Bälle

Menü
Facebook Twitter Google+ E-Mail
Der König der Herrenkleidung

Debütanten auf dem Opernball – meist auch ein Debüt im Fracktragen Bild: APA

Der König der Herrenkleidung

Die Roben der Damen mögen beim Opernball den Großteil der Blicke auf sich ziehen, aber auch die Herren hüllen sich in feinen Zwirn. Der Frack gilt als der König der Herrenbekleidung.

Von Roswitha Fitzinger, 18. Februar 2017 - 00:04 Uhr

Wenn die 144 Debütantenpaare aus neun Ländern am kommenden Donnerstag in den Festsaal der Wiener Staatsoper einziehen und den 61. Wiener Opernball eröffnen, werden die meisten der jungen Herren erstmals in einem "Großen Gesellschaftsanzug" stecken. Ein Muss, denn auf dem Opernball gilt Frackpflicht oder -zwang.

Er ist der gesellschaftliche Höhepunkt jeder Ballsaison, der Dresscode ist streng, auch für die Damen. Ein hautenges Kleid ist ebenso tabu wie eine Festtagstracht. Während die Roben der Damen zumindest knöchellang sein und einen weiten Rockteil haben müssen, sind die Stolperfallen bei den Herren geringer, da es frackbedingt ohnehin kaum Spielraum gibt. Lediglich bei der Fliege heißt es aufpassen. Sie hat weiß zu sein, anderenfalls wird man für einen Kellner gehalten. Ist die Fliege schwarz, ist der Frack eine Berufsbekleidung.

Englischen Ursprungs

Was heute als Gesellschaftsanzug für große Anlässe gilt, war ursprünglich ein Kleidungsstück der unteren arbeitenden Schichten. Der Frack ist in seinen Wurzeln ein Engländer, der ursprünglich auf der Insel als "Frock" (Rock, Kittel) bezeichnet wurde. Anfang 1730 begannen junge englische Adelige, diesen Frock zu informellen Anlässen zu tragen. Der Frock bestand aus Wolle und war bereits vorne, von der Brust abwärts, schräg verlaufend nach hinten geschnitten. Eine Abwandlung, die sich bald für die Herren zu Pferde bildete, war der sogenannte riding-coat, ein auf Höhe der Taille horizontal nach hinten geschnittener Anzug.

Ab etwa 1750 gelangten beide Kleidungsstücke nach Frankreich: Aus dem frock wurde der frac; aus dem riding-coat der frac à l’anglaise. Diese beiden Kleidungsstücke wurden in den kommenden Jahrzehnten in Frankreich derart populär, dass sie Ende des 18. Jahrhunderts das Straßenbild dominierten und auf das restliche Europa überschwappten. Der Tagesfrack wurde bevorzugt in Farben wie Tabakbraun, Flaschengrün, Pflaumen- und Veilchenblau zu hellen Hosen getragen, der Abendfrack war hingegen aus schwarzem Tuch und hatte etwas längere Schöße. Später setzte sich der frac à l’anglaise immer stärker durch, während der Frack ab 1850 nur noch zu besonderen Anlässen getragen wurde. Österreichs letzter Kaiser ließ 1916 verlauten, dass man künftig bei Audienzen und hochoffiziellen Anlässen tagsüber nicht mehr den Frack, sondern einen Gehrock trage. Ersterer wurde in die Nacht verbannt, war besonderen Ereignissen vorbehalten, wurde allerdings ab den 1930er Jahren teilweise vom Smoking verdrängt.

Renaissance des Fracks

Mit Ausnahme vom Opernball, der in der jüngeren Geschichte lange die einzige diesbezügliche Veranstaltung im Land war, auf der der Dresscode noch Frack verlangte, während auf den anderen großen Bällen Smoking ausreichte. Doch diese Exklusivität ist Geschichte. So war in diesem Jahr der Frack erstmals auch auf dem Wiener Philharmonikerball Pflicht – aus Gründen der Eleganz und des Gesamtbildes, wie es hieß. Auf dem "Techniker-Cercle", dem Ball der Industrie und Technik, hatte man den Smoking bereits vor Jahren verbannt.

Mann trägt wieder vermehrt Frack, nicht nur als Leihstück übrigens, sondern wie Händler versichern, wird das elegante Kleidungsstück vermehrt auch gekauft. Mindestens 800 Euro muss einem das allerdings wert sein. Billiger (250 Euro) kommt davon, wer ihn ausleiht.

Frack

Anlass: Besteht Frackpflicht, findet sich auf der Einladung der Gastgeber der Hinweis „White Tie“ (bezugnehmend auf die weiße Schleife). Der Frack wird zu besonders festlichen Anlässen wie Hochzeiten, Staatsempfängen, Theaterpremieren oder Galadiners getragen – und zwar üblicherweise ab 18 Uhr.

Charakteristika: eine vorne kurztaillierte Jacke, die nie geschlossen wird, mit knielangen „Schwalbenschwänzen“ am Rückenteil. Typisch sind weiters ein spitzes, seidenbesetztes Revers, sowie eine tief ausgeschnittene weiße Piqué-Weste und die seitlich mit zwei Seidenbändern (Galons) versehene Frackhose ohne Umschläge und Bundfalten. Gürtel gilt als tabu, eine Frackhose wird nur mit Hosenträgern getragen.

Farben: Der Frack ist schwarz (selten dunkelblau), weiß dagegen sind das Frackhemd, die Schleife bzw. Fliege und die Piqué-Weste.

Dazu trägt man: schwarze Kniestrümpfe aus Wolle oder Seide, schwarze Lackschuhe, eine einfache Manschette, die mit einem Manschettenknopf geschlossen wird (Wiener Manschette) sowie eventuell einen schwarzen Zylinder

Accessoires: Das Tragen einer Armbanduhr gilt laut Knigge als Fauxpas, gern gesehen ist eine Frackuhr mit Kette, ein weißer Seidenschal und weiße Glaceehandschuhe. Bei Taschentüchern sind nur welche aus Stoff erlaubt.

Smoking

Anlass: Steht auf der Ein-ladungskarte „Black Tie“ /(bezugnehmend auf die schwarze Fliege), dann ist Smoking erwünscht, er wird zu bedeutenden gesellschaftlichen Anlässen
getragen.

Charakteristika: ein- oder eventuell auch zweireihiges Jacket mit Spitz- oder Schalkragen und Seidenrevers. Die Seitennähte der Hose sind mit Satin besetzt, die Fliege ist schwarz.

Farbe: Der klassische Smoking ist schwarz, aber auch nachtblau ist mittlerweile eine gängige Farbe.

Dazu trägt man: weißes Hemd mit Kläppchenkragen, verdeckter Knopfleiste und Doppelmanschetten, Weste aus Seidensatin in der Farbe des Anzugs, breite Bauchbinde, den eleganten Kummerbund beziehungsweise stattdessen eine tiefausgeschnittene Weste , Einstecktuch, lange schwarze Kniestrümpfe, schwarze Schuhe (Slipper, Lackschuhe).

Cut/ Stresemann

Anlass: Der Cut oder Cut-away wird bei gehobenen, sehr festlichen Anlässen am Vormittag getragen, was ihm den Namen „Frack des Tages“ einbrachte, etwa für einen Einsatz auf dem Standesamt oder in der
Kirche.

Charakteristika: Kennzeichnend für den Cut sind die schräg abgeschnittenen und abgerundeten Gehrock-Schöße (Schwalbenschwanz), die bei einem Stresemann fehlen, sodass das Jackett hier rundherum gleich lang ist und nicht schräg abgeschnitten verläuft. Dieser Anzugtyp ist einreihig und hat ein aufsteigendes Revers.

Dazu trägt man: eine schwarz-weiß oder schwarz-grau gestreifte Hose, ein weißes Kragenhemd mit Kläppchenkragen, hellgraue Weste, graue Krawatte, graues Einstecktuch, grauen Zylinder und schwarze Schuhe.

»zurück zu Bälle«

Kommentare

Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden.
Was sagen Sie zum Thema? Jetzt kommentieren

Haben Sie bereits einen Benutzernamen? Dann melden Sie sich bitte hier an.
Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort, Ihre E-Mail-Adresse und Ihre Handynummer mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
/

Sicherheitsfrage
Wie viel ist 20 + 2? 
Bitte Javascript aktivieren!