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G´scheit G´schert

Sie schenken sich nichts und haben auf alles eine bissige Antwort: Luise Pape (83) und Pepi Wimmleitner (53) Bild: VOLKER WEIHBOLD

G´scheit g´schert

Innviertel gegen Salzkammergut, Pepi Wimmleitner gegen Luise Pape. Fürs "Hoamatland" haben wir zwei g’standene Gstanzlsänger in Aspach zur humorvollen und bissigen Begegnung gebeten:

Von Roman Kloibhofer, 07. Oktober 2017 - 00:04 Uhr

Hoamatland: Denkt´s Ihr eigentlich in Gstanzln oder denkt´s Ihr normal?

Wimmleitner: (lacht) Die mehra Zeit denkan mia scho normal. 

Pape: Aber manchmal brauch i nur wen anschaun, dann geht’s los … 

Wimmleitner: Wann i fernseh zum Beispiel, grad jetzt, wann ma si dö Wahldebatten anschaut, mit dö Typn, da is ned schwar, dass oan a Gstanzl einfallt – oba meistens koa gscheits.

Wenn Ihr Euch gegenseitig anschaut´s, was fällt Euch spontan ein?

Wimmleitner: Spontan? Da muass i nachdenken:

D’ Luise Pape, dö kenn i schon lang,
I siags gern und hass sie ned allweil
und i sag Gott sei Dank!

Sehr charmant, wie ist Ihre Antwort, Frau Pape!

Pape:

Geh, gib ma a Busserl, Pepi mei Bua,
denn netta zum Anschaun,
da bist ned schen gnua.

Wimmleitner: Jetzt samma zehn Minuten beinand, und sie mecht scho schmusn mit mir. Dös ist scheint’s dös Oanzig, was dö Weiber im Kopf habn.

Wie lang kennt‘s Ihr Euch schon?

Wimmleitner: I moan, 20 Jahr. So lang gibt’s dö Tridoppler. Pape: Und dann samma bald z’sammkumma.

Ab und zu denkt man aber schon gleich in Gstanzl, oder?

Wimmleitner: Ja, sonst gangadn uns de Thematik und dö Gstanzl aus. Oans muass ma aber schon sagn: Wann ma dös passende Gwand anhat, wann ma a passendes Gegenüber hat und in ana gmüatlichen Gaststubn sitzt und vielleicht a Bier da stehn hat, dann geht’s nu vui leichter, fast von selber.

Pape: Dann rennt’s. Wia i’s erste Mal an Karl Moik gegenübergstandn bin und eam dö Hand hab gebn müassn, is ma zum Beispü glei a Gstanzl eingfalln: Schauts doch an Moik an, is dös a Graus, für Oan is a z’gscheit und zwoa werdn ned draus.

Gstanzl
"I hab mehr als 500 Gstanzl gedichtet, aber nur ungefähr zehn Prozent san echte Trümpf." Pepi Meixner, Tridoppler      
Bild: (Weihbold)

 

Gibt’s eine Berufsgruppe, zu der einem besonders schnell was einfällt?

Beide (im Duett): Ja, Politiker!

Wimmleitner: Aber mit de Politiker–gstanzl hamma schon lang nicht mehr die Erfolge, wia mas scho ghabt ham. Nur dann, wann’s a richtiga Bledsinn is. Nur ebbs in d’ Kritik bringa übers Gstanzl, dös interessiert koan mehr. Da kennt ma jetzt scho dö Politikverdrossenheit vo dö Leit. Vorigs Jahr hamma so a passend’s Gstanzl g’habt: Bei der Bundespräsidentenwahl, da hätt’s es bald gebm, das s’ es so lang verschiabm, bis all zwoa nimma lebm. Dös war natürli schon a Treffer …

Pape: Ob’sd rot oder grea wählst, ob schwarz oder blau, du bist allweil da Gschnapste, du bleibst dö arm Sau.

Worauf kommt‘s beim Gstanzl an?

Pape: Dö erstn zwoa Strophn sand da Anlauf, de dritte ist die Annäherung und in der vierten ist die Pointe. Wimmleitner: Bei uns is da Vierzeiler üblich, dö Boarischen ham da a endlose Melodie, dö kinnan an Roman drin verpacken. Aber bei uns, da muass in 16 bis 20 Worten alles drinnen sein.

Pape: Ja, und es soll sich reimen …

Wimmleitner: … und in Sekunden sollst’s abspeichern und dann, wannst dran bist wieder bringen.

Wann fallen Euch die Gstanzln ein?

Pape: Bei passender und unpassender Gelegenheit …

Was ist so eine unpassende Gelegenheit?

Pape: Zum Beispiel, wenn mir a Gstanzl einfallt, wann i mit jemandem red, und mir kommt dös Lachen aus und der Andere woaß ned warum.

Wimmleitner: Ja, dös is ma am Sonntag grad auf dem Tisch da passiert. Da warn ma von der Familie beinand, und auf oamal fallt ma a Gstanzl ein, und i sag i brauch an Zettl zum Aufschreibm. Dann lachen alle … Jetzt im September is mei kreative Zeit, weil im November is in Aspach ’s Gstanzlsinga und da hamma immer neiche Gstanzl. Dö muass i im September dicht habm. Aber i hätt eh schon länger Zeit ghabt ...

G´scheit G´schert
"I hab vor 40 Jahren an g´fangen, Gstanzl zu singen. Für a Frau woa dös ungewöhnlich." Luise Pape, Gstanzlsängerin  
Bild: Weihbold

 

Es schaut immer so spontan aus, aber alles ist nicht spontan, oder?

Pape: Natürlich, man hat Anhaltspunkte. Man hat an g’wissen Satz an Gstanzln, dö man auch kurzfristig umdichtn kann.

Wimmleitner: Mit ihr is scho a Gaudi, sie is in Pension und hat Zeit.

Der Dialekt ist Standard fürs Gstanzlsingen, oder geht´s in Hochdeutsch auch?

Pape: Na, dös fallert ma gar ned ein.

Wimmleitner: Dös war nur komisch.

Gibt´s ein Lieblingswort von Euch in der Mundart?

Pape: An heh, schau heh!

Wimmleitner: Furt auf d’ Nacht, hoam in da Fria …

Dös is sozusagen gelebte Mundart …

Wimmleitner: Ja, genau. Aber trawig ist so a griawigs Wort. Zu dem sagt ma heit stressig. Aber wann fria wer gsagt hat, "i bi trawig", dann war dös koa so Problem. Aber wann heit Oana sagt, es is stressig, dann is ma’s selber a glei. Dös erzeugt Stress.

Luise Pape hat keinen Computer, kein E-Mail, und das Telefon ist nur zum Telefonieren da ...

Pape: Ja, i will ned jederzeit erreichbar sein. Wann i ned dahoam bin, bin i ned dahoam.

Dazua jetzt wieder a Gstanzl!

Wimmleitner:

Mit an Computer oder an Fernseher, bringst d’ Luise Pape ned draus,
ned weil sie ’s ned mecht, sie kennt si ned aus …

Pape:
Was braucht denn so a Bua so an aufdrahtn Huat,
für so an schei … Buam war a Zipföhaum gnuag.

Da geht’s ja deftig zu – wo ist die Grenze zum Geschmacklosen …

Wimmleitner: Ja, da muass ma aufpassen, dass ma ned ordinär wird.

Pape: Keine Schimpfnamen verwenden, und unter die Gürtellinie auch nicht.

Wimmleitner: Kann aber schon sein, dass’s oan hie und da zu derb is, aber der ist dann vielleicht auf der falschen Veranstaltung … Aber a gwisse Grenze halten mia ein. Sonst warn wir schon lang nimma auf der Bühne. Ob a Gstanzl passt, a vom Niveau her, dös entscheidet eigentlich dös Publikum, ned der, der was ’s dichtet.

Ist Euch einmal überhaupt nix eingefallen, so dass ihr gedacht habt, jetzt bin i mundtot …

Pape: Auf d’ Nacht wann i schlafen geh, weil da will i mei Ruah haben. Na, sunst eigentlich ned.

Und war schon wer richtig beleidigt?

Pape: Na, so richtig beleidigt hat sie koana gfühlt, vielleicht amal unser Bürgermoasta …

 

Was warn dö kuriosesten Situationen, die Ihr erlebt habt?

Pape: Vor drei Jahren hab i a Gstanzl gsungen übern Braunauer …., na, überm Bezirkshauptmann, über den Kloan da. Der is in da erstn Reih gsessen, und i woaß, dass er recht lachen kann. Und i hab gsungen: So a Znichtal von an Mann, ja schaut’s ’n grad an, is so gring, dass den Kunt glatt mei Katz verzahn kunnt … Da is der hergsprunga und hat mia a Bussl gebn. Mei, dös war schen.

Wimmleitner: Ja, aber dös tuat er bei alle Weiberleit …

Was denkt der Innviertler über die Leute aus dem Salzkammergut, und was denkt die Salzkammerguatlerin über den Innviertler?

Wimmleitner: I muass passn, ollweil geht’s Reimen a ned.

Pape: Vom Innviertel han a oa da, dös siagt ma wohl, kemmans eina übern Hausruck, hams d’ Hosn scho voll. Wimmleitner: Der Salzkammerguatler ist wia da Innviertler a selbstbewusster, stolzer Mensch. Aber a weng reservierter. Wann ma im Hausruck singan, brauchst koane zehn Minuten, hast dö volle Stimmung im Saal. Wannst in Bad Ischl singst, da muasst da dös hart erarbeiten in da ersten Stund. Da schauns dö amal an: Was mechadn dö da. Dös lassen s’ di schon gscheid gspian. Und irgendwan hams di akzeptiert und a dein Schmäh und dann geht’s dahin. Dös hamma aber nu imma gschafft!

Was haben die Innviertler im Salzkammergut für einen Ruf, was zeichnet uns aus?

Pape: Ihr seid’s … wia ausgrissn und ned abbeutelt …

Wimmleitner: A weng russisch moanst? Ja, eh. Wia a Holzschnitzerei, wo da Feinschliff nu ned gmacht is.

Wir sitzen gerade bei einem guten Bier, da seid Ihr im Salzkammergut ja ned so gesegnet damit ...

Pape: Ja, wirkli wahr. Mir habn nur a Einheitsbier …

Wimmleitner: A wirkli guat’s Bier kriagst im Salzkammerguat nia, weil wannst durt oans trinkst, is’ ollweil dö gleich Brüa.

Aber beim Schnaps könnt´s punkten.

Pape: Ja, a so a ang’setzter Zirbenschnaps is was Guats. Jetzt kreul i aber nimmer selber aufi um d’ Zapfn.

Wimmleitner: Du bist ja selber wia a Zirbnzapfn, ned groß und hantig.

Männer, Frauen – der Gegensatz kommt ja in den Gstanzln oft zum Ausdruck. Habt’s Ihr da ein Gstanzl?

Wimmleitner: Ja, eh klar:

Z’ Wean drunt im Leichenhaus, hams Weiber seziert,
san schon 14 Tag tot gwen, hat sö ’s Maul nu allweil g’riat. 

Pape:

Siagt ma dö feschn Manaleit, drin in da Stadt,
merkt ma erst richtig, was ma dahoam für Gfrast hat.

Mi fragns dann, wann i a paar so Mana-Gstanzl sing, ob i leicht koan kriagt hab. Dann sag i: Na, na, i hab a so a Sautrumm dahoam …

Ihr könnt über Euch auch lachen?

Pape: I bin nimmer jung, aber a nu ned gstorbn. I bin netta a bisserl baufällig wordn.

Wimmleitner: Da muass i mir über mi a was einfalln lassn. Aber i bin a Sänger in oana Gruppn, koa Einzelkämpfer.

Warum singt eine Frau Gstanzl?

Pape: Gute Frage, vor 40 Jahr’ war dös schier unmöglich. Mi hat immer geärgert, dass dö Manaleit oder Buam immer über uns gsunga haben. Und dann hab i aus Protest ang’fangen. Mein ersten Auftritt hab i in Niederbayern ghabt. Da haben alle Leit gschaut. A Weiberleit, a Weiberleit! Und oana hat gschrian: Dös ghört sö ned!

Wer is empfindlicher – Männer oder Frauen?

Pape: D’ Manna!

Kirche und Pfarrer – das gibt wahrscheinlich auch viel her.

Pape:

Dö geistlichen Herrn, dö haben heutz’tag a Gfrett,
a Freundin derfn’s haben, aber heiratn ned. 

Wimmleitner:

Hat a Pfarrer a Köchin, is er weit besser dran,
als wannst oane heiratst, dö’s Kocha ned kann.

Pape: Aber dö Gstanzl vom steirischen Salzkammerguat san nu deftiger:

Gutn Morgn Herr Pfarrer, was macht da Kaplan?
Der liegt auf da Köchin und kraht wia a Hahn.

Wimmleitner: Früher hat’s ja koa Möglichkeit gebn, dass ma sowas anprangert. Da habn dö Leit dös über dö Gstanzl gmacht. Da habns dann an Pfarrer aufzogn mit da Köchin, an Bauern mit da Dirn. Alle Missstände, soziale Ungerechtigkeiten und sexuelle Sachen san über d’ Gstanzl angsprochen wordn. Da is ned so offen geredet wordn. Wann mir heut dö Gstanzl singatan wia vor 50 Jahr, dann hoaßats: Dös san lauter Saubärn! 

Innviertler Gstanzlsingen: Gipfeltreffen der Reime-Meister 

Zur Person

Luise Pape: Als Luise Pape (83) vor 40 Jahren mit dem Gstanzlsingen begonnen hat, war dies ihr Protest gegen eine bis dahin ausgeprägte Männerdomäne. Seitdem ist die Gmundnerin eine der angesehensten Gstanzlsängerinnen in Oberösterreich. Die frühere technische Zeichnerin ist auch Autorin mehrerer Bücher.

Josef Wimmleitner: Der „Meixner Pepi“, wie er in seiner Heimatgemeinde Aspach im Innviertel genannt wird, ist der geborene Humorist. Vor 20 Jahren hat der heute 53-jährige Landwirt mit seinen Sangeskollegen die Aspacher Tridoppler gegründet, ein Doppel-Terzett, das mit seinen deftigen und bissigen Gstanzln weitum bekannt ist.

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