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Damals, 1986, mit meinem Großvater beim ersten Besuch im Linzer Stadion   Bild: (Bartl)

Meine Berg- und Talfahrt mit dem LASK

Wer in den vergangenen Jahrzehnten ein Wegbegleiter des LASK gewesen ist, hat Wellenbäder der Gefühle erlebt. Erinnerungen von OÖN-Sportredakteur Harald Bartl.

20. Mai 2017 - 00:04 Uhr

Begonnen hat alles mit ein paar leicht vergilbten OÖN-Zeitungsausschnitten meines Großvaters. Fein säuberlich hatte er die Artikel über den Meistertitel des LASK aus dem Jahr 1965 in einem Ordner abgeheftet, und sie mir, seinem Enkerl, erstmals irgendwann Mitte der Achtzigerjahre gezeigt.

Da war der brasilianische Fußball-Zauberer Chico, der bei der Meisterfeier mit einem Sombrero und der Gitarre in der Hand fotografiert wurde, obwohl er gar nicht Gitarre spielen konnte. Dazu die Spieler-Helden von damals auf den Rücken der Fans.

Dann die Erzählungen meines Vaters, dessen Helden ein Sturmberger oder Harreither waren. Die Fahrten von unserer Heimatstadt Bad Ischl nach Linz kamen ihm als Kind wie Weltreisen vor. Später sollte es mir auch so gehen. Hinein in den Zug, umsteigen in Attnang-Puchheim, danach mit dem O-Bus hinauf ins Stadion. Es gab keine größere Strafe, als eine versprochene Reise nach Linz am Ende nicht antreten zu dürfen. Schlechte Noten in der Schule oder Lausbubenstreiche konnten fatale Auswirkungen haben. Schließlich galt damals noch: Wer nicht im Stadion live dabei ist, der sieht praktisch nichts.

Triumphe wie das 1:0 über Inter Mailand konnte man maximal in kurzen Zwei-Minuten-Ausschnitten im Fernsehen sehen. An Samstagnachmittagen war man auf die Sendung "Sport und Musik" im Radio angewiesen, um live über Zwischenstände informiert zu sein.

Europapokal! Nostalgiker erinnern sich noch heute an das Spiel gegen Inter Mailand auf der Gugl. Der Lask gewann mit 1:0, verlor aber das Rückspiel mit 0:4.  
Bild: (OON)

Achtung, Achtung, hier ist Linz!

"Achtung, Achtung, hier ist Linz!" lautete die Standardansage, wenn im Linzer Stadion ein Tor gefallen war. Die Spiele wurden um 15.30 Uhr angepfiffen. Wenn es schlecht lief, hatte man die Hoffnung, dass zumindest in den ewig lange erscheinenden zehn Minuten zwischen 16.55 Uhr und 17.05 etwas passiert war. Denn wenn im Radio die Weltnachrichten liefen, dann hatte der Fußball Sendepause.

1986 war es dann soweit. Zum ersten – und wie sich später auch leider herausstellen sollte – zum einzigen Mal, fuhren wir zu dritt ins Linzer Stadion. Großvater, Vater und Enkerl sahen sich das Derby gegen den SK Vöest an. Der LASK gewann 1:0. Hans Gröss sprang nach seinem Tor auf den Stadionzaun und wurde vom Schiedsrichter ausgeschlossen.

Ein Foto haben wir damals vor dem Stadion gemacht. Mein Großvater, dessen Herz einige Monate später nicht mehr mitspielen wollte, und ich sind kaum zu sehen darauf. Viel wichtiger war, dass man die riesige Aufschrift "Stadt- und Sporthalle Linz Stadion" ganz lesen konnte. Man musste ja herzeigen können, wo man gewesen ist.

Dieses Stadion – damals war es ja modern –, diese Atmosphäre, diese schwarz-weißen Farben. Das war wie später mit der ersten, großen Liebe. Einzigartig und unvergleichlich. Nur jene zum Fußballverein des Herzens hält meist länger. Je älter und unabhängiger man als Jugendlicher wurde, desto öfter wurden die Reisen nach Linz – und manchmal auch zu Auswärtsspielen. Der Geruch der Langos am Hofstetter-Pommes-Stand gehörte dazu wie Sieg oder Niederlage.

Lehren fürs Leben

Der lange Weg zurück in die Bundesliga

Am 21. April stand der LASK 2159 Tage nach dem letzten Bundesligaspiel als Aufsteiger fest.

Link: Das war der lange Weg zurück in die Bundesliga.

Und du bekommst beim Fußball auch die eine oder andere Lehre fürs spätere Leben gratis dazu. "LASK 2000" lautete Ende der Achtzigerjahre ein ehrgeiziges Konzept von Johann Molner, dem damaligen Nachfolger des LASK-Langzeitpräsidenten Rudolf Trauner. Es sollte nicht mehr wert sein als das Papier, auf dem es geschrieben war. Wie so viele andere (Fußball-)Konzepte auch. Am Ende blieb mir fürs weitere Leben nur eine Conclusio: "Plane nie zu weit voraus – es kommt am Ende sowieso ganz anders."

Es waren sportlich magere Jahre, meist ohne Geld, meist in der 2. Liga, meist mit Niederlagen. Leicht hatte man es als pubertierender Schüler mit der Wahl des LASK als Lieblingsklub damals nicht. Rapid war Serienmeister, irgendwann kam Swarovski Tirol, später auch Salzburg dazu. Internationaler Fußball konnte mit Ausnahme des FC Bayern München sowieso nicht konsumiert werden.

Meister! Als erster Klub außerhalb von Wien, wird der LASK österreichischer Fußballmeister. Meistertrainer FrantisekBufka gewann mit seinem Team dazu den ÖFB-Cup.        
Bild: (OÖN)

Der Einstieg von Otto Jungbauer, einst schon 1965 Präsident der Meistermannschaft und Anfang der Neunziger zurückgekehrt, war da eine Wohltat. Was interessiert es mich, ob er am LASK-Platz Pissoirs abmontieren und Glühbirnen herausschrauben ließ, um Geld zu sparen? Wichtig war, dass er sich bei der Auswahl seiner Spieler nicht lumpen ließ. Plötzlich waren jene Spieler beim LASK, die man in den Jahren zuvor nur eine Liga höher im Fernsehen gesehen hatte. Es ging endlich wieder hinauf in die Bundesliga. Didi Constantini wurde zum Trainerhelden. Ob Sieg oder Niederlage war zweitrangig. Gerade in schlechten Zeiten wird die Bindung oft noch enger.

Ja, ja das Alter...

Dass sie dann ausgerechnet in der Ära von Wolfgang Rieger als LASK-Präsident abflauen sollte, hatte andere Gründe. Es passt nicht in mein Weltbild, dass man sich eine Über-Drüber-Mannschaft mit Geld zusammenzimmert, das man nicht hat. Wenn schon pleite, dann wenigstens mit einer schlechten Mannschaft, vielen ,Watschn‘ und ruhig auch in der zweiten Liga. Dazu kam auch das eigene Alter. Wenn die Spieler langsam, aber sicher jünger als man selbst werden, hört sich das mit dem Heldenstatus irgendwann automatisch auf. Wenn man noch dazu beruflich im Journalismus landet, muss man die Vereinsbrille sowieso ab- und die Emotionen herausnehmen.

Ganz emotionslos kann man der aktuellen LASK-Führung anrechnen, dass sie es geschafft hat, den LASK erstmals seit langer Zeit wieder auf eine breite Basis gestellt zu haben, ohne sich dabei in irgendwelchen Ego-Spielchen zu verlieren. Das ist aktuell das größte Kapital des Vereins.

Die Väter und Großväter von heute möchte ich bitten, mit ihren Kindern und Enkerln nicht nur den FC Bayern oder Barcelona im TV anzuschauen, sondern auch gemeinsam in ein heimisches Stadion oder auf einen Unterhaus-Fußballplatz zu gehen.

Und die leicht vergilbten Zeitungsartikel meines Großvaters von 1965 haben auch ihren richtigen Platz gefunden. Sie liegen heute im OÖNachrichten-Archiv, weil die Originale irgendwann einmal auf unerklärliche Art und Weise verschwunden sind. Wahrscheinlich liegen sie bei irgendjemandem daheim, der auch viele ganz persönliche Berg- und Talfahrten mit dem LASK erlebt hat.

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„Lieber h.b. (wir kennen uns durch den Andi, Anzengruberstr.) nimm's leicht!“ fanatiker Lieber h.b. (wir kennen uns durch den An...

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