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Sie tanzt mit der Fliege: Petra Kröpl    Bild: (Volker Weihbold)

Der Tanz mit der Fliege

Eine Frau an der Angel – das hat Exotikflair. Petra Kröpl ist der Leidenschaft Fliegenfischen verfallen. Dabei wollte sie doch nur Tango tanzen. Ein Porträt.

Von Klaus Buttinger, 04. März 2017 - 00:04 Uhr

Ein Portrait

Tanzen und Angeln, Begriffe, die man als Gegensatz verstehen könnte, Petra Kröpl aber verband sie auf unübliche Weise. Konkret fängt ihre Geschichte damit an, dass ihr Sohn und ihr Mann das Fliegenfischen für sich entdeckten und sie die Fotografin für die Angler spielte. Eines Tages entspann sich zwischen ihr und ihrem

Gatten Erwin am Forellenwasser folgender Dialog:

Er: "Willst du das Fischen nicht auch einmal probieren?"

Sie: "Nur wenn du mit mir in einen Tanzkurs gehst."

Flugs fand man sich in der Tanzschule wieder. "Ich habe aber nicht geahnt, dass man Argentinischen Tango jahrelang lernen muss", sagt sie rückblickend. Nach zwei Jahren Tanz obsiegte der Rhythmus des Fischens über die Schrittfolge des Paarlaufs. Seit neun Jahren lässt sie leidenschaftlich Kunstfliegen über das Wasser tanzen.
Petras Geschlechtsgenossinnen sind eine Minderheit unter den Fischern. Zwar hat sich der Anteil jener Frauen, die zur Fischerprüfung antreten, über die Jahre langsam auf 10 Prozent erhöht, doch finden sich unter Oberösterreichs 33.000 bis 35.000 aktiven Fischern anteilsmäßig viel weniger Frauen. "Knapp 300 Fischerinnen pro Jahr machen die Prüfung", sagt Landesfischermeister Siegfried Pilgerstorfer.

Landschaft: "So schön, da ist es mir egal, ob ich etwas fange."    
Bild: (Volker Weihbold)

So auch Petra Kröpl. "Zwei Frauen waren wir im Fischerkurs", erinnert sie sich, "davon eine Mutter, die ihren Sohn begleitet hat". Die Prüfung wurde locker bestanden, dann belegte die angehende Fliegenfischerin einen Wurfkurs bei Altmeister Karl Reisenbichler aus Ebensee, zuerst an einem Fischteich, dann am Almfluss. "Er war unheimlich geduldig", erzählt sie. "Er hat mir nicht nur gezeigt, wie man wirft, sondern auch wie man eine Fliege an die Schnur knotet." Das Binden der Fliegen selbst sei ihr "zu klein, klein", die Kunstfliegen kaufe sie, "schließlich habe ich das Stricken auch nicht umsonst schon vor ein paar Jahren aufgehört". Dann, der erste Fisch: "Schon beim ersten Mal am Fluss biss gleich eine Bachforelle an, eine eher kleine", berichtet Kröpl, und auch davon, dass ihr dabei noch der Karl die Hand geführt habe.

Bald aber stellten sich die echten Erfolge ein. Anfangs noch unter "full service", sagt sie. "An der Krummen Steyerling haben sich meine Männer um mich gekümmert, und die Forellen, die ich fing, vom Haken genommen." Auch sei ihr wichtig gewesen, "dass ich die Fische nicht umbringen muss". Catch & release, also fangen und freilassen, war ihre Devise. Bis zu jener Äsche, die den Haken zu tief geschluckt hatte. "Die habe ich abgeschlagen, weil unnötiges Leiden eine Grenze haben muss." Bei ihrer Grundeinstellung aber ist die kaufmännische Angestellte geblieben. "Denn es gibt so viele Fische, die sind so schön, die müssen unbedingt weiterleben."

"Bei der Musterauswahl habe ich ein besseres Händchen als mein Mann. Dafür kann er die Fliegen besser präsentieren."    
Bild: (Volker Weihbold)

Wenn man schon Fische fängt und tötet, dann sollte man sie auch essen, sagt Kröpl. "Ich esse Fisch, am liebsten als Filets in der Pfanne herausgebraten. Nur ein bisserl Mehl drauf, vielleicht ein paar Kräuter und dazu Petersilerdapferl.

Wie reagieren Frauen auf ihr Hobby: "Überrascht. ,Aha, du gehst fischen?!‘ Es hat etwas Exotisches. Männer reagieren ganz anders. Da wird sofort geredet und das schönste Fangfoto am Handy hergezeigt. Man tauscht sich aus am Wasser, ob etwas gegangen ist oder nicht." Geschichten des Scheiterns höre sie selten. Es gebe schon etliche Fischer, die nehmen es sehr ernst, die haben wenig Humor. "Mich amüsieren mehr jene Geschichten, wo es nicht so geklappt hat, da befinde ich mich in bester Gesellschaft. Einmal hatte ich eine riesige Bachforelle dran in der Steyr, hatte sie schon im Kescher, da bin ich ausgerutscht, im Wasser gesessen, und die Forelle war fort."

Feinste Fischerei mit abgestimmten Komponenten: Rute, Schnur, Rolle und...    
Bild: (Volker Weihbold)

Während der Saison geht die Fischerin aus Leonding alle 14 Tage ans Wasser – an die Steyr, Teichl oder Krumme Steyerling. "Es gibt viele Stellen, wo es so schön ist, dass es mir egal ist, ob ich etwas fange. Ich beobachte die Enten, die Wasseramseln und Eisvögel oder eine Ringelnatter." Am schönsten sei aber doch das Fischen mit der Trockenfliege, nämlich in dem Augenblick, da ein Fisch die Fliege von der Wasseroberfläche nimmt. "Da schießt einem das Adrenalin ein, das ist ein elektrisierender Moment."

Warum es so wenige Frauen zur Unterwasserjagd ziehe? "Weil vielleicht viele Männer froh sind, wenn sie ohne Frauen ihrem Hobby frönen können", meint sie. Zudem sei wohl der Jagdinstinkt bei Männern stärker ausgeprägt. Männer träumten vom Lachsfischen in Alaska oder Patagonien ... Aber wenn sie es sich so richtig überlege: "Fischen und argentinischer Tango in Patagonien – das wäre doch ein Traum."

Petra Kröpl
Die Angestellte aus Leonding ist alle 14 Tage am Wasser

Zur Person: Petra Kröpl

Vor neun Jahren infizierte sich Petra Kröpl (49) mit dem Fischervirus. Die Angestellte aus Leonding machte Fischerprüfung und Wurfkurse. Fliegenfischen wurde zu ihrer Leidenschaft. Ihren größten Fisch fing sie auf den Lofoten.

 

Sieben Tipps

Sieben Tipps für die Jagd unter Wasser

 

Rezepte

Fisch auf dem Teller

Sie waren erfolgreich und haben einen Fisch erwischt? Gratulation! Und ab in die Pfanne damit. Wir haben für Sie zwei g'schmackige Fisch-Rezepte herausgesucht, die Sie hier nachlesen können. 
 

 

Kommentare

„Fliegenfischen kann zur Leidenschaft werden - das Fischefangen ist dabei zwar ein Teil des ...“ observer Fliegenfischen kann zur Leidenschaft wer...

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