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Gesucht: Bond. Jane Bond

Fast so berühmt wie James Bond: „M“ als Chefin des britischen Geheimdienstes MI6 in der 007-Reihe, gespielt von Judi Dench Bild: ORF

Gesucht: Bond. Jane Bond

Der britische Geheimdienst vertraut auf Frauenpower und sucht offiziell weiblichen Nachwuchs. Aus den 13-bis 15-jährigen Girlies sollen einmal Geheimdienst-Agentinnen werden.

Von Jochen Wittmann, 18. Februar 2017 - 00:04 Uhr

Als sich die Schauspielerin Gillian Anderson ("Akte X", "The Fall") im vergangenen Sommer für die Rolle von James Bond ins Gespräch brachte, hatte das weltweites Aufsehen und kontroverse Diskussionen zur Folge. Jetzt scheint die Wirklichkeit die Filmwelt überholen zu wollen. Der britische Abschirmdienst "Government Communications Headquarters" (GCHQ) sucht weibliche Mitarbeiter und hat einen Wettbewerb ausgerufen, der sich ausschließlich an britische Schulmädchen wendet. Die "CyberFirst Girls Competition" spricht gezielt die Gruppe der 13- bis 15-Jährigen an und stellt den Mädchen Aufgaben in Logik, Kryptologie und Kodierung. Die Initiative ist nur die jüngste von mehreren, den Anteil von Frauen unter den Spionen Ihrer Majestät zu erhöhen.

Geheimrekrutierung war einmal

Früher war das anders. Da gab es die Geheimdienste offiziell gar nicht, und die Rekrutierung von Personal geschah im Geheimen. Man besorgte sich seinen Nachwuchs an den Eliteuniversitäten von Oxford und Cambridge aufgrund diskreter Empfehlungen von eingeweihten Hochschullehrern. Heute gehen die Dienste ohne Scheu an die Öffentlichkeit, inserieren in Zeitungen oder wenden sich direkt im Internet an ihre Zielgruppen. Und was man nicht brauchen kann, ist der typische James-Bond-Macho. "Ein Geheimdienst-Offizier im realen MI6", unterstrich Sir Alex Younger, der Chef des Auslandsgeheimdienstes, "hat im Gegensatz zu Herrn Bond ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, schätzt Teamarbeit und hat Respekt vor dem Gesetz." Auch die beiden anderen Dienste, der für die innere Gefahrenabwehr zuständige MI5 sowie GCHQ, suchen heutzutage keine Actionhelden unter Testosteron-Druck, sondern Mitarbeiter mit starken analytischen und kommunikativen Fähigkeiten, die effizient in Stresssituationen arbeiten können. Mit einem Wort: Frauen.

Die "CyberFirst Girls Competition" soll das Interesse bei Mädchen für eine Karriere beim Abschirmdienst wecken. Bisher haben sich mehr als 600 Teams von jeweils vier Teilnehmerinnen bei GCHQ registrieren lassen. Ende Februar geht es los. Dann werden ihnen Online-Aufgaben gestellt, die sukzessive schwieriger werden. Die zehn besten Teams reisen schließlich zum großen Finale nach London, wo sie einen Fall von verdächtiger Cyber-Aktivität untersuchen müssen und herausfinden sollen, wer hinter dem Verbrechen steckt. Der Preis beträgt 1000 Pfund für die Schule und die Aussicht für die besten Problemlöserinnen, dereinst beim Abschirmdienst anzuheuern zu können. "Ich arbeite", sagte GCHQ-Chef Robert Hannigan, "an der Seite von einigen wirklich brillanten Frauen, die Großbritannien vor Online-Bedrohungen schützen. Dieser Wettbewerb erlaubt jungen Frauen einen Blick in diese aufregende Welt und bietet ihnen eine großartige Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu gebrauchen."

In den James-Bond-Filmen hatte es Judi Dench bis zur Position von "M", dem MI6-Chef, gebracht. Im wirklichen Leben steht dem Auslandsgeheimdienst nach wie vor ein Mann vor, lediglich MI5 war bisher so fortschrittlich, zwei Damen als Direktorinnen einzusetzen. Während im gesamten Beamtenapparat des Königreichs 53 Prozent des Personals weiblich ist, finden sich unter den rund 12.000 Mitarbeitern der drei Geheimdienste gerade einmal 37 Prozent Frauen, wie eine Untersuchung des parlamentarischen Geheimdienstausschusses herausfand.

Gesucht: Bond. Jane Bond
Das MI6-Hauptquartier direkt am Ufer der Themse.  
Bild: PA FILES

Ziel: 45-prozentiger Frauenanteil

Das soll sich ändern, weshalb sich die Dienste ein Rekrutierungsziel von 45 Prozent gesetzt haben. MI6-Chef Sir Alex Younger warb kürzlich vor dem Forum "Women in IT Awards" um mehr weibliche Mitarbeiter und enthüllte, dass "Q", der Quartiermeister in den Bond-Filmen, in der Realität eine Frau ist. Der Autor und Spionage-Experte Nigel West kann das nur begrüßen: "Nach meiner Erfahrung haben Frauen ein besseres Auge fürs Detail, ein überlegeneres Zeitgedächtnis und eine bessere emotionale Intelligenz als Männer – sämtlich Qualitäten, die für einen Spion absolut unverzichtbar sind."

Der Britische Geheimdienst – MI5, MI6, GCHQ und DIS

Nach ihren Erfahrungen im Burenkrieg und der wachsenden Angst vor einer Invasion der Deutschen wurde 1909 das Secret Service Bureau gegründet – der weltweit erste behördliche Geheimdienst.

Security Service / MI5
Der Inlandsgeheimdienst Großbritanniens wurde gegründet, um deutsche Spionage aufzudecken, 1931 das Aufgabengebiet dann um den Schutz der nationalen Sicherheit erweitert. Der auch als MI5 (Military Intelligence, Section 5) bezeichnete Dienst ist ein reiner Nachrichtendienst ohne Exekutivbefugnis.

Secret Intelligence Service/ MI6
Der britische Auslandsgeheimdienst wurde ebenfalls 1909 ins Leben gerufen – als Auslandsabteilung des Secret Service Bureau von Sir Mansfield Cumming . Aus dieser Zeit stammt auch die bis heute bestehende Tradition, alle Direktoren als „C“ zu bezeichnen. Cummings hatte stets mit „C“ unterschrieben – eine Tradition, die Ian Fleming in James Bond aufgriff. Aufgabe ist die Bereitstellung nachrichtendienstlicher Informationen aus den Bereichen Sicherheitspolitik, Verteidigung, Wirtschaft aus sämtlichen Quellen, auch Agententätigkeit.

GCHQ (Government Communication Headquarters)
Technischer Aufklärungsdienst Großbritanniens. Sein Vorläufer wurde 1919 gegründet und vor allem durch die Entschlüsselung deutscher Geheimnachrichten während des Zweiten Weltkrieges bekannt. Die Aufgaben des GCHQ sind funkelektronische Nachrichtenbeschaffung, Kryptologie und Datensicherheit. Der GCHQ betreibt weltweit satellitengestützte Abhöreinrichtungen.

DIS (Defence Intelligence Staff)
militärischer Nachrichtendienst

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