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Der Kampf um die Online-Bankkunden

Einfach, schnell, günstig: Darum wickeln 1,1 Millionen Leute Bankgeschäfte über Direktbanken ab. Beratung gibt es aber kaum. Bild: colourbox

Der Kampf um die Online-Bankkunden

OÖN-Geldbarometer: Die Digitalisierung macht auch vor dem Finanzsektor nicht halt, die Zinsen bleiben auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Internetbanken in Österreich sind zuletzt gewachsen, haben im Vergleich zu Deutschland aber weniger Marktanteil.

Von Alexander Zens, 10. November 2017 - 00:04 Uhr

Beim Internet-Banking ist heuer kräftig Bewegung in den österreichischen Markt gekommen. Nicht nur die angestammten Banken rüsten ihre Online-Schienen weiter auf. Auch bei den reinen Internetbanken, den "Direktbanken", gibt es frischen Wind. Seit April buhlt die "Dadat", eine Tochter der Grazer Wechselseitigen, um die Gunst der Österreicher.

"Wir wachsen täglich um 20 bis 30 Kunden", sagt Dadat-Chef Ernst Huber. Man habe bereits eine deutlich vierstellige Zahl an Kunden, 2018 soll die Marke von 10.000 übersprungen werden. Mit 17 Mitarbeitern werden vor allem Giro- und Sparkonten sowie Wertpapier-Depots angeboten. Huber sagt, es gebe noch sehr großes Potenzial für die Branche in Österreich.

Seit 2013 ist das Geschäftsvolumen der Direktbanken laut Nationalbank zwar um 17 Prozent auf 18,5 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleich zu Deutschland ist der Markt aber noch unterentwickelt. Während es dort rund 20 Millionen Direktbanken-Kunden gibt, sind es hierzulande 1,1 Millionen.

Ein Grund ist, dass auch die klassischen Bankengruppen viel mehr Internet-Dienstleistungen anbieten als früher. Laut Studien erledigen schon rund 85 Prozent der Österreicher Bankgeschäfte zumindest teilweise online. "Die Direktbanken können ihre Kundenzahl verdoppeln", sagt Huber. Dazu brauche es besonders innovative Technologien und benutzerfreundliche Lösungen.

Das "Banking-Erlebnis"

Huber führte zuvor zwei Jahrzehnte die 1995 gegründete direktanlage.at, die zur Unicredit-Gruppe gehörte. Diese ist auf Wertpapiergeschäft spezialisiert, heißt seit der Übernahme durch die französische BNP Paribas Ende 2014 "Hello Bank" und hat heute 85.000 Kunden und 160 Mitarbeiter. Sowohl Regulatorik als auch die Digitalisierung beschäftigten die Branche, sagt Günter Billinger, Bereichsleiter Privatkundengeschäft der Hello Bank: "Innovationsgeist und Kreativität sind gefragt." Es reiche nicht, nur moderne Internet-Applikationen zu bieten. Es brauche ebenso den Menschen. Die Hello Bank hat auch schon fünf Filialen (eine in Linz).

Größte Direktbank ist die ING-Diba, die zum niederländischen ING-Konzern gehört und 2004 in Österreich startete. Sie hat 527.000 Kunden und 250 Mitarbeiter. Mit der Digitalisierung rückten Banken in den Hintergrund, gleichzeitig werde das "Banking-Erlebnis" wichtiger, sagt ING-Diba-Österreich-Chef Luc Truyens: "Unsere Filialen sind in den Händen unserer Kunden, in ihren Smartphones und Tablets." In Wien hat ING-Diba jüngst eine Info-Anlaufstelle ("Servicepoint") eingerichtet.

Auf Platz zwei liegt die 1997 gegründete Bawag-Tochter easybank mit 420.000 Kunden und 99 Mitarbeitern. easybank-Chef Sat Shah sieht noch "enormes Wachstumspotenzial" und kündigt weiter Investitionen an, vor allem um Abläufe zu beschleunigen. Seit 2007 ist auch bankdirekt.at aktiv, das zur Raiffeisenlandesbank Oberösterreich gehört, 18.000 Kunden und 13 Mitarbeiter hat.

Junge und Alte als Kunden

"Es kommen monatlich etwa 100 neue Kunden dazu", heißt es von bankdirekt.at. Bei jungen Menschen seien Online-Bankgeschäfte zu günstigen Konditionen ein großes Thema. Es gebe aber auch schon viele Neukunden "im Pensionsalter", wird mitgeteilt.

Den Gewinn haben Österreichs Direktbanken (inkl. Banken von Autokonzernen) seit 2013 um 133 Prozent auf insgesamt 168 Millionen Euro gesteigert.

Streit über Enddatum bei Anleihekäufen

Während die deutschen „Wirtschaftsweisen“ bereits vor einer Überhitzung der Konjunktur warnen, bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer expansiven Geldpolitik.

Die Anleihe-Käufe werden zwar im kommenden Jahr, wie berichtet, vom Volumen her reduziert – wann sie ganz auslaufen, bleibt aber offen. Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, ist damit nicht einverstanden. „Aus meiner Sicht wäre ein klares Ende der Nettokäufe angezeigt gewesen“, sagte er.

Die Zinsen, die in der Eurozone weiterhin bei 0,0 Prozent liegen, dürften erst dann steigen, wenn die EZB aufhört, Anleihen zu kaufen. „Bildlich gesprochen bedeutet das also: Wir sprechen geldpolitisch nicht über eine Vollbremsung, sondern darüber, das Gaspedal nicht noch weiter durchzutreten“, sagte Weidmann. Dies sei wegen des Aufschwungs im Währungsraum auch nicht nötig. Kurzfristig könne die Wirtschaft sogar noch dynamischer wachsen als bisher erwartet, sagte Weidmann.

 
Bild: OÖN

Nachfrage nach Gold auf tiefstem Stand seit 2009

Die weltweite Nachfrage nach Gold ist im Sommer auf den tiefsten Stand seit acht Jahren gesunken. Im dritten Quartal betrug sie 915 Tonnen, das sind um neun Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Als Grund nannte der Weltgoldrat in London gestern, Donnerstag, vor allem schwache Verkäufe in Indien. Die Nachfrage nach Schmuck sank dort im dritten Quartal um 25 Prozent im Vorjahresvergleich, jene nach Münzen und Barren um 23 Prozent. Verantwortlich dafür ist die Bargeldreform in Indien, die Premier Narendra Modi vor einem Jahr zur Bekämpfung der Korruption gestartet hatte. Indien ist zweitgrößter Abnehmer von Gold.
Nummer eins ist China, wo die Nachfrage zulegte. Auch in den USA kauften viele Menschen Gold: Mit knapp 27 Tonnen stieg die Nachfrage auf den höchsten Wert in einem dritten Quartal seit 2012.

Finanzaufsicht warnt Anleger vor Kryptogeld

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin warnt vor dem Erwerb von Kryptowährungen bei sogenannten Initial Coin Offerings (ICO). Solche Platzierungen brächten erhebliche Risiken mit sich. „ICOs sind höchst spekulative Investments. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass auch ein Totalverlust ihrer Investition möglich ist“, so die Behörde. Oft seien Betrüger am Werk. Bei ICOs handelt es sich um unregulierte Methoden des Crowdfunding. Kryptowährungs-Firmen vermeiden so den streng regulierten Prozess der Kapitalaufnahme, heißt es.
Die bekannteste Kryptowährung ist Bitcoin. Zuletzt ist der Kurs bis auf fast 8000 Dollar (6902,50 Euro) gestiegen. Ende 2016 kostete ein Bitcoin noch weniger als 1000 Dollar. Laut Brancheninformationen gibt es rund 1270 Kryptowährungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 200 Milliarden Dollar.

Wenn der Kreditwunsch plötzlich nicht erfüllt wird

Immer wieder werden Konsumenten überrascht, wenn der Kreditwunschbei der Bank oder ein Mobilfunk-Neuvertrag mit dem Hinweis auf einen negativen Eintrag in einer Bonitätsdatenbank abgelehnt wird. Was dort gespeichert ist, kann man einmal pro Jahr kostenlos abfragen.

Bonitätsdatenbanken speichern Kredit- und andere Verbindlichkeiten. Sie werden von Wirtschaftsauskunftsdiensten oder Gläubigerschutzverbänden erstellt. Deren Kunden sind Banken, Versicherungen, Leasingfirmen, Versandhäuser und Mobilfunker.

Die Wahrscheinlichkeit, dass man in einer Datenbank aufscheint, ist gar nicht so gering. So melden etwa die Banken jeden aufgenommenen Kredit, unabhängig davon, wie pünktlich man seine Raten zahlt. „Auch Bürgschaften werden gespeichert“, sagt Christine Ackerl vom Konsumentenschutz der Arbeiterkammer. Vor allem kommt es zu Meldungen an diese Datenbanken, wenn es zu Problemen bei der Rückzahlung kommt, zum Beispiel zu mehreren Mahnungen, Fälligstellung von Krediten oder gar zum Privatkonkurs.

Eine Bank muss einen Kreditantrag aber nicht ablehnen, nur weil ein negativer Eintrag in einer dieser Datenbanken aufscheint. Die haben nur Informationscharakter. In der Praxis werde freilich oft die Ablehnung eines Kredites gerne damit begründet, sagt Ackerl.

Einmal pro Jahr hat man das Recht als Konsument, eine kostenlose Auskunft darüber zu erhalten, was auf diesen Datenbanken gespeichert ist. Wie man das macht, findet man auf der Homepage der Konsumentenschützer (https://ooe.arbeiterkammer.at/beratung/konsumentenschutz). Dort findet man auch Links zu den Unternehmen KSV1870, Bisnode und Crif, die laut Auskunft der Konsumentenschützer die wichtigsten Anbieter für Bonitätsauskünfte über Private in Österreich sind. (hn)

EU-Prognose: Robustes Wachstum auch 2018

Seit zehn Jahren ist die Wirtschaft in der EU nicht mehr so stark gewachsen wie derzeit. Die gestern präsentierte Konjunkturprognose der EU-Kommission geht von einem Wachstum von 2,3 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im nächsten Jahr aus.

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici sprach von einer „neuen Phase des Wirtschaftsaufschwungs“. Gleichzeitig wollte er nicht zu euphorisch sein. „Mittlerweile stehen wir sehr viel besser da als vor der Krise 2008“, doch sei trotzdem Vorsicht angebracht.

Jedenfalls könnten 2018 die letzten drei Staaten aus dem Defizitverfahren herauskommen. 2011 hatte es noch für 24 Staaten ein Verfahren wegen übermäßigen Budgetdefizits gegeben.

Moscovici sieht zwar Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, doch sei die Zahl von „unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten noch hoch“.

Für Österreich sagt die EU-Kommission einen Sprung beim Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent im Vorjahr auf 2,6 Prozent heuer voraus. Die Erholung werde auch 2018 anhalten, wobei sich das Wirtschaftswachstum aber leicht auf 2,4 Prozent abschwächen werde.

Bei der Arbeitslosigkeit entspannt sich die Situation laut der EU-Herbstprognose ebenfalls. Nach 6,0 Prozent im Vorjahr soll die Arbeitslosigkeit in Österreich heuer auf 5,6 Prozent und im nächsten Jahr auf 5,4 Prozent sinken. Die Inflation wird demnach heuer auf 2,0 Prozent steigen und 2018 auf 1,5 Prozent sinken.

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