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"Es fehlen Hallenbäder für Schwimmkurse"

Sprung ins kühle Nass - ohne Schwimmhilfe, Heinz Fladl passt auf. Bild: mala

"Es fehlen Hallenbäder für Schwimmkurse"

Dass immer weniger Kinder das Schwimmen lernen, macht in Deutschland derzeit Schlagzeile: Schwimmen ist auch bei uns keine Selbstverständlichkeit – ein Grund sind fehlende, geeignete Wasseroberflächen

Von Marina Mayrböck und Magdalena Lagetar, 13. Juli 2017 - 17:04 Uhr

Immer weniger Kinder in Deutschland können schwimmen. Laut einer Studie, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Auftrag gegeben hat, kann dort nur noch jeder zweite Zehnjährige sicher schwimmen. Wie ist die Situation bei uns? Die Warte hat bei Wilhelm Dürager, Ortsstellenleiter der Wasserrettung Perwang am Grabensee, nachgefragt. Der Kriminalbeamte ist seit sieben Jahren bei der Wasserrettung.

 

Warte: Die Hälfte der Zehnjährigen kann sich nicht sicher über Wasser halten – erschreckt Sie diese Erkenntnis?

Wilhelm Dürager: Das ist schon alarmierend, dieser Entwicklung sollte man unbedingt entgegensteuern.

Ist sicheres Schwimmen auch bei uns keine Selbstverständlichkeit? Heinrich Brandner, Präsident der Österreichischen Wasserrettung, schätzte, dass in Österreich 30 bis 40 Prozent nicht oder nicht ausreichend schwimmen können.

Eine österreichische Studie bezüglich Nichtschwimmer kenne ich nicht. Ausgehend von unserer Wohngegend (Trumer Seengebiet) schätze ich, dass die Anzahl der Nichtschwimmer oder jener, die sich nicht ausreichend über Wasser halten können, prozentuell nicht so hoch ist. Vielleicht zwischen 15 und 25 Prozent. Das ist bei uns sicher anders als in einer Bergregion zum Beispiel.

Schwimmen lernen ist lebenswichtig. Warum gibt es überhaupt Kinder, die es hierzulande nicht ausreichend lernen?

Ich denke, dass die Kinder teilweise überfordert sind – sei es im schulischen oder auch im privaten Bereich. Da bleibt oft für Aktivitäten wie Schwimmen keine Zeit.

Als häufiger Grund wird oft das fehlende Schwimmbad ums Eck genannt. Fehlen optimale Wasserflächen?

Das kann ich bestätigen. Es fehlen Hallenbäder, vor allem für den Winter. Die Wasserrettung Perwang hält immer im Frühjahr einen Schwimmkurs ab. Wir fahren dazu in das etwa 35 Kilometer entfernte Hallenbad nach Braunau. Das sind schon sehr viele Kilometer, die dabei zurückgelegt werden. Es wären auf jeden Fall mehr Schwimmbecken für Kurse wünschenswert.

Wer sind die Risikogruppen?

Personen mit gesundheitlichen Problemen, wie Herzschwäche zum Beispiel. Und natürlich Kinder, die noch nicht schwimmen können und Flüchtlinge, da es in ihren Herkunftsländern meist keine Möglichkeit gibt, das Schwimmen zu lernen. Die Ortsstelle Grabensee plant demnächst einen Schwimmkurs für Flüchtlinge.

Ab wann gilt man als sicherer Schwimmer?

Mit dem Bestehen des Schwimmscheines für "Freischwimmer" ab dem vollendeten 7. Lebensjahr. Dafür ist ein 15-minütiges Dauerschwimmen in beliebigem Stil, ein Sprung aus zirka einem Meter Höhe ins Wasser und die Kenntnis der zehn Baderegeln erforderlich.

"Es fehlen Hallenbäder für Schwimmkurse"
 
Bild: mahu

Zehn Baderegeln der Wasserrettung:

  • 1. Gesundheit: Wenn du schwimmen gehst, musst du gesund sein!
  • 2. Hinweisschilder beachten: Auf den Hinweisschildern kannst du lesen, was im Schwimmbad erlaubt und was verboten ist. Daran musst du dich halten!
  • 3. Duschen, abkühlen: Geh erst dann ins Wasser, wenn du dich geduscht und abgekühlt hast!
  • 4. Kältegefühl: Bleib nicht im Wasser, wenn dir kalt ist, du kannst sonst Krämpfe bekommen! Krämpfe sind für den Schwimmer gefährlich!
  • 5. Ohrenerkrankungen: Wenn du Ohrenschmerzen oder eine Ohrenverletzung hast, darfst du nicht schwimmen, springen oder tauchen!
  • 6. Essen: Wenn du viel gegessen hast, warte eine Stunde, bevor du wieder ins Wasser gehst.
  • 7. Starke Sonne: Schütz dich vor der Sonne (Sonnencreme, Kappe, T-Shirt)! Wenn dir heiß ist, darfst du nicht ins kalte Wasser springen!
  • 8. Übermut: Lass dich von anderen nicht dazu überreden, etwas zu tun, was du nicht gut kannst (weit hinausschwimmen, ins Wasser springen oder tauchen).
  • 9. Springen: Spring nur dort ins Wasser, wo es erlaubt ist! Du darfst dabei niemanden in Gefahr bringen! Spring nicht in Gewässer, die du nicht kennst, es könnten viele Gefahren lauern!
  • 10. Vorsicht im Erlebnisbad: Im Erlebnisbad sind oft viele Menschen. Beobachte daher auch die Leute in deiner Umgebung! Ruf Hilfe herbei, wenn jemand in Gefahr ist.

 

Heinz Fladl bringt den Kleinen bei, wie sie sich über Wasser halten
Jan lernt bei Fladl das Schwimmen  
Bild: mala

Heinz Fladl bringt den Kleinen bei, wie sie sich über Wasser halten

Einen schönen Pfeil machen, genauso und jetzt Tempo Tempo“, hört man Heinz Fladl aus dem Becken rufen. Vier blutjunge Burschen strampeln und strampeln, es sieht schon richtig nach Schwimmen aus. Hervorragend. Es ist ja auch ihr letzter Kurstag, acht Einheiten lang hat ihnen Fladl im Altheimer Schwimmbad beigebracht, wie es geht. „Die Schwimmflügerl brauchen wir nicht mehr“, sagt er, nimmt sie jedem Kind behutsam ab und will, dass sie die abgesperrte Bahn rauf und runter schwimmen. Gesagt getan. Auch der vierjährige Jan Weiermann aus Kirchheim gibt sein Bestes. Manchmal taucht er noch mit dem Köpfchen unter, Heinz Fladl ist aber immer in seiner Nähe. Mama Martina sowieso. Sie ist in der heutigen Stunde die zusätzliche Aufsichtsperson. „Das ist eine doppelte Absicherung, mein Kontroll- und Sicherheitssystem“, sagt Fladl.

Denn auch wenn seine Gruppengröße mit fünf bis sieben Kindern überschaubar ist und er mitten unter ihnen im Neoprenanzug im Becken steht, will er, dass in jeder Einheit ein Zweiter aufpasst. Auch in der Nachbarbahn, in der der zweite Schwimmlehrer Arthur Walch seine Schützlinge lehrt, sitzt ein Vater am Beckenrand und beobachtet alles mit Adleraugen. Arthur hat auch bei Fladl das Schwimmen gelernt. Und übrigens gibt es viele Eltern, die ihre Kinder wegen der guten Erinnerungen in Fladls Schwimmschule anmelden. Da kommt es häufig vor, dass die Kinder aus Wien oder München ins Altheimer Schwimmbad kommen. „Das freut einen ganz besonders“, ist Fladl stolz. Seit 26 Jahren bringt er Groß und Klein das Schwimmen bei. Den ganzen Sommer lang macht er Schwimmkurse, nicht nur für Anfänger, es gibt auch Fortgeschrittenen-Kurse. Den Kleinen macht es sichtlich Spaß. Sie vertrauen ihrem Schwimmlehrer. Auch wenn er sie in der letzten Stunde auffordert, ganz ohne Schwimmhilfen vom Beckenrand ins tiefe Wasser zu springen. Schwimmen können sie ja jetzt. Das macht nicht nur Spaß sondern auch stolz. „Bei uns ist alles sehr familiär. Die Bademeister, die Stadtgemeinde – wir haben alle ein sehr gutes Verhältnis“, betont der gebürtige Altheimer, der mittlerweile in Salzburg wohnt und dort eine Rhythmusschule betreibt.

Sollte das Wetter einmal nicht sommerlich sein, so finden die Kurse im Altheimer Schwimmbad trotzdem statt: „Wir haben 50 Neoprenanzüge, das Wasser ist auf 28 Grad beheizt und wir stellen ein Zelt auf“, erklärt er. Eine gute Ausrüstung für sich, seine Schwimmlehrer und seine Schützlinge sind ihm wichtig. Vor dem Unterricht werden die Kinder mit einem Lehrfilm vorbereitet. Am Kursende gibt es im Schwimmschulhaus eine Urkunde mit Händedruck, Eis- und Spielzeuggutscheinen und strahlenden Kindergesichtern.

Kurstermine und Infos unter www.schwimmschule-fladl.at

 
"Schwimmen ist genauso wichtig wie rechnen, schreiben und lesen"
Alle können schwimmen.  
Bild: privat

„Schwimmen ist genauso wichtig wie rechnen, schreiben und lesen“

In der Volksschule Andorf im Bezirk Schärding wird das Schwimmabzeichen ab der ersten Klasse abgenommen. Der Schwimmunterricht – verpflichtend im Lehrplan des Bewegungs- und Sportunterrichts geregelt, wird eigenständig von den Lehrern organisiert und durchgeführt. Dafür suchen die einzelnen Klassen im Sommer das Freibad Andorf auf. „Da es im Bezirk Schärding kein einziges Hallenbad gibt, müssen wir uns mit dem Schwimmunterricht auf den Sommer beschränken“, sagt Schuldirektor Hubert Salletmaier. Vereinzelt besuchen Schulklassen der VS Andorf das Hallenbad in Passau, was sich allerdings aufgrund des Aufwands nicht regelmäßig durchführen lässt.

Die Volksschule Hohenzell im Bezirk Ried unter der Leitung von Schuldirektorin Beate Hochhold, bekannt für das Konzept der „Bewegten Schule“ und das Abzeichen „Gesunde Schule OÖ“ führt ebenfalls im Rahmen der Lehrplananforderung den Schwimmunterricht durch. Aufgrund des Neubaus des Hallenbads in Ried konnte der Schwimmunterricht allerdings in den vergangenen beiden Jahren nur wetterbedingt im Freibad erfolgen. „Wenn die Kinder aus unserer Schule kommen, können sie ganz normal schwimmen – genau wie es der Lehrplan auch vorsieht. Wir nehmen bei den Schülern das Schwimmabzeichen des Jugendrotkreuzes ab“, erklärt Beate Hochhold.

„Schwimmen ist so wichtig wie das Rechnen, Schreiben und Lesen“, sagt Erika Bernroitner, Direktorin der Volksschule Laab in Braunau. Schwimmkurse ab der Vorschule, Schwimmtage, im Turnunterricht regelmäßig ins Hallenbad Braunau, vor Schulschluss so oft das Wetter es erlaubt – so verfolgen Lehrer und Schüler das Ziel. Erreicht haben es heuer 36 Schulabgänger. Nur das eine Kind, das erst Ende Mai an die Schule gekommen ist, hat das Schwimmen nicht erlernt. Den Eltern wird erklärt, wie wichtig das ist. Ein Vater habe mal gemeint, sein Sohn brauche das nicht, konnte dann aber doch überzeugt werden. „Am Ende waren beide sehr stolz, der Papa und das Kind“, freut sich Bernroitner, die sich bemüht, dass das Schwimmenlernen für alle finanzierbar ist.

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