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Bild: Narzissenfest

Millionen weiße Sternchen und Tausende begeisterte Besucher

Mehr als 20.000 Gäste ließen sich bei Sommerwetter zum 57. Narzissenfest locken 27 Figuren wurden in Bad Aussee und beim Bootskorso in Altaussee präsentiert.

Von Valentina Dirmaier aus Bad Aussee, 30. Mai 2016 - 00:04 Uhr

Mund aufgerissen, Augen weit geöffnet und dazwischen ein Glucksen. Miku aus Japan und Alan aus Brasilien kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus und strahlen mit der Sonne um die Wette. So etwas wie das Narzissenfest haben die beiden Austauschschüler, die derzeit bei Thomas Pelinka aus Gmunden leben, noch nie gesehen: Tausende Besucher, viele von ihnen in Tracht, drängen sich bei der von den OÖNachrichten präsentierten Großveranstaltung durch die Gassen von Bad Aussee und knipsen wie wild Fotos von den Ausstellungsobjekten.

Super. Wahnsinn. Toll. Das Lob fällt zwar einsilbig aus, aber die Begeisterung der jungen Asiatin ist enorm. Und der Südamerikaner versucht Parallelen mit dem Karneval zu ziehen, "aber das ist nicht vergleichbar, alles ist so schön", ist Alan angetan. Aus dem Schwärmen kommen auch Anita Eichinger aus Niederwaldkirchen und Steffi Fischer aus Rottenegg nicht heraus. "Es ist wirklich ein Traum hier. Wir haben gestern eine Zeit mitgearbeitet. Da merkt man, wie viel Arbeit wirklich dahinter- steckt. Allen Teilnehmern gebührt ein großes Lob", sind sich die Mühlviertlerinnen, die zum ersten Mal beim Narzissenfest zu Gast sind, einig.

Auch Andi Goldberger, der getrost als Stammgast bezeichnet werden darf und mit Kind und Kegel ins Ausseerland anreiste, hat sich am Samstag unter die Bastler der Narzissenfiguren gemischt. "Aber ich hab’ dafür leider nicht die nötige Geduld", gibt der einstige Skisprungstar zu. Lieber begleitet Goldi den Korso zu Land und zu Wasser auf dem Traktor, die Narzissen-Kuh "Ursel" auf dem Anhänger und sonnt sich im Blitzlichtgewitter bei Sommertemperaturen.

Ein Blickfang in der riesigen Menschenmenge sind auch Rosalie und Valerie in ihrer alten Ausseer Tracht. "Besonders die Auswärtigen fragen, was es mit der Kleidung auf sich hat, erzählt Claudia, die Taufpatin der Mädchen, die besonders wegen ihrer ausgefallenen Kopfbedeckung in der Besuchermenge auffällt. Aus dem Trubel um ihre Kleidung machen sich die Vier- und die Zehnjährige ohnehin nichts. "Schau’ ma lieber wieder zum Teddybär", bettelt Valerie.

Lara, gemeinsam mit Oma Johanna und Opa Reinhard Kreuzer aus Ebensee, beim Narzissenfest, hat bereits ihr Objekt der Begierde gefunden. Der Pegasus hat es ihr angetan. Eh klar, wie viele andere Pferdeliebhaberinnen ist das kleine Mädchen nur schwer von der monströsen Narzissenfigur wegzubekommen. Sehr zur Freude von Thomas Feldhammer und Franz Loitzl, die das Fabelwesen geplant, konstruiert und mit Hilfe von Familie und Freunden bestückt haben. "Wir haben heute nur eine Stunde geschlafen", erzählt Loitzl. Der Aufwand hat sich gelohnt, denn die Vorjahressieger durften sich über Platz eins in der Wertung "Stadtkorso" freuen.

Charly der Clown  
Bild: Narzissenfest

Daumendrücken für Charly

Schauplatzwechsel zum Altaussee, wo es sich Celine Sölkner aus Bad Aussee und ihre Freundin Melanie Flatsch aus Bad Ischl gerade am Ufer des Sees gemütlich gemacht haben. Die Daumen drücken die beiden jungen Damen der Gruppe Freller und Pucher, die abertausende Narzissen zu Charly, den Clown, geformt haben.

Und die beiden sollten mit ihrem Favoriten am Ende des Tages Recht behalten, denn die Jury vergab für das Kunstwerk die meisten Punkte, somit war das kreative Duo aus Altaussee in der Kategorie "Bootskorso" Sieger.

Beeindruckt und mit vielen Erinnerungen verließen auch Miku und Alan das Narzissenfest. "Es war super und wahnsinnig toll", waren sich die beiden einig.

Tobi, der Altausseer Bierzielt Partytiger, wurde Zweiter beim Bootskorso und Dritter beim Stadtkorso.  
Bild: APA

3 Fragen an Martin Schoiswohl

Der 54-jährige Sprecher des Narzissenfestes über die Kosten des Narzissenfests, welche falschen Mythen sich um die Festivität ranken und warum das Ausseerland keine Angst hat, dass China die Veranstaltung kopieren könnte.

  1. Die Wertschöpfung des Narzissenfests für die Region Aussee wird mit acht Millionen Euro beziffert. Wie schwierig ist die Finanzierung?

    Das Narzissenfest wird von einem ehrenamtlichen Verein mit ehrenamtlichen Mitarbeitern veranstaltet. Wir sind jedes Jahr froh, wenn wir mit den finanziellen Mitteln durchkommen. Vor vier Jahren, als der Bootskorso aufgrund der starken Regenfälle abgesagt wurde und der Stadtkorso ins Wasser fiel, stießen wir an unsere finanziellen Grenzen. Hätten wir keine Unterstützung von Gemeinden und Land erhalten, hätten wir nicht überlebt.
  2. Stimmt es, dass das Narzissenfest entstanden ist, weil die Blumen nicht als Futtermittel für die Landwirtschaft verwendet werden konnten?

    Das Gerücht ist interessant, aber das Narzissenfest ist keine Notaktion. Sondern die Narzisse wächst bei uns aufgrund der klimatischen Bedingungen und weil sie nicht durch intensive Landwirtschaft verdrängt wird.
  3. China hat erhebliches Interesse am Narzissenfest und schickt sogar Medienvertreter ins Ausseerland. Fürchtet Ihr, dass das Narzissenfest einmal kopiert wird, à la Hallstatt?

    Nein. Wir fürchten uns überhaupt nicht, weil sie einerseits erst einmal Narzissen brauchen und wenn man eine Kopie kennenlernt, will man irgendwann einmal das Original sehen.
Die Figur "Almerisch" erreichte Rang zwei im Stadtkorso und Rang drei auf dem Altausseer See.     
Bild: APA

Die Zahlen zum Fest

  • 27 Figuren wurden bei der Stadtausstellung in Bad Aussee und beim Bootskorso auf dem Altausseer See präsentiert.
  • 3000 Freiwillige haben in der letzten Woche mitangepackt und Narzissen gepflückt, gesteckt, die Figuren dekoriert und bei der Organisation geholfen.
  • 57 Jahre gibt es das Narzissenfest bereits. 2017 findet das fulminante Spektakel von 25. bis 28. Mai statt.
  • 2680 Autos, 220 Busse und mehr als 20.000 Besucher wurden am gestrigen Sonntag gezählt.

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