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Warum Andreas jetzt Susi genannt werden will

Susanne hat zwar den Körper eines Mannes, lebt aber als Frau. Bild: privat

Warum Andreas jetzt Susi genannt werden will

Intersexuell, transsexuell – ein Oberösterreicher erklärt, wie das ist.

Von Claudia Riedler und Barbara Rohrhofer, 15. November 2017 - 00:04 Uhr

Männlich oder weiblich – wenn man sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlt, kann man in Deutschland künftig ein drittes Geschlecht ankreuzen: "inter", "anders" oder "divers". Das hat der Verfassungsgerichtshof vergangene Woche entschieden. Es geht dabei vor allem um intersexuelle Menschen, die zwischen den Geschlechtern geboren wurden. Intersexuelle besitzen nur ein X-Chromosom, ein zweites Chromosom, das sie als weiblich (X) oder als männlich (Y) ausweisen würde, fehlt.

Transsexuelle dagegen sind Menschen, die zwar körperlich Männer sind, sich aber als Frau fühlen. Oder umgekehrt. So wie Andreas R. Der Techniker will in seiner Firma (ein großer oberösterreichischer Industriebetrieb) seit einem halben Jahr als Frau wahrgenommen und angesprochen werden. Privat lebt "er" schon seit einigen Jahren als Frau mit dem neuen Namen Susanne. Die OÖN haben mit ihr gesprochen:

 

OÖNachrichten: Wenn Sie Ihr Geschlecht angeben müssen, was kreuzen Sie an?

Susanne: In Österreich müsste ich männlich ankreuzen, in Deutschland würde ich "inter" ankreuzen. Eigentlich ist das aber für uns Transgender-Menschen nicht maßgeblich. Ich fühle mich als Frau und brauche kein drittes Geschlecht.

Sie kreuzen männlich an, wollen aber eine Frau sein.

Um offiziell eine Frau zu sein, müsste ich eine Geschlechtsstandänderung und auch ein Namensänderung beim Standesamt beantragen. Dazu braucht man den Befund eines Facharztes. Das habe ich noch nicht gemacht.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie ein anderes Geschlecht haben möchten?

Das ist ein langsamer Prozess. Ich spüre es seit dem Kindergarten. So richtig begonnen hat es aber vor fünf, sechs Jahren. Davor konnte ich mich vor allem dann als Frau fühlen, wenn ich eine feminine Schürze umgebunden hatte. Um dies auch vor meiner Frau rechtfertigen zu können, lernte ich mit 20 kochen. Seit vier Jahren gebe ich mich im privaten Umfeld als Frau.

Wie wurde das von Ihren Freunden und Ihrer Familie aufgenommen?

Meine Freunde haben es gut aufgenommen und meine Frau auch. In der Beziehung geht es uns so gut wie nie. Aber meine Eltern können nicht damit umgehen. Da gibt es keinen Kontakt mehr.

Wie gehen Sie jetzt in die Firma?

Ich habe Silikonbrüste, trage Frauenkleidung, auch Röcke und Kleider. Ich schminke mich, lackiere die Fingernägel, trage einen weiblichen Duft. Ich mag auch Stöckelschuhe. Ich möchte mich einfach besonders weiblich darstellen.

Und wie haben Sie Ihre "Verwandlung" umgesetzt?

Wir haben das mit Betriebsrat, Personalleitung und einer Psychologin acht Monate vorbereitet. Dann ging ein offizielles Mail an alle Mitarbeiter und auch ich habe an alle geschrieben und versucht, das Ganze zu erklären. Ich habe aber den Kollegen freie Wahl gelassen, ob sie mich Andi oder Susi nennen.

Die Reaktionen?

Durchwegs positiv. Die Akzeptanz ist groß. Manche sagen aber immer noch Andi, das ist in Ordnung.

Wie geht es jetzt weiter? Haben Sie vor, eine geschlechtsangleichende Operation zu machen?

Nein, das ist mir zu riskant. Ich möchte mich einfach als Frau geben, mehr nicht. Vielleicht lasse ich irgendwann meinen Namen und das Geschlecht offiziell ändern. Das ist seit einigen Jahren auch ohne Operation möglich. Derzeit möchte ich aber ein wenig Ruhe einkehren lassen.
 

Gabriele: „Ich bin eine Frau mit Geburtsfehler“

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Gabriele Höllerich  
Bild: Weihbold

„Tabera“ heißt die Selbsthilfegruppe, die Gabriele Höllerich seit zwei Jahren mit ihrem Partner Alessandro Hennebichler leitet. Die 49-jährige „Transfrau“ aus Linz hat die Geschlechtsangleichung, die sie 2013 begonnen hat, vor wenigen Monaten abgeschlossen und ist jetzt „endlich eine glückliche Frau, weil ich schon in der Pubertät wusste, dass ich im falschen Körper stecke“.

Jeden zweiten Freitag im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe ab 18 Uhr in der Garnisonstraße 1a. „Hier haben wir – das sind trans- und intersexuelle Menschen – einen geschützten Platz“, sagt Gabriele Höllerich. Der Weg, den sie hinter sich hat, war steinig. „Mein Leidensdruck war hoch. Hätte ich die Möglichkeit einer Geschlechtsanpassung nicht gehabt, wäre mein Leben für mich nicht mehr lebenswert gewesen.“ Die operativen Eingriffe und die Östrogenbehandlung seien für sie kein Problem, sondern Erleichterung gewesen. Heute lebt sie mit einem Trans-Mann Alessandro Hennebichler zusammen, der die Geschlechtsangleichung noch nicht abgeschlossen hat. „Mein Mann und ich sind ein spezielles Paar – auch deshalb, weil er 22 Jahre jünger ist als ich. Aber es klappt wunderbar.“ Problematisch hingegen sei bei fast allen Trans-Menschen die Jobsuche. „Viele landen in der Langzeitarbeitslosigkeit, weil es noch Vorurteile gibt.“
 

Geschlechtsangleichung: Komplexe Operationen

„Bei der Operation von Transsexuellen werden die äußeren Geschlechtsmerkmale angeglichen, früher hieß das Umwandlung“, sagt Georg Huemer, Plastischer Chirurg in Linz. Es gibt nicht viele Ärzte, die das machen. „Die Nachfrage ist aber durchaus da“, sagt er. Dennoch müsse er sagen, dass das Risiko maximal hoch sei.

Bei Trans-Männern, also jenen, die Männer werden möchten, würden sowohl Brust als auch Scheide entfernt. „Besonders schwierig ist die Penis-Aufbau-Operation, vor allem der Harnfluss kann anschließend Probleme machen“, erklärt der Mediziner. Nach einem erfolgreichen Eingriff könnten die Männer aber ganz normal urinieren und sie können Geschlechtsverkehr haben. „Für eine Erektion verwenden sie eine Pumpe, wie das auch bei Impotenz möglich ist“, sagt Huemer.

Einfacher ist die Operation für Trans-Frauen. „Wir machen einen Brust-Aufbau, der Penis wird ausgehöhlt und die Haut eingestülpt“, erklärt der Chirurg. Die Krankenkasse bezahlt die Eingriffe, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehören Gutachten von einem Psychiater und einem Psychologen, eine Hormontherapie und dass man bereits einige Zeit in der neuen Rolle als Mann oder Frau gelebt hat.

 

Aus Rücksicht auf die betroffenen Personen ist dieser Beitrag auf nachrichten.at nicht kommentierbar.

 

 

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