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Großes Kino: Der Videobeweis ist der Star des Turniers

Chiles Torschützen Eduardo Vargas (Mitte) und Arturo Vidal (re.) diskutieren mit Schiedsrichter Damir Skomina. Bild: Reuters

Großes Kino: Der Videobeweis ist der Star des Turniers

Confed-Cup: Obwohl es ohne technische Hilfsmittel schon drei Fehlentscheidungen bei Toren gegeben hätten, gibt es Kritik.

Von Alexander Zambarloukos, 20. Juni 2017 - 00:04 Uhr

Große Gesten, theatralische Mimik, Wechselbäder der Gefühle. Die Überwachung des Weltfußballs aus dem mit Computern und Bildschirmen gefütterten Übertragungswagen schlägt hohe Wellen. Nicht Cristiano Ronaldo, sondern der Videobeweis ist der Star des Confederations Cups in Russland. Ohne technische Hilfsmittel hätte es bereits im Frühstadium des Turniers viele Fehlentscheidungen gegeben, weil Schiedsrichter-Assistenten in die Abseitsfalle getappt sind. Allein in den Sonntagsmatches Portugal gegen Mexiko (2:2) und Chile gegen Kamerun (2:0) wären zwei Tore fälschlicherweise anerkannt worden. Ein Treffer hätte zu Unrecht nicht gezählt.

Verwirrung im Stadion

Der Videobeweis forciert die Gerechtigkeit und ist damit zu bejahen, auch wenn das mit der Kommunikation nicht so einfach ist. Viele Spieler sind noch mit dem Prozedere überfordert. Entsprechend unterschiedlich fallen die Reaktionen aus. Die Portugiesen warteten stoisch ruhig auf die endgültige Entscheidung, die Chilenen um Bayern-Ass Arturo Vidal waren weniger geduldig, fuchtelnde Hände und ein lautstarker Redeschwall Programm.

Wen wundert’s, dass der Unparteiische Damir Skomina massive Probleme hatte, das zu verstehen, was ihm per Funk aus dem Ü-Wagen mitgeteilt wurde?

Ein Schauspiel mit Unterhaltungswert und Stürmer Eduardo Vargas im Zentrum. Der hatte sich in der 91. Minute aufgeregt, dass seinem Goal zum 2:0 die Fahne des Linienrichters im Weg stand. 69 Sekunden später verwandelte sich seine Körpersprache in pure Freude. Der Schiri hatte die "Kastl-Bewegung" gemacht und zur Mittellinie gezeigt. Diese Symbol-Kombination besagt: Das Tor gilt.

Was für TV-Konsumenten amüsant anmutet und durch zahllose Zeitlupen bis ins kleinste Detail analysiert werden kann, stiftet direkt im Stadion durchaus Verwirrung. "Es ist schwierig, sich daran zu gewöhnen", gesteht Mexikos Starstürmer Javier Hernandez. Die Transparenz lässt mangels sichtbaren Beweises auf der Vidiwall zu wünschen übrig, die Geschwindigkeit ist ebenfalls optimierbar.

Waren beim "Nicht-Tor" des Portugiesen Nani 56 Sekunden zwischen Schiri- und Videourteil gelegen, so dauerte es bei Cédrics 2:1 satte 2:09 Minuten. Kurioserweise war dies die einzige der vier am Sonntag überprüften Spielsituationen, die auch von den Unparteiischen auf dem Feld richtig gesehen wurde. Das grüne Licht ließ aufgrund der Vielfalt der Bild-Einstellungen auf sich warten. Auch im Ü-Wagen sitzen "nur" Menschen, die einfach Zeit benötigen, um das Material zu sichten.

 

Nur bei Schlüsselszenen

Aller Anfang ist schwer, die Entscheidung, ob das Hilfsmittel WM-tauglich sein wird, noch nicht gefallen. Dafür braucht es die detaillierte Beantwortung der Einser-Frage: Wann kommt der Videobeweis zum Einsatz? Nur bei Schlüsselszenen – Tor, Abseits, Rote Karten, Elfmeter, das steht fest. Aber manchmal ist die Überprüfung willkürlich. So kritisierte etwa Portugals Teamchef Fernando Santos, dass das (korrekte) 2:2 der Mexikaner nicht unter die Lupe genommen wurde. "Die Geschichte vor dem 2:2 war auch komplex. Sie haben sich aber nur unsere Tore im Video angeschaut."

Doch von wem geht die Initiative aus? Das muss geklärt werden. Könnte der Schiri bei jeder strittigen Situation um "Beistand" ersuchen, wäre das Match zerrissen und die Nachspielzeit im zweistelligen Minutenbereich angesiedelt. Das gilt es zu vermeiden.

Streitfälle bleiben so oder so nicht aus. So gesehen gestern beim Goal der Australier zum 2:3 gegen Deutschland. Ein Schuss von Tom Rogic hatte Tomi Juric am Arm getroffen, der Ball veränderte seine Flugkurve, der "Handspieler" staubte ab. Für den Video-Ref korrekt, für viele andere nicht ...

Großes Kino: Der Videobeweis ist der Star des Turniers
In der Schaltzentrale

Die Video-Entscheidungen beim Confederations Cup

Portugal – Mexiko 2:2

  • Minute 21: Nani trifft für Portugal. Nach Rücksprache zählt das 1:0 nicht. Die Entscheidung nach 56 Sekunden: Abseits.
  • Minute 86: Portugals 2:1 durch Cédric (86.) ist korrekt, Schiri Pitana vergewissert sich beim Video-Referee. Die Bestätigung folgt nach 2:09 Minuten.
     

Chile – Kamerun 2:0

  • Minute 45+1: Ein Tor des Chilenen Vargas, das Schiri Skomina zunächst gegeben hat, wird aus dem Ü-Wagen nach 1:08 Minuten wegen Abseits aberkannt.
  • Minute 90+1: Wieder ist Vargas der Schütze, der Assistent zeigt Abseits an. Nach Video-Überprüfung (65 Sekunden) zählt der Treffer doch – 2:0.
     

Deutschland – Australien 3:2

  • Minute 56: Der Australier Tomi Juric lenkt einen Versuch eines Teamkollegen mit dem Arm ab und trifft per Nachschuss zum 2:3. Die Entscheidung: Kein absichtliches Handspiel, Tor zählt.
     
 

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