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Bild: apa

Äktschn, Akzent und Billy Wilder

Arnold Schwarzenegger ist ein Mann, der in seinen 70 Lebensjahren viele Rollen ausfüllte. Viele Interviewsitzungen mit dem Steirer durfte Ludwig Heinrich erleben. Ein anekdotischer Streifzug.

Von Ludwig Heinrich, 29. Juli 2017 - 00:04 Uhr

Ein anekdotischer Streifzug

Die "Millionenshow" macht zwar Sommerpause, aber man stelle sich vor, Armin Assinger würde die Millionenfrage stellen: Welcher Österreicher gewann 1977 den Golden Globe? a) Billy Wilder, b) Fred Zinnemann, c) Arnold Schwarzenegger, d) Oskar Werner. Es war - Arnold Schwarzenegger, der für seine schauspielerische Leistung in "Stay Hungry" als "New Star Of The Year" mit der begehrten Trophäe ausgezeichnet wurde. Somit darf er heuer ein 40-Jahr-Jubiläum feiern. Nebenbei: Am Sonntag wird "Arnie" 70.

"Ich habe zwei Heimaten. Ich bin born in Austria, made in America.“

Bevor es die "steirische Eiche" nach Hollywood verschlug, hatte Arnold Schwarzenegger in seiner Heimat im Politiker Alfred Gerstl einen fürsorglichen Mentor. Jener wusste von der ersten, eher missglückten Äktschn-Einlage des jungen Arnold zu erzählen, als jener zeitverpflichteter Soldat war: "Mein Sohn Karl holte ihn von der Kaserne ab und ließ sich von ihm überreden, einen Panzer zu besteigen. Dem Anschein nach hatte Arnold versehentlich den Rückwärtsgang eingelegt. Jedenfalls haben die beiden ein Tor halb zertrümmert." Old Gerstl hatte "das Bürscherl" durch seinen Sohn 1961 kennen gelernt: "Die beiden waren Sportsfreunde, und ich unterstützte die Sportler damals, indem ich ihnen hie und da am Lagerfeuer Fleisch briet. Arnold fiel mir gleich auf, weil er im Gespräch mit älteren Menschen der beste Zuhörer war und immer wieder Fragen stellte. Unter den jungen Leuten war er auf Anhieb eine dominierende Persönlichkeit. Ich hab’ sogar in meiner Wohnung ein kleines Fitness-Studio eingerichtet, damit er nicht nur in den winzigen Kammerln der Athletik-Union in Liebenau trainieren musste. 1964 wurde er dann österreichischer Juniorenmeister."

Den Schüler Arnold musste die heiß geliebte Mutter Aurelia zum Lesen zwingen. "Ich sollte", so Arnold, "Augengläser tragen. Die habe ich gehasst und mich immer geweigert, sie aufzusetzen. Und ohne Augengläser konnte ich logischerweise nicht lesen. Meine Mutter hat diese Ausrede nicht akzeptiert, hat sich mit mir hingesetzt und mich gezwungen, es zwei Stunden doch zu tun. Oder der Vater, der mich diese berüchtigten Turmrechnungen üben ließ. Wenn ich keine Lust darauf hatte, wurde er jedes Mal sehr zornig. Später erkannte ich aber: Die Welt ist das, was du daraus machst. Wenn du dich aufraffst, täglich ein bisschen Sport zu betreiben – das ist nicht teuer. Bücher lesen ist auch nicht teuer. Erstaunlich ist nur, welche Entschuldigungen viele Leute erfinden, damit sie es nicht tun müssen ..."

Mit Glück zur ersten Titelrolle

Das Fundament zur großen Filmkarriere hatte Arnold nicht mit "Stay Hungry" gelegt, sondern mit "Conan der Barbar". Daraus wäre fast nichts geworden, nachdem er sich beim mächtigen Produzenten Dino De Laurentiis beworben hatte. Überliefert ist folgender Ablauf: Der Steirerman verschaffte sich Zugang zu den heiligen Gemächern des eher kleinen und schmächtigen Producers, betrat frech dessen Büro und erblickte zunächst einen Riesenschreibtisch und dahinter einen Kopf, worauf er charmant fragte: "Wozu braucht ein so kleiner Mann einen so großen Schreibtisch?" Es folgte eine mehr als kühle Reaktion: "Ich kann Sie nicht gebrauchen. Sie haben einen Akzent!" Aber irgendwie schien ihn der goscherte Jüngling aus der Steiermark doch imponiert zu haben. Nicht lange danach gab ihm De Laurentiis, gegen viele Widerstände, die Titelrolle in "Conan" und in der Fortsetzung.

"Ich habe mich nie als Politiker gefühlt, sondern als Diener der Bürger."

Apropos Akzent: Arnold wollte sein Englisch perfektionieren, bei einem Spezialisten, den sie den "Doktor Doolittle" von Hollywood nannten. Der hörte sich den Wunsch an und meinte sinngemäß: "Du willst deinen Akzent loswerden? Bist deppert? Merke dir: Dieser Akzent ist dein Kapital!" 1984 drehte er in Rom, unter der Regie von Richard Fleischer, wieder eine Art Barbaren-Film, "Red Sonja". Seine Partnerin war die fesche dänische Debütantin Brigitte Nielsen. Die brachte er nach Ende der Filmarbeiten nach Wien mit, stellte sie im Fitness- Studio seines Freundes Bernd Zimmermann im Bezirk Neubau vor. Eine in der Tat aufregende Dame. Wie sehr sie der Steirer während der Dreharbeiten aufregend fand, ist nicht überliefert. Überliefert ist hingegen, dass er sie wohl nach dem Grundsatz "Wahre Freundschaft soll nicht wanken" an einen Kollegen aus Hollywood weiterempfohlen haben soll – Sylvester Stallone. Der Rest ist bekannt. Stallone, später einmal nach der größten Katastrophe seines Lebens befragt: "Sie besteht aus zwei Namen. Brigitte und Nielsen." Es hieß, Stallone sei auf Arnold eine Zeit lang echt "heiß" gewesen, doch das ist vorbei. Die beiden sind jedenfalls seit langem wieder beste Freunde.

Als "Arnie" zwecks Werbung für "The 6th Day" unterwegs war, gab es auch die Frage nach einer zuvor überstandenen schweren Herzoperation. Ob diese für einen Äktschn-Superstar wie ihn nicht imageschädigend gewesen sei? " Meine Frau hat den Doktor gefragt, was denn in Zukunft alles anders werden würde. Er hat ihr geantwortet: ‚Er wird noch mehr Energie haben.’ Da war sie ganz erschrocken und hat erklärt: ‚Um Gottes willen. Mir genügt schon, was er jetzt aufführt!’" Die Reaktionen auf die damalige Operation bezeichnete er als "fast überirdisch", er habe "tausende gute Wünsche und Briefe erhalten. Einer der ersten kam von Bill Clinton, der sich zu jener Zeit ja selbst einer Operation unterziehen musste. Ich war richtiggehend überwältigt von der Sympathiewelle. Das war herzerwärmend und hatte natürlich auch therapeutische Wirkung."

In "The 6th Day" kehrt er als Helikopter-Pilot eines Tages nach Hause zurück und sieht sich durchs Fenster selbst – wie er gerade eine Geburtstagskerze ausbläst und mit seiner Frau Zärtlichkeiten austauscht. Auf die Frage, was er davon halten würde, echt geklont zu werden, sagte er: "Drei, vier Arnolds? Wunderbar. Da könnte ich so viele Dinge auf einmal machen. Den einen Arnold würde ich einkaufen schicken, den anderen zu Dreharbeiten, den dritten zu Interviews – und ich selbst könnte mit meiner Frau zu Hause im Bett liegen bleiben." Für Scherze ist er jederzeit zu haben. Einmal etwa führte ein US-Radiosender einen Bewerb durch, in dem es darum ging, wer am besten Arnolds Stimme nachahmen konnte. "Da", erinnert er sich, "hab’ ich mir eine Hetz g’macht. Ich hab’ angerufen und dem Moderator erklärt, ich wolle gern diesen Österreicher – wie heißt er g’schwind? – imitieren. Der Mann hat brav geantwortet: ‚Schwarzenegger.’ Und er fügte hinzu: ‚Sie hören sich wirklich fast so an wie er.’ Darauf ich: ‚Psst. No net. Ich muss noch ein bissl üben’!"

Schwarzenegger und das Böse

Zum Bösen, mit dem er in seinen Filmen immer wieder konfrontiert war, sagt er: "Ich glaube an das Böse und daran, dass wir es alle in uns tragen. Jede unserer Entscheidungen kann gut oder böse ausfallen. Man muss sich immer nur bemühen, das Gute in sich zu aktivieren. Natürlich habe auch ich schon genug Böses angestellt. So viel Zeit hast gar net, dass ich dir das alles aufzählen könnte. Aber das Gute war Gott sei Dank in der Überzahl."

"Geld macht nicht glücklich. Ich habe jetzt 50 Millionen Dollar, aber ich war genauso glücklich, als ich 48 Millionen hatte.“

Schwarzenegger war auch immer ein guter Geschäftsmann. Sein Prinzip: "Aus an Dollar mach i zwaa!" Aus dem Unternehmen "Planet Hollywood", das er mit Bruce Willis und Sylvester Stallone ins Leben gerufen hatte, hat er sich jedoch zeitgerecht absentiert. Seine Begründung: "Da wurden große Fehler gemacht. Dass man das Ganze auf Berühmtheiten aufgebaut hat, war als Idee o.k., aber wenn man nur anfangs ein paar von ihnen in den Lokalen auftauchen lässt, darf man nie sagen: ‚Die Show ist vorbei!’ Da müsste zumindest die Küche in Ordnung sein. Aber mit der Küche, wen willst du da reinlocken? Auch hätte man in gewissen Abständen das Design wechseln müssen, so, wie das ja auch ein Armani und ein Versace regelmäßig machten."

Die vielzitierte "Äktschn" verlief für den Steirer nicht immer ungefährlich. Einmal gab es einen Unterwasserkampf gegen Bösewichte. "Ich tauchte runter", erinnert er sich, "wir drehten. Als ich rauf wollte, war das Wasser plötzlich ziemlich trüb. Ich sah nichts, und wo immer ich mich hintastete, stieß ich an eine Plattform. Ich konnte kaum mehr die Luft anhalten. Im letzten Moment spürte ich, wie eine Hand nach mir griff. Ich glaub’, ich hätte es keine Sekunde länger ausgehalten. Eine amerikanische Zeitung schrieb nachher: ‚Terminator-star nearly terminated!’" Manchmal habe er sich natürlich gefragt, warum "ich mich für Filmaufnahmen noch immer in die Goschen hauen lass’ und durch den Dschungel robbe, wobei nach einigen Wiederholungen Ellbogen und Knie total zerschunden sind. Aber dann weiß ich auch immer gleich die Antwort: Weil’s auf der Leinwand einfach leiwand ausschaut…" Und überhaupt, für seine Person wolle er sich nicht beschweren: "I’ve got the greatest ride from the press. Ich bin von den Medien immer erstklassig behandelt worden. Dass man einen, der ganz oben am Gipfel ist, gern ein bissl runterholt – das darfst net ernst nehmen, das ist nun einmal the game, das Spiel. Und überhaupt, jetzt sag’ ich dir: Was du hier vor dir siehst, ist absolut nichts ohne das Publikum. Die Leute machen einen zum Star, also muss man auch etwas für sie tun."

Eine wunderbare Begegnung

Zu einem berührenden Zusammentreffen kam es 2000, als Arnold Schwarzenegger und Billy Wilder in Los Angeles von österreichischer Seite eine Auszeichnung erhielten. Das erste Zusammentreffen der beiden. Arnold bei seinem Erscheinen: "Griaß di, Billy!" Der aus einer anderen Generation stammende Mr. Wilder: "Hörst, der sagt du zu mir!" Doch man fand sich schnell. Arnold ging auf die Knie: "Vor dir knia i sowieso." Wilder: "Wo bist gschwind her? Aus Graz?" Arnold: "Aus Graz/Thal. Wenn man uns so anschaut, glaubt ma’s gar net, aber es gibt drei Ähnlichkeiten. Erstens: Wir kommen beide aus Österreich. Zweitens: Das Land war uns nicht groß genug. Drittens: Wir haben in der neuen Heimat was erreicht. Und überhaupt warst du mei erste Inspiration, wia i herkommen bin. Denn ich hab’ mir angesichts deiner Erfolge gesagt: Da muass do no Platz für an zweiten Österreicher sein." Als Ehrenkoch Wolfgang Puck dann meinte: "Arnold, i hab dir a guats Essen vorbereitet", antwortete jener: "I bin net wegen an guaten Essen kommen, sondern wegen dieser wunderbaren Begegnung." Billy Wilder danach: "Schön hat er g’redet, der Schwarzenegger, sehr schön. Ich hab’ ja alle seine Filme verfolgt. Ein guter Mann. Für das, was er macht."
 

Der Vielseitige

Der Vielseitige

  1. Der Steirer Bua

    Arnold Schwarzenegger wurde am 30. Juli 1947 in Graz/Thal geboren – als Sohn einer Hausfrau und eines Gendarmen. Arnie war bereits als Bub sportlich, spielte ab dem Alter von zehn vereinsmäßig Fußball. Mit 15 Jahren betrat er zum ersten Mal ein Gewichtheberstudio, weil sein Fußballtrainer ihm Krafttraining verordnete. Bald ließ er das runde Leder links liegen und schloss sich einer kleinen Gruppe an, die den noch relativ unbekannten Bodybuildingsport betrieb.
  2. Der Bodybuilder

    Schwarzeneggers Bodybuilder-Karriere begann 1965, als er bei der internationalen Juniorenmeisterschaft in der Kategorie „Bestgebauter Athlet“ seinen ersten Titel gewann. Bereits zwei Jahre später, im Alter von 19 Jahren, wurde er zum jüngsten „Mister Universum“ gekürt. Mit insgesamt sieben „Mr. Olympia“- und fünf „Mr. Universum“-Titeln war Schwarzenegger der erfolgreichste Bodybuilder seiner Zeit. Mit seinen Trainingseinheiten unter freiem Himmel, am Muscle Beach in Venice, löste er in den 70er-Jahren einen wahren Fitness-Boom aus.
  3. Der Schauspieler

    Ob als „Terminator“, „Conan“ oder „Kindergarten Cop“, Schwarzeneggers zweite große Karriere war die des Schauspielers. In insgesamt 36 Kinofilmen verkörperte er den Actionhelden. Weniger bekannt ist, dass Schwarzenegger vor seiner eigentlichen Filmkarriere eine Hauptrolle in einer Folge von „Die Straßen von San Francisco“ hatte. Als Bodybuilder verkörperte er nicht den Helden und Retter, sondern einen Mörder.
  4. Der Unternehmer

    1968, mit 21 Jahren, wanderte der gebürtige Steirer in die USA aus. Weil er aufgrund seines beschränkten Visums nicht regelmäßig studieren durfte, belegte er an zwei Colleges Kurse in BWl, schloss 1979 mit einem Bachelor in internationale Wirtschaftslehre an der University of Wisconsin-Superior ab. Bereits in den 70er-Jahren hatte er sich ein Millionenvermögen als Immobilienmakler erwirtschaftet. Seine Bodybuilder-Erfahrungen wusste er stets zu nützen – ob im Versandhandel von Fitnessprodukten, als Mitbegründer einer Bodybuilder-Veranstaltung, „Arnold Classic“, die sich zu einer großen Fitnessmesse entwickelte oder als Chefredakteur bzw. Herausgeber eines Verlages, in dem Bodybuilding-, Sport- und Fitnesszeitschriften erscheinen.
  5. Der Politiker

    An die Erfolge als Sportler, Actionheld, Unternehmer konnte der Politiker Schwarzengger nicht anschließen. Als 38. Gouverneur von Kalifornien 2003 vereidigt, versprach der „Governator“ den Haushalt zu sanieren, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Er scheiterte. Seine größten politischen Erfolge setzte er während der beiden Amtsperioden im Umweltbereich mit Maßnahmen zur Förderung erneuerbarer Energien und einem Gesetz zur Reduzierung der Treibhausgase.
  6. Der sozial Engagierte

    Neben dem Geschäftsmann Schwarzenegger gibt es auch den sozial engagierten Menschen. Untrennbar mit seinem Namen verbunden sind etwa die „Special Olympics“, die Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung, die 1968 von seiner Schwiegermutter, Eunice Kennedy Shriver, gegründet wurde. Mitbegründet hat der Steirer die „Inner City Games“. Die Organisation kümmert sich in amerikanischen Städten um straffällig gewordene und sozial benachteiligte Jugendliche, in dem sie schulische Betreuung, Sporttrainings und Wettkämpfe organisiert.

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Kommentare

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