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Wie sehr wird künstliche Intelligenz das Leben der Menschen verändern?

Roboter Nao Bluestar und Ulrich Eberl: „So etwas wie gesunden Menschenverstand wird er nicht entwickeln.“ Bild: privat

Wie sehr wird künstliche Intelligenz unser Leben verändern?

Der deutsche Zukunftsforscher und Wissenschaftsautor Ulrich Eberl kommt zum AEC-Festival nach Linz und entwirft ein entspanntes Bild der Mensch-Maschine-Interaktion.

02. September 2017 - 00:04 Uhr

Er lebt mit einem Roboter im Haushalt. Nicht nur deshalb weiß der Zukunftsforscher und Biophysiker, wovon er spricht. Ulrich Eberl gilt als einer der renommiertesten Technikautoren im deutschsprachigen Raum. Beim Ars Electronica Festival, das am 7. September beginnt, ist Eberl als Symposionssprecher eingeladen.
 

OÖNachrichten: Wie definieren Sie "Künstliche Intelligenz (KI)"?

Eberl: Maschinen mit künstlicher Intelligenz kommen uns Menschen auf vielen Feldern immer näher. Sie können sprechen und zuhören, Bilder erkennen, Texte verstehen und selbst welche schreiben – und sogar Emotionen aus Gesichtern lesen. Doch vor allem sind diese smarten Maschinen lernfähig: über Beobachtung, Nachahmung und Belohnungen.

Wo steht die Entwicklung? Ist das selbststeuernde Auto der Weisheit letzter Schluss?

Schon bald werden wir auf Autobahnen unsere Fahrzeuge auf Autopilot schalten, bis 2030 auch auf Landstraßen und in Städten. Doch smarte Maschinen sind weit mehr – es steht uns eine Revolution bevor, wie sie die Welt seit 200 Jahren nicht erlebt hat. In Fabriken werden wir Hand in Hand mit Robotern arbeiten. In Hotels und Geschäften werden uns Maschinen bedienen. Zu Hause und in Seniorenheimen werden sie Getränke bringen, Spiele spielen, putzen, die Wäsche wegtragen, vielleicht sogar kochen. In Büros, Banken und Arztpraxen werden Computer Daten aufbereiten und Empfehlungen geben. Wir werden in einer Gemeinschaft von Menschen und Maschinen leben – so selbstverständlich wie wir heute Smartphones nutzen.

Die Unternehmensberatung McKinsey spricht von 140 Millionen Wissensarbeitern, die bereits 2025 von künstlicher Intelligenz ersetzt werden könnten …

Solche Studien werden oft falsch interpretiert. So werden sich Ärzte künftig verstärkt vom Computer unterstützen lassen, ebenso Anwälte oder Bankberater, aber die Gespräche mit Patienten und Kunden werden unverändert vom Menschen durchgeführt. Tätigkeiten wandeln sich, aber es fallen nicht unbedingt die Jobs weg. Kaum bedroht sind Arbeitsplätze, die viel Kreativität erfordern: Forscher, Designer, Handwerker oder Architekten. Auch Lehrer, Trainer oder Pflegekräfte – die sozialen Berufe – werden weiterhin gebraucht. Sicherlich werden alle Berufsbilder stressiger, weil Routinearbeiten Maschinen erledigen und der schwierigere Teil beim Menschen bleibt. Doch es entstehen auch eine Menge neuer Jobs.

Federführend in der Entwicklung von KI ist das US-Militär. Halten Sie es für notwendig, "selbstdenkende" Waffensysteme international zu bannen?

Autonome Killermaschinen müssen international geächtet werden, wie das schon bei Biowaffen gelungen ist. Geheimdienste und das Militär entwickeln auch ausgeklügelte Hacking-Verfahren, aber bei maschinellen Lernverfahren ist nicht das Militär, sondern sind Firmen aus dem Silicon Valley weit vorne, gefolgt von Universitäten und Instituten in Europa. Auch bei smarten Industriesystemen und der Mobilität liegt ein Schwerpunkt in Europa, bei menschenähnlichen Robotern hat Japan die Nase vorn.

Steuern wir auf Mensch-Maschinen-Mischwesen zu, auf Cyborgs? Könnte das menschliche Gehirn mittels KI und einer "kognitiven Prothese" leistungsfähiger gemacht werden?

Mit intelligenten Hörgeräten und Netzhautchips integrieren Menschen heute schon Technik in ihre Körper. Querschnittsgelähmte werden künftig direkt ins Gehirn implantierte Mikrochips nutzen, um Roboterarme und -beine zu steuern, aber ich denke nicht, dass gesunde Menschen eine direkte Verbindung ihres Gehirns mit Computerchips erlauben werden, da dies zu stark in die Persönlichkeit eingreift. Zudem ist die Idee mancher Visionäre, die vom direkten Zugang des Gehirns zum Internet sprechen, nicht umsetzbar, weil es bei 86 Milliarden Nervenzellen und 100 Billionen Verbindungen völlig illusorisch ist, höhere Gehirninhalte auszulesen.

Löst die Maschine den Mensch als "Krone der Schöpfung" ab?

Maschinen haben keinen biologischen Körper. Sie werden daher nie alle Erfahrungen mit Menschen teilen. Sie müssen nicht essen und trinken, schlafen und träumen, sie wachsen nicht und sie kennen den Sturm von Gefühlen nicht. Daher sei die Vorhersage gewagt: Selbst wenn smarte Maschinen so tun, als ob sie Gefühle hätten, eine den Menschen vergleichbare emotionale und soziale Intelligenz wird ihnen verwehrt bleiben.
 

  • Ulrich Eberl (55) studierte in München Biophysik, war bei Daimler und Siemens für Innovationskommunikation zuständig. 2015 gründete er SciPress, ein Redaktionsbüro für Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technikkommunikation. Der freie Autor hat drei Bücher über Zukunftsfragen geschrieben (s. u.).
  • ARS ELECTRONICA: Den Titel „Future in a Nutshell – Zukunft für alle“ hat sich das Symposium des Ars Electronica Festivals gegeben. Sechs renommierte Fachleute, darunter Ulrich Eberl, präsentieren auf verständlicher Ebene ihre Sicht der technologischen Trends der nächsten zehn Jahre. Das Symposium steht am Montag, 11. September, von 10.30 Uhr bis 16.30 Uhr auf dem Programm. Wo? Postcity beim Hauptbahnhof Linz, Conference hall. Info: www.aec.at .
  • Buch: Ulrich Eberl, „Smarte Maschinen. Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert“, Hanser-Verlag, Seiten, 408 Seiten, 24 Euro (Link: Amazon)

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