08. Februar 2017 - 00:04 Uhr · · Society & Mode

"Opernball mit Wiener Schnecken und Livemusik"

"Opernball mit Wiener Schnecken und Livemusik"

Opernball-Organisatorin Maria Großbauer mit einer Opernball-Debütantin. Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Organisatorin Maria Großbauer plant viele Neuerungen: "Ich bin nicht der Typ für langsame Veränderungen".

In knapp drei Wochen, am 23. Februar, findet der erste Opernball unter der Organisation von Maria Großbauer statt. Im Interview erzählt 35-jährige gebürtige Niederösterreicherin über ihr neues Konzept, Promis, die Opernball-Demonstration, das Rauchverbot – und weshalb der Ball für die Österreicher einfach dazugehört, auch wenn es immer wieder Demonstrationen gibt.

 

Sie sind gerade in der Zielgeraden bei der Organisation Ihres ersten Balles. Haben Sie sich Ihr Leben als Opernball-Lady so vorgestellt?

Maria Großbauer: Es ist viel mehr Arbeit, als ich erwartet habe, mehr als ein Vollzeitjob. Wir sind ja nur ein sehr kleines Team. Aber es ist auch schöner, als ich geglaubt habe. Und außerdem hat mich niemand dazu gezwungen.

Ihre Vorgängerin, Desiree Treichl-Stürgkh, hatte sich bei ihrem Dienstantritt vorgenommen, den etwas verstaubten Opernball behutsam im 21. Jahrhundert ankommen zu lassen. Haben Sie auch Vorstellungen über mehrere Jahre hinweg?

Ich bin nicht der Typ, der auf allzu langsame Veränderungen setzt. Ich habe ein Gesamtkonzept, von dem ich möglichst viel im ersten Jahr umsetze. Ein Gesamtkonzept muss man in vielen Details spüren, sonst funktioniert es nicht.

Grob heruntergebrochen, ist das Herz Ihres Konzeptes die Oper selbst, Musik und eine sehr feine Kulinarik. Eigentlich sehr naheliegend.

Trotzdem hat es noch niemand gemacht! Die verschiedenen Bälle wie etwa der Kaffeesieder- oder Zuckerbäckerball sind eigentlich Feste der jeweiligen Stände – heute würde man sagen Branchen –, das wollte ich auch betonen. Der Blumenschmuck steht im Zeichen der "Zauberflöte", aus dem Heurigen wurde eine "Wolfsschlucht" aus dem "Freischütz", und der Opernball-Drink "Der Liebestrank" stammt aus der gleichnamigen Oper von Gaetano Donizetti. Bei der Kulinarik ist mir eine sehr hohe Qualität extrem wichtig. Wir haben unter anderen Slow Food, Wiener Schnecken, Bio-Würstel und Fair- Trade-Kaffee. Auch die musikalische Untermalung ändert sich: Zum ersten Mal wird in der ganzen Oper live gespielt. Sehr viel davon unplugged – eine Oper ist ja schließlich auch unplugged.

Neu ist auch ein vollständiges Rauchverbot. Warum?

Das völlige Rauchverbot – das 2018 übrigens sowieso in der gesamten Gastronomie eingeführt wird – jetzt schon umzusetzen, ist eine Entscheidung der Direktion. Mich hat gewundert, dass das heute überhaupt noch ein Thema ist. Es stehen jedenfalls außerhalb der Oper beheizte Bereiche zur Verfügung, in denen auch Getränke serviert werden.

Heuer wurde eine Demonstration gegen den Ball angemeldet. Können Sie die Motive dafür nachvollziehen?

Das Demonstrationsrecht ist ein sehr hohes Gut. Ich würde mit den Veranstaltern auch gerne in den Dialog kommen. Zwei Aspekte möchte ich aber an dieser Stelle betonen: Abgesehen davon, dass die Einnahmen des Balls für die Wiener Staatsoper sehr wichtig sind, hat er eine sehr hohe Wertschöpfung. Es sind beispielsweise rund 50 Firmen aus ganz Österreich bei Umbau und Vorbereitungen eingebunden – mit einem Auftragsvolumen von zirka 1,4 Millionen Euro. Und man könnte einmal die Taxifahrer, Friseure, Kellner etc. fragen, wie sie das sehen, würde man den Opernball absagen. Und: Wir nutzen die Kontakte und die mediale Aufmerksamkeit rund um den Ball für verschiedene Charity-Aktionen, heuer etwa eine eigene Benefizveranstaltung im Vorfeld für die "Gruft" der Caritas Wien und für "Superar".

Lotte Tobisch hat den Ball 1991 angesichts des ersten Golfkrieges kurzerhand abgesagt. Die Welt ist seitdem nicht unbedingt besser geworden. Könnten Sie sich vorstellen, auf den Ball zu verzichten?

Nein, derzeit kann ich mir das nicht vorstellen.

Nicht nur der Opernball, sondern auch die Organisatorinnen werden oft angegriffen. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Eigentlich sehr positiv. Ich habe mich bisher aber bewusst in der Öffentlichkeit zurückgehalten.

 

Die Opernball-Ladys seit 1981

1981–1996: Lotte Tobisch, die Schauspielerin war, gilt als Inbegriff der Wiener Salondame. Jetzt ist sie Präsidentin des Vereins "Künstler helfen Künstlern".

1999–2007: Elisabeth Gürtler-Mauthner änderte einiges am Opernball. So konnte etwa nicht mehr jeder die Parterre- und Ranglogen mieten, sondern lediglich Donatoren. Heute leitet Gürtler die Hotels Sacher (Wien) und Österreichischer Hof (Salzburg) sowie die Sachertorten AG und die Spanische Hofreitschule.

2008–2016: Unter Desirée Treichl-Stürgkh wurde die Eröffnungszeremonie jedes Jahr von einer anderen Tanzschule choreografiert. So kamen auch Unternehmen aus den Bundesländern zum Zug.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/society/Opernball-mit-Wiener-Schnecken-und-Livemusik;art411,2478461
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