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Bild: (Reuters)
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Das langsame Sterben des alten Fernsehens

  • Streaming-Dienste auf dem Vormarsch: Wie Amazon Prime, Netflix und Co. unsere Fernsehgewohnheiten verändern. 
  • Interviews und Portraits: Was Kommunikationsexpertin Julia Wippersberg, der Innviertler Fernsehpionier Hans Kühberger und Liwest-Chef Stefan Gintenreiter dazu sagen. 
  • Werbung: Der Werbemarkt steht vor einer Zeitenwende. 2017 wird weltweit erstmals mehr Geld für Internetwerbung ausgegeben werden als für Fernsehwerbung. 

Streaming auf dem Vormarsch

"Fernsehen ist in den Händen der Alten"

Am Samstag versammelt die Hauptabendshow die Familie vor dem Fernseher, am Donnerstag die neue Folge der Lieblingsserie - diese Zeiten sind vorbei. Bald streamt jeder auf einem anderen Gerät. Von Julia Evers

"Die Jungen sind im Internet, auf YouTube, irgendwo. Das Fernsehen ist in den Händen der Alten. Schaut ja kein Junger mehr fern."

Der, der das sagt, heißt Christoph Grissemann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Dirk Stermann zeichnet er für "Willkommen Österreich", eine der frechsten Sendungen in der "Jungen Schiene" namens "die.nacht" im ORF eins, verantwortlich. Tatsächlich sind die Zuseher der beiden hauptberuflichen Spaßmacher viel jünger als im Senderschnitt – "aber der Durchschnitt unseres Publikums ist 42, 43 Jahre alt. Das heißt für jeden 20-Jährigen, der zusieht, muss es auch einen 65-Jährigen geben, der zusieht", sagt Grissemann.

Im TV, Radio und auf Bühnen erfolgreich: Stermann und Grissemann.    
Bild: (ORF)

Neue Sprachbilder

Lange schon wird über das Ende des linearen Fernsehens debattiert, seitdem Streaming-Anbieter wie Netflix und Amazon Prime den heimischen Markt ins Visier genommen haben, scheint die Diskussion an Dringlichkeit zuzunehmen.

Im April stand Netflix kurz davor, die magische Marke der weltweit 100 Millionen Abonnenten zu übertreffen. Der Umsatz ist innerhalb eines Jahres um 35 Prozent im ersten Quartal 2017 auf 2,64 Milliarden Dollar gestiegen, der Reingewinn mit 178 Millionen Dollar ausgewiesen. Mit dem Aufstieg von Netflix haben sich nicht nur neue Sprachbilder (wie "binge-watching" – alle Folgen einer Serie am Stück zu konsumieren) etabliert, sondern auch völlig neue Sehgewohnheiten. Nicht mehr das Fernsehen gibt den Sehern den Tagesablauf vor, sondern die Seher suchen aus, wann sie sich welche Serien und wie viel davon ansehen -und das ohne Werbepausen.

Netflix, Amazon Prime und Co. setzen aber nicht nur darauf, die zeitliche Fixierung des Fernsehens aufzubrechen, sie begeistern ihr Publikum auch mit den derzeit innovativsten und aufwendigsten Eigenproduktionen im TV-Universum. Bei der Verleihung der wichtigsten amerikanischen TV-Preise "Emmy" und "Golden Globe" werden Produktionen von Streaming-Anbietern mittlerweile regelmäßig mit Trophäen überhäuft, selbst beim renommierten Filmfestival in Cannes rittert Netflix mit im Wettbewerb um die Trophäen.

Ob intelligente Polit-Satire wie "House Of Cards", Comedy aus dem Frauen-Gefängnis in "Orange is the new black" oder das Leben eines Familienvaters, der eine Frau werden will, in "Transparent" – Themen und Machart können anders angegriffen, mit Gesetzen des linearen Fernsehens darf gebrochen werden. Denn aufgebaut sind die Serien oft wie überlange hochwertige Kinofilme – es muss nicht zu Beginn jeder Folge alles wieder kurz erklärt oder in Erinnerung gerufen werden, weder muss in den ersten Minuten ein Mord passieren, noch vor der Werbepause ein Cliffhanger eingebaut werden.

Sport bald nur noch gegen Geld?

Klassische Fernsehanstalten kommen durch die zahlreichen Streaming- und Video-on-Demand-Anbieter immer mehr in Bedrängnis: "Wir sehen, dass die nonlineare Nutzung vor allem in den jüngeren Publikumssegmenten laufend an Bedeutung gewinnt. Trotzdem ist die Video-on-Demand-Nutzung für die meisten Seherinnen und Seher eine Ergänzung zum linearen Fernsehen und kein Ersatz. Die klassischen Sehgewohnheiten sind also derzeit grundsätzlich als relativ stabil zu betrachten, die neuen Bedürfnisse des "ATAWAD", also anytime, anywhere, any device, kommen hinzu", sagt ORF-Unternehmenssprecher Martin Biedermann. Auch im Sportbereich geraten öffentlich-rechtliche Sender zunehmend unter Druck, und das obwohl große Sportereignisse eigentlich immer noch als Hoffnungsträger des linearen Fernsehens gelten. Zum Zeitpunkt des Geschehens mitzufiebern und bei Sieg oder Niederlage dabei zu sein, ist vielen Fans ein Bedürfnis. Doch beim Poker um die Rechte zur Übertragung von Champions-League, Olympischen Spielen und anderen Großereignissen bekommen derzeit zunehmend Pay-TV- oder Streaming-Anbieter den Zuschlag.

Smartphone wird zentral

"Medienmarkt und die Mediennutzung durchleben derzeit einen Transformationsprozess ungekannten Ausmaßes. TV-Panels und PCs wachsen zum Smart-TV zusammen, mobile und On-Demand-Nutzung gewinnt rasant an Bedeutung, und das Smartphone wird immer mehr zur zentralen Plattform der Mediennutzung", sagt Biedermann. In der TV-Thek wird der ORF bald noch stärker auf die geänderten Sehgewohnheiten Rücksicht nehmen: "Geplant sind der Ausbau der "Restart"-Funktion, also der Neustart des Live-Streams während der Dauer der Live-Ausstrahlung einer Sendung, die Schaffung interessenbezogener, individualisierter Abrufmöglichkeiten als "MyTVthek" und der Ausbau der "ORF-TVthek goes school"-Videoarchive", sagt Biedermann.

Streaming-Dienste im Überblick: Klicken Sie auf den rechten Bildrand um zum nächsten Foto zu kommen. 

 

Zahlen und Fakten
 

  • 91 Prozent der Österreicher betrachten täglich bewegte Bilder, ob lineares Fernsehen, Streams oder DVD. Doch während in der Gesamtbevölkerung klassisches Fernsehen 81,2 Prozent des TV-Konsums abdeckt, sind es bei der jungen Zielgruppe zwischen 14 und 29 Jahren nur noch 59,3 Prozent.
  • 149 Minuten pro Tag: So lang sind Österreichs 15-Jährige wochentags durchschnittlich online – außerhalb der Schulzeiten. Am Wochenende steigt die Internetnutzung noch einmal: auf durchschnittlich 179 Minuten. Neben sozialen Netzwerken wie Facebook sind es auch Online-Spiele, in die 15-Jährige ihre Zeit investieren.
  • 4,99 Millionen Österreicher nutzen täglich das Internet, insgesamt gibt es hierzulande 6,29 Millionen Internetnutzer.
  • 178 Minuten sehen die Österreicher im Durchschnitt täglich fern.

 

"Nicht ein großes, sondern viele kleine Lagerfeuer"

Julia Wippersberg
Julia Wippersberg    
Bild: (Robert HARSON)

Kommunikationswissenschafterin Julia Wippersberg (41) forscht und lehrt an der Universität Wien. Die Zukunft des TV samt mobilem und interaktivem Fernsehen ist einer der Schwerpunkte der in Losenstein aufgewachsenen Wissenschafterin.
 

  1. Wie wird sich unsere Medien- und Fernsehnutzung verändern?


    Wenn ich das wirklich genau wüsste, würde ich dieses Wissen teuer verkaufen (lacht). Es gibt aber Studien, die besagen, dass Fernsehen nach wie vor genutzt wird, sich aber die Funktion von Fernsehen verändert. Das war schon beim Radio so – Radio war zuerst ein Medium für Nachrichten, ein Informationsmedium und wurde dann zum Nebenbei-Medium. Das wird mit dem Fernsehen auch passieren, das ist keine große Überraschung. Für die Jungen wird das lineare Fernsehen zunehmend unattraktiv, auch das belegen viele Studien. On-Demand, jederzeit verfügbar, das ist, was die Jungen wollen. Wobei man sich mit 2die Jungen" auf 16- bis 30-Jährige bezieht. Eine Zielgruppe, die sehr unterschiedlich ist, aber häufig zusammengefasst wird.
  2. Wann werden wir künftig TV nutzen?


    Wir haben vergangenes Jahr eine Studie gemacht, die gezeigt hat: Für die Jungen wird überhaupt die ganze Nachrichtennutzung eine Zwischendurch-Tätigkeit. Ich habe eine kurze Wartezeit, dann schaue ich etwas an. Der Trend geht Richtung Zwischendurchnutzung. Das gilt für Nachrichten, in Bezug auf Filme und Serien nimmt die Wichtigkeit des linearen Fernsehens in dieser Zielgruppe noch weiter ab. Da greifen sie auf Netflix oder ähnliche Streaming-Dienste über den Laptop zurück.
  3. Werden Fernseher aus unseren Wohnzimmern verschwinden?


    Das ist eine spannende Frage. Eine Zeitlang wurde alles kleiner. Gestartet wurde bei der Kinoleinwand, dann wurde die Orts- und Zeitsouveränität von Kino bis hin zum Fernsehen am Handy immer stärker und die Bildschirme dabei immer kleiner. Jetzt kann ich sagen, ich kann es nutzen, wo und wann ich will. Diese Flachbildschirme sind aber auch ein Statussymbol, die Gruppe, die darauf Wert legt, wird es weiter geben. Es wird auch die Gruppe geben, die sagt, ich will mir einen Film in besserer Qualität auf einem größeren Bildschirm anschauen. So schnell verschwinden Fernseher nicht völlig – aber aus den Studentenheimen und aus den jungen Haushalten sind sie verschwunden.
  4. Was sind die Stärken des linearen Fernsehens?


    Live-Events. Zum Beispiel Sportübertragungen, die genau in diesem Moment stattfinden. Nicht umsonst streiten sich alle um die Sportrechte. Die 2Zeit im Bild" reicht für viele auch um 23 Uhr in der TV-Thek, man schaut Dinge am nächsten Tag oder man erfährt sie schon irgendwie anders.
  5. Wie konsumieren wir Bewegtbilder in fünf Jahren?


    Sehr viel über Plattformen, Streaming-Dienste. Youtube - oder ein anderer derartiger Anbieter werden noch wichtiger. Wir werden Bewegtbilder viel mehr unterwegs und zwischendurch konsumieren. Mit allen Problemen, dass man Nachrichten dann ganz anders aufbereiten muss, weil man Bewegtbilder unterwegs nicht so gut konsumieren kann, weil es rundherum sehr hell ist, weil der Ton nicht so gut ist. Aus diesem Grund glaube ich auch, dass die Unterwegs-Nutzung für kurze Infos, Clips und Nachrichten gut möglich sein wird, aber einen Film, Serien und ganze Staffeln durchschauen, da will man sich hinsetzen und genießen.
  6. Das Samstag-Abend-Lagerfeuer ist erloschen?


    Ich fürchte fast. Die Samstagabend-Show in der früheren Form ist auch tot. 2Wetten, dass?" und Ähnliches gibt es einfach nicht mehr. Dazu gibt es zu viele Sender, zu viele Angebote. Es gibt nicht ein großes, sondern mehrere kleine Lagerfeuer, um die sich die Leute scharen. Lagerfeuer, die nicht um 20.15 Uhr angezündet werden, sondern solche, die man anzünden kann, wenn man will.

 

Das sagen die Oberösterreicher

Der Fernseh-Pionier aus Ried

Hans Kühberger in seinem Element.     
Bild: (Volker Weihbold)

Hans Kühberger hat mit seinem Software-Unternehmen Ocilion schon vor Jahren die Zukunft des Fernsehens vorweggenommen: Über das Internet, zeitversetzt, ohne störende Werbung, bei Belieben auch auf dem Handy. Von Ulrike Rubasch

Auf mehr als 100.000 Bildschirmen nützen Menschen bereits das 2neue" Fernsehen, für das die Rieder Software-Firma Ocilion seit zwölf Jahren Zugangs-Maske und Services entwickelt. IPTV (Internetfernsehen) ist das Zauberwort, das für zeitversetztes Fernsehen steht. Unabhängig vom Live-Programm der Sender können Kunden über ein einheitliches Portal aus Dutzenden Sendern entweder sieben Tage zurück jede Sendung ansehen bzw. einfach für späteres Ansehen aufnehmen (auf einem Server, nicht auf ihrer eigenen Festplatte). Auch auf dem Handy, über das etwa von unterwegs die Aufnahme von Sendungen programmiert werden kann.

Ocilion, das mittlerweile 48 Beschäftigte hat und gut sieben Millionen Euro umsetzt, kann auf einen durchschlagenden Erfolg in der Schweiz verweisen. Dort sehen die Bürger zwar nicht länger fern als bei uns, doch bereits die Hälfte der Schweizer nützt das extrem gut ausgebaute Glasfaser- und Kabelnetz zum TV-Genuss. Rund ein Viertel der Fernsehzeit verbringen sie aber schon mit Fernsehen auf Abruf, also abseits vom Live-Programm.

Hans Kühberger, der diese Entwicklung schon vor Jahren vorausgesehen und entsprechende Vorarbeit investiert hat (zum Beispiel in den mühseligen Erwerb von Senderechten für Kinofilme), sieht auf Österreich eine neue Fernseh-Welle zurollen. Die bisher unklare Rechtssituation, die neue Angebote verhindert hat, sei jetzt geklärt. Viele Netzbetreiber starten gerade mit neuen Fernseh-Angeboten. Diese könnten auch passionierte Satelliten-TV-Kunden (gratis) zu Bezahlangeboten locken, ist er überzeugt.

Die steigende Nachfrage nach Internet-Fernsehen wirke jedenfalls wie ein Turbo auf den Breitband-Ausbau, ohne den diese Entwicklung nicht möglich ist. Allein die Schwesterfirma von Ocilion, Infotech, ein lokaler Kabelnetzbetreiber, werde in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro in den Breitband-Ausbau investieren, so der Ocilion-Gründer und Eigentümer Kühberger.

Gerade, weil es in Österreich relativ hochwertiges Fernsehen gebe, werde diese neuere Art des beliebig abrufbaren Fernsehkonsums dem Medium Fernsehen wieder mehr Bedeutung gegenüber anderen Kanälen, wie etwa YouTube, verleihen, ist sich Kühberger sicher.

Ocilion ist für Netzbetreiber ein Vordienstleister. Diese nützen die Ocilion-Plattform, um den Endkunden modernsten Fernsehgenuss über Kabel zu bieten. Auch Firmen wie Hotels und Spitäler zählen zu den Kunden. Gemessen an der Zahl der Installationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt Ocilion als Marktführer bei IPTV, schreibt das Fachmagazin Cable.
 

"Ein Angebot allein reicht nicht"

Liwest-Geschäftsführer Stefan Gintenreiter
Stefan Gintenreiter ist seit Sommer 2016 Liwest-Chef.      
Bild: (LInz AG)

Seit 39 Jahren versorgt der Kabelnetzbetreiber Liwest Oberösterreichs Haushalte. Doch die Kunden wollen heute mehr als nur scharfes Fernsehen oder schnelles Internet. Deshalb sucht Liwest nach neuen Geschäftsfeldern. Von Martin Roithner

Stefan Gintenreiter ist keiner, der lange um den heißen Brei redet. "Das Nutzerverhalten hat sich verändert. Es reicht heutzutage nicht, nur Fernsehen oder Internet anzubieten", sagt der Liwest-Geschäftsführer im Gespräch mit den OÖN. Nachsatz: "Man muss mit dem Trend der Zeit gehen, ob es einem gefällt oder nicht – auch als Kabelnetzbetreiber."

Die Firma Liwest ist Oberösterreichs größter Kabelnetzbetreiber. Sie versorgt 227.000 Haushalte, vor allem im Zentralraum, mit Fernsehen, Internet, Festnetztelefonie und Mobilfunk. Liwest beschäftigt 165 Mitarbeiter, hat vier Standorte (Linz, Wels, Steyr und Vöcklabruck) und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von knapp 50 Millionen Euro. Stefan Gintenreiter führt das 1978 gegründete Unternehmen seit Sommer des Vorjahres gemeinsam mit Günther Singer.

"Das Geschäft läuft gut, aber wir spüren den Atem der Konkurrenz im Nacken", sagt Gintenreiter. Mit den drei führenden Anbietern in Österreich – T-Mobile, Drei und A1 – könne man nicht mithalten. "Dafür haben wir nicht die Kapazitäten."

Um sich gegenüber den Konkurrenten "auf einem umkämpften Markt" zu behaupten, sucht Liwest nach neuen Geschäftsfeldern. Gintenreiter fasst die Unterhaltungsschiene ins Auge. "Virtual Reality, der Gaming-Bereich, die Fußball-Bundesliga, Übertragungen der Black Wings, mobiles Fernsehen – diese Dinge haben wir in der Pipeline". Gintenreiter erwägt auch, Services von Fremdanbietern in die Angebotspalette aufzunehmen. "Ich denke da etwa an YouTube, Netflix oder Amazon Prime." Den Kunden soll ein möglichst breites Spektrum angeboten werden. "Sie müssen einen Mehrwert haben. Die Sim-Karte alleine ist kein Garant dafür, dass es Abnehmer gibt", sagt der Geschäftsführer.

Einen Kundenzuwachs erhofft sich Gintenreiter von der mobilen TV-App, die Liwest noch heuer auf den Markt bringen will. Derzeit laufe eine Testphase mit 400 Kunden. "Kunden sollen unabhängig von Zeit und Ort all unsere Dienste konsumieren." Lineares Fernsehen habe aber trotzdem eine Zukunft, glaubt Gintenreiter.

"Beim Kirchturm bleibt jeder hängen"

Diese Ansicht teilt Manfred Ettinger, der beim Fernsehsender BTV die Geschäfte führt und 40 Mitarbeiter beschäftigt. Insbesondere regional-lokale Inhalte seien gefragt, bestätigt Ettinger: "Wenn jemand seinen eigenen Kirchturm sieht, bleibt er bei uns hängen." Berichte über Traditionen, Vereine, Brauchtum, Kinder und Kochen unterscheiden den Sender laut Ettinger von der Konkurrenz. Die größte Herausforderung in Zukunft sei, alle Kanäle (TV via Satellit, Internet-Auftritt und Soziale Medien) zu bespielen.

 

Werbemarkt

Zeitenwende auf dem Werbemarkt: Online holt Fernsehen von der Spitze
2016 nahm der Internet-Gigant 80 Milliarden Dollar mit Werbeschaltungen ein.  
Bild: APA/dpa-Zentralbild/unbekannt

Werbemarkt: Online holt Fernsehen von der Spitze

Der Werbemarkt steht vor einer Zeitenwende. 2017 wird weltweit erstmals mehr Geld für Internetwerbung ausgegeben werden als für Fernsehwerbung. 205 Milliarden US-Dollar sollen heuer in digitale Kanäle fließen, das sind 37 Prozent aller Werbeausgaben. Auf die Fernsehwerbung entfallen laut der deutschen Medienagentur Zenith 192 Milliarden Dollar.

"Es kommt zu einer Umschichtung", bestätigt Markus Huber, Geschäftsführer der Social-Media-Kommunikation bei der Linzer Werbeagentur Reichl und Partner. "Die Kosten für Werbeschaltungen sind online geringer als im Fernsehen." Werbung im Internet sei aber trotzdem "ein zweischneidiges Schwert", denn: "Einerseits profitieren Firmen davon, dass Werbung oft kaum von normalem Inhalt zu unterscheiden ist. Andererseits können sie kaum darüber entscheiden, neben welchen Inhalten ihre Inserate erscheinen."

Zwei Giganten beherrschen den Werbemarkt: Google und Facebook. 2016 setzte Google fast 80 Milliarden Dollar mit Werbeeinnahmen um, Facebook kam auf fast 27 Milliarden Dollar. Zusammengerechnet sind das rund 20 Prozent des globalen Umsatzes.

Analysten der GroupM, einer der weltweit größten Mediaagenturen, gehen davon aus, dass heuer 77 Prozent des Wachstums im Werbemarkt in den digitalen Bereich und nur 17 Prozent in den Bereich Fernsehen fließen.
Unternehmen wissen um die Macht von Facebook und Google – aber auch, dass bei Werbeschaltungen online Gefahren lauern. Im März dieses Jahres machte YouTube, die größte Videoplattform der Welt und ein Tochterunternehmen von Google, negative Schlagzeilen. Neben Videos mit IS-Propaganda oder rassistischen Hassbekundungen tauchten Botschaften von Werbekunden auf. 250 Marken boykottierten die Videoplattform vorübergehend – von McDonald’s über Starbucks bis zu L’Oréal.

Auch Volkswagen war unter den betroffenen Firmen. Werbungen des Autobauers erschienen nicht nur auf YouTube, sondern auch auf der rechtsextremen US-amerikanischen Nachrichtenseite Breitbart. VW nahm die Werbung nach Bekanntwerden von der Seite. "Wir schalten dort nicht mehr", sagt Richard Mieling, Konzernsprecher bei VW in Österreich.

Bei McDonald’s seien Buchungen auf YouTube für drei Tage gesperrt worden, sagt Österreich-Sprecherin Ursula Riegler den OÖN. Nachdem die Videoplattform zugesichert hatte, dass sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen würden, lenkte der Fastfood-Konzern wieder ein.

Google selbst kämpft nicht nur mit falsch platzierter, sondern auch "schlechter" Werbung. 1,7 Milliarden irreführende Anzeigen hat der Konzern im Vorjahr entfernt – doppelt so viele wie 2015.
(Von Martin Roithner)

27. Mai 2017

Kommentare

„Ich habe vor 3 Jahren aufgehört meinen Fernseher für diverse Fernsehsender ...“ Steuerzahler2000 Ich habe vor 3 Jahren aufgehört meinen F...
„Fernsehen verblödet...daher auch noch zahlen dafür ist wirklich doof“ Istehwurst Fernsehen verblödet...daher auch noch za...
„Und was gibts im net. so interessants, wenn man stupiden Serien u. Sport mal wegnimmt?“ il-capone Und was gibts im net. so interessants, w...

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