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Es hat klick gemacht: Das Selfie ist 15

Ein Selfie bei jeder Gelegenheit: Auf Reisen Bild: APA/AFP/STRINGER

Es hat klick gemacht: Das Selfie ist 15

Beim Essen, am Strand, vor dem Spiegel: Selfies, also Fotos, die man von sich selbst mit dem Handy schießt, sind zur Routine geworden. Warum das so ist, erklären Wissenschafter.

Von Valerie Hader, 12. Oktober 2017 - 00:04 Uhr

Vor ziemlich genau 15 Jahren wurde der Begriff "Selfie" im australischen Internet-Forum "ABC-Online" erstmals erwähnt. Heute kommt schon längst kein Smartphone mehr ohne hochauflösende Kamera aus – und kaum jemand kann dem Reiz widerstehen, seine Freunde mit mehr oder weniger gelungenen Selbstbildnissen zu beglücken.

"Die Forschung spricht mittlerweile sogar von einem "Selfie-Paradoxon", sagt Medienpsychologin Martina Mara. "Fast jeder macht sie, aber keiner mag sie." Fakt ist, dass vor allem junge Leute zur "Generation Selfie" gehören, von der Wiener Jugendforscherin Beate Großegger auch als "Inszenierungsgesellschaft" beschrieben.

Das Prinzip dahinter ist einfach. Regel Nummer eins lautet: Das, was du tust, was du bist und was du hast, musst du auch herzeigen, sonst zählt es nicht, sonst kannst du damit weder Aufmerksamkeit noch Anerkennung finden. Und als Regel Nummer zwei gilt: Erfolg hat, wer sich gut präsentieren kann.

Der beste Beweis: Stars wie Kim Kardashian. Die 36-Jährige wurde mit ihren Selfies nicht nur bekannt, sondern auch richtig reich. Aktuell hat sie mehr als 44 Millionen Follower.

Es hat klick gemacht: Das Selfie ist 15
Vom Laufsteg bei Dolce und Gabbana  
Bild: Reuters

Posen für das Perfekte Selfie: 

Auch die Forschung hat sich des Themas Selfie angenommen: So haben Wissenschafter der Universität Bamberg herausgefunden, dass Frauen besonders attraktiv wirken, wenn ihre linke Gesichtshälfte zur Kamera gedreht ist. Auch Männer profitieren von der richtigen Perspektive – bei ihnen ist der Effekt allerdings nicht ganz so stark.

Ein Grund für die unterschiedlichen Effekte der jeweiligen Gesichtshälften liegt in der menschlichen Wahrnehmung, wie Psychologe Tobias Schneider erklärt. Bei der linken Seite handelt es sich um die menschliche Schokoladenseite, wie frühere Studien bereits gezeigt haben. Emotionale Zustände dieser Gesichtshälfte werden vom Betrachter stärker wahrgenommen. Sprich: Ein Blick auf die linke Gesichtshälfte erweckt eher Sympathie. Ist auf einem Foto die rechte Gesichtshälfte im Vordergrund, vermittelt das eher Dominanz und Intelligenz.

 

Draußen ist alles so Holodeck
Martina Mara

Drei Fragen an Martina Mara, Psychologin

Die Linzer Forscherin leitet das "Futurelab" im Ars Electronica Center in Linz und schreibt jeden Samstag in den OÖNachrichten über die "schöne neue Welt" des Internets.

  1. Frau Mara, warum machen wir eigentlich Selfies, was macht ihre Faszination aus?

    Generell passt die Selfie-Kultur natürlich gut zu unserer „Ökonomie der Aufmerksamkeit“, in der man online vor allem mit Bildern viel Beachtung bekommt.
  2. Was sagt so ein Selfie dann über mich aus? Welche Botschaft transportiere ich?

    Die Forschung zeigt, dass Selfies häufig mit Eitelkeit und Narzissmus assoziiert werden. Gerade wenn man sehr oft Bilder von sich selbst postet oder ständig am Handy checkt, wie viele „Likes“ man dafür bereits abgestaubt hat, muss man damit rechnen, von anderen so gesehen zu werden. Wenn man nur ab und zu ein Selbstporträt online stellt, beispielsweise um zu dokumentieren, dass man gerade bei einem tollen Konzert ist oder einen Berggipfel erklommen hat, ist die Wahrnehmung aber sicher positiver.
  3. Was sollte man generell beachten, wenn man Selfies postet?

    Ich sehe online oft Selbstporträts von Jugendlichen, die ganz stark alte Geschlechter-Stereotype bedienen: Mädels mit zur Seite geneigtem Kopf – ein klassischer Unterwürfigkeitsgestus – und geschürzten Entenmündern. Burschen im Muskelshirt, Arme verschränkt, vor der Sportkarre. Da werden Medienbilder nachgeahmt, aber mehr Mut zur Diversität wäre schön. Darüber hinaus kann man nicht oft genug wiederholen: Was einmal im Internet ist, bleibt dort. Daher gut nachdenken, ob man auch in zehn Jahren noch glücklich sein wird mit den geposteten Selfies.

 

Galerie: Auch die Redakteure der OÖN haben zum Jubiläum ein "Selfie" von sich gemacht: Die Schnappschüsse sehen Sie hier:

Kommentare

„Danke, auf diese Information habe ich jetzt 15 Jahre gewartet.“ meisteral Danke, auf diese Information habe ich je...

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