspunkten) Andorf und Schärding zu wählen."

Von Marina Mayrböck, Magdalena Lagetar und Elisabeth Prechtl, 02. März 2017

Kommentare

„Das das Land OÖ die jahrezehntelangen üblichen Regelungen zur Klassentrennung ab 51 Schüler, ...“ bolyn Das das Land OÖ die jahrezehntelangen üb...
„Laut Mattighofner Eltern sind in der Mattighofner NMS zu viele ausländische Kinder.Also wird ...“ lester Laut Mattighofner Eltern sind in der Mat...

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