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NICHT NUR ZART BESAITET

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Nicht nur zart besaitet

Das Mandolinenorchester "Arion" in Steyr ist eines der letzten in Österreich. Weil nicht nur Klassik tremoliert, sondern überdies Rockmusik gezupft wird, kommen auch Junge.

Von Von Hannes Fehringer, 04. März 2017 - 00:04 Uhr

Zum Totengedenken der Februarkämpfe 1934, als das Bundesheer mit Haubitzen auf die Arbeiterwohnungen auf der Ennsleite schoss, tremoliert das Mandolinenorchester "Arion" bei der alljährlichen Mahnwache der SPÖ die "Internationale". "Die Wurzeln unseres Musikvereines liegen in der Arbeiterschaft", sagt Obmann Walter Bayer, der die Bassgeige zupft und alle Parteipolitik darüber hinaus bei der Türe draußen lässt. Der musikliebende Schlossermeister Emmerich Vösl hat das "Arion" 1928 mit zehn Mitspielern gegründet. Die Mandoline galt damals als die "Geige der Armen", Musikliteratur, die in Symphonieorchestern gestrichen wurde, machten die Zupforchster auf acht Saiten Amateuren zugänglich. "Es war ein Hunger nach Kultur bei den Leuten", sagt Walter Würdinger, Universitätsprofessor für Gitarre in Wien. Als Bub von der Ennsleite hatte er von einem Musikerkameraden im "Arion" das Instrument erlernt, bis man sein Talent erkannte, ihm die Matura ermöglichte und ihn auf die Hochschule schickte.

"Mandoline ist toll zum draussenspielen"
Gabi Bayer

Aus der Gründerzeit bewahrt Roswitha Mayr, die mit dem Orchester die Stücke einstudiert, in einem Schrank im Probenraum in der Landesmusikschule im Reithoffergebäude auch handgeschriebene Partituren auf. Für das Archiv werden die Vermächtnisse wie Vösls "Arion-Marsch" auf dem Computer feinsäuberlich neu in Noten gesetzt. "Im Fundus verbergen sich Schätze", sagt Mayr, "aber wir wollen nicht nur im Gestern verweilen."

Während viele Mandolinenorchester aus Nachwuchsmangel aufgaben, ist das Steyrer "Arion" im besten Alter. Alexander Haack, Solo-Mandolinist im Orchester und Computerfachmann von Beruf, hat sich aus Liebe zur Barockmusik und Klassik eine Mandoline bauen lassen und nimmt an der Steyrer Musikschule an dem Zupfinstrument Unterricht, nicht weil er sich keine Geige leisten könnte. "Die Verhältnisse haben sich heute umgekehrt: Mandolinen können ganz schön ins Geld gehen", sagt Gabi Bayer, stolze Besitzerin einer "Gibson F5" amerikanischer Flach-Bauweise ohne Birnenbauch. Ihr Ehemann, der Obmann und Kontrabassist, schnappt im Korsikaurlaub die CD "Corsicana" von Ange Lanzalavi auf, setzt sich nächtelang mit dem Kopfhörer vor den Computer und transkribiert für "Arion" den gesamten Satz für zwei Mandolinenstimmen, Mandola und Gitarren.

"Alles geht darauf: Klassik, Jazz, Blues."
Alexander Haack

"Südländische Folklore finde ich ungemein bereichernd", sagt Solo-Mandolinist Haack. Roswitha Mayr, Dirigentin am Pult und außerdem Haacks Schwiegermutter, klatschte dem Orchester Samba-Rhythmen vor, bis sie allen ins Gehör gingen: "Die Mandoline eignet sich ganz besonders gut für lateinamerikanische Musik". Und nicht weniger gut für Rock’n’Roll. Für Bill Hayley’s "Rock around the Clock" setzt sich Gitarrist Rudolf Fineder ans Schlagzeug, für Albert Parlows gleichnamige Polka schleppt er aus seiner Werkstätte eigens einen Amboss an. Für das Frühjahrskonzert, das traditionell vor dem Museum Arbeitswelt gegeben wird, studiert Mayr nebst Klassik und Folklore ein Medley der schwedischen Popband "ABBA" mit sämtlichen Disco-Hits ein.

"Die Mandoline ist von Klassik, Jazz, Blues bis zur Countrymusik mindestens so vielseitig wie die Gitarre", sagt Gabi Bayer, die mit einer kleinen Gruppe aus dem Orchester auch Bluegrass spielt. Die Bandbreite mache es aus, meint Walter Bayer, dass auch junge Leute zum Orchester stoßen. Im Hinterkopf hat er schon wieder eine Neuigkeit: Auf einem elektrischen "Mando-Blaster" verzerrt, müsste der Erzherzog-Johann-Jodler "ganz steil klingen".

Tipp: Mandolinenorchester "Arion", CD "Ein Mandolinenquilt"; CD "Saitenweise", Tel. 0 72 52 / 72 0 19

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