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Christine Dotzauer, von der Lehrerin zur Unternehmerin     Bild: (Volker Weihbold)

Tausend Stiche

Bei den Königshäusern dieser Welt sind ihre Stickereien ebenso gefragt wie bei den örtlichen Vereinen. Christine Dotzauer aus Frankenmarkt macht, was sonst niemand tut – Sticken auf höchstem Niveau, kreativ und hightech.

Von Roswitha Fitzinger, 04. März 2017 - 00:04 Uhr

In Millisekundenschnelle sticheln die 15 Nadeln abwechselnd in das Leinen, immer und immer wieder, so als folgen sie einem Programm. Tun sie auch. 22.015 Stiche werden es am Ende insgesamt sein, bevor das niedliche Häschen komplett ist. Ostern ist schließlich nicht mehr weit. 960 Stiche in der Minute schafft die Tajima, der Mercedes unter den Stickmaschinen. Doch je schneller sie stichelt, umso leichter reißt der Faden – wie gerade eben. Christine Dotzauer muss neu einfädeln: "Manchmal hab’ ich ja das Gefühl, die Maschinen führen ein Eigenleben", sagt sie und lacht, ob des Vorführeffektes.

Bei den Königshäusern dieser Welt sind Dotzauers Stickereien ebenso gefragt wie bei den örtlichen Vereinen.  
Bild: (Volker Weihbold)

Die Unternehmerin aus Frankenmarkt bestickt Tischwäsche und Bettwäsche, Servietten, Geschirrtücher, Vorhänge, Kissen, aber auch Taschen – verschönert sie mit Mustern aller Art, mit Logos, Wappen und Monogrammen. Hotels und Gastronomie lassen bei ihr sticken, ebenso auch "alle gekrönten Häupter dieser Welt". Neben Qualität sind sich die Königshäuser auch der Diskretion der 54-Jährigen gewiss. Weshalb Christine Dotzauer auch keine Namen ausspricht, sondern nur so viel sagt: "Ich bin nicht direkt mit ihnen in Kontakt."

Die gebürtige Grazerin setzt aber nicht nur die Wünsche anderer um, sondern ist auch selber voller Ideen. Ihr Blick sei ständig auf der Suche nach neuen Mustern und Motiven, sagt sie. Sie zeichnet sie selber, aber auch Grafiken und selbst Fotografien können als Vorlagen dienen. Dann ist der Programmierer am Zug, der das gewünschte Design in Daten verwandelt. "Ja, das alles ist schon auch hightech", sagt sie und steckt den USB-Stick in den auf die Stockmaschine aufgesetzten Computer. 20 Muster und 1,5 Millionen Stiche fasst dieser inzwischen.

Die Stickmaschine ist bis zu 950 Stiche in der Minute schnell    
Bild: (Volker Weihbold)

"Das hier ist mein Baby", sagt sie und greift nach einer Tasche und zeigt auf das Blütenmuster. In Handarbeit werden die Filz-Taschen in einer kleinen Manufaktur in Bayern gefertigt. "Der Besitzer kommt aus der Autoindustrie. Ich lerne viel von ihm und er von mir – ich sage ihm wie er die Taschen gestalten soll, was ankommt." Geboren hat sie auch die Idee für die Babydecken aus Baumwollfleece, die mit dem jeweiligen Namen, Geburtsdatum, Größe und Gewicht des Neuankömmlings verziert werden können oder die Markttaschen aus Grobjute, die sie in Mundart bestickt – mit Sprüchen oder dem was da halt so alles rein soll.

"Ich möchte einfach schöne Sachen machen und die Menschen, denen das etwas bedeutet, sind auch bereit dafür, etwas mehr Geld auszugeben", sagt sie. Verarbeitet werden ausschließlich Naturmaterialien wie Leinen, Filz, Wolle. Sie will es so, weil sie "einfach kein Plastik mag".

Ein Renner: Markttasche aus Grobjute    
Bild: (Volker Weihbold)

Aber nicht nur beim Material, auch bei Qualität der Stickerei nimmt es die 54-Jährige genau: Jede Naht muss exakt passen, jedes Muster exakt zentriert sein. Der Ruf, "Es stickt keiner besser als wir", kommt nicht von ungefähr. Ein Ruf, den sich Christine Dotzauer hart erarbeitet hat. Jahre, in denen sie jede freie Minute opferte, liegen hinter ihr. "Mit weniger als nichts" begann sie vor zwölf Jahren in einer Lohnstickerei in Salzburg, arbeitete nachts, weil sie tagsüber in einer Bäckerei ihre Brötchen verdiente, um über die Runden zu kommen. Nebenbei machte sie noch für einen großen Nähmaschinenhersteller Messevorführungen und Händlerschulungen. Als das Geld reichte, war es endlich so weit: Christine Dotzauer machte sich mit zwei Haushaltsstickmaschinen selbstständig, stickte am Abend, stickte am Wochenende in einem Raum im Keller. Urlaub gab es ebenfalls keinen, dafür suchte sie sich nebenher Kunden, die ihre bestickten Heimtextilien (ver-)kauften. Doch ohne Nebenjob war auch das nicht machbar. Für einen heimischen Brillenhersteller legte sie im Außendienst jährlich fast 100.000 Kilometer zurück.

Konkurrenzlos und erfolgreich

Vor zwei Jahren setzte sie alles auf eine Karte, mietete sich auf 90 Quadratmeter im Gewerbepark in Frankenmarkt ein. Aus der gebürtigen Grazerin ist mittlerweile längst eine Oberösterreicherin geworden, die es liebt, auf dem Land zu leben. Der Erfolg blieb ebenfalls nicht aus. Heute kann sie nicht ohne Stolz sagen: "Wir haben keine Konkurrenz." Mit wir meint sie auch ihre fünf Mitarbeiterinnen. Die Christine Dotz-auer GmbH ist auch ansonsten gewachsen: Aus den zwei Haushalts- sind fünf Industriestickmaschinen geworden und auf der mittlerweile 250 Quadratmeter großen Firmenfläche wird nicht nur gestickt, sondern in einem kleinen Shop auch verkauft.

Persönliche Note: Ob Geburtskissen oder Tischläufer, alles kann individuell gestaltet werden    
Bild: (Volker Weihbold)

Auch wenn sich die 54-Jährige nicht vorstellen kann "so richtig" in Pension zu gehen, macht sie sich dennoch Gedanken wie es mit ihrer Firma weitergehen soll. "Ich möchte nicht einfach verkaufen, sondern jemanden finden, der sie mit der selben Liebe weiterführen und vielleicht auf meine Erfahrung, mein Wissen und meine Kreativität zurückgreifen möchte."

Informationen: Weitere Details finden sich auf www.dereinfacheluxus.at. Der Schauraum in Frankenmarkt ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr geöffnet.

 

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