04. Oktober 2017 - 13:08 Uhr · · Society & Mode

Louis Vuitton beendete sportlich-barock die Pariser Modeschauen

Louis Vuitton schickte seine Models in Sportschuhen über den Laufsteg Bild: apa

Mit einer spektakulären Inszenierung von Louis Vuitton im Pariser Louvre sind die Pret-a-porter-Schauen für Frühjahr/Sommer 2018 zu Ende gegangen

Neun Tage lang hat sich der Modezirkus in der französischen Hauptstadt mit rund 90 Präsentationen ausgetobt. Vuitton zeigte am Dienstagabend im Bereich der mittelalterlichen Festungsmauern des Museums die Entwürfe. Schon die Kulisse beeindruckte. Im Publikum saßen mit Cate Blanchett, Julianne Moore und Michelle Williams zudem gleich drei Stars aus Hollywood.

Auch die Kollektion von Chefdesigner Nicolas Ghesquiere erschien so außergewöhnlich wie aufwendig. Er zeigte klobige Sneakers und Boxershorts zu ungemein kostbar bestickten Barockmänteln oder Westen mit langen Schößen aus Seide in Eisfarben, Gold oder Silber. Daneben gab es kurze, toll geschnittene Kleider mit schmalem Trikotoberteil und Ballonrock. Ghesquiere verband bei diesen jungen Entwürfen Trainings-Outfits mit Anlasskleidung. Eine coole Interpretation des Trends zu "Athleisure", Kleidung, die einen nahtlosen Übergang vom Sportstudio zum Alltagsleben ermöglicht. Nur, dass in diesem Fall der Alltag als Party daherkommt.

Schicke Schlechtwetter-Kleidung bei Chanel

Die Chanel-Show läutete Dienstagfrüh den letzten Tag der Pariser Fashion Week ein. Neben großen Shows wie Chanel, Dior oder Hermes, sorgten dieses Mal vor allem unbekannte Designer für Spannung.

Nachdem es in den vergangenen Saisonen eher futuristisch zuging, hatte Karl Lagerfeld dieses Mal Lust auf Natur. Im Eingangsbereich des Grand Palais hörte man schon von weitem ein dumpfes Rauschen. Woher das Geräusch kam, konnten die Besucher aber erst hinter einem kleinen Wäldchen erspähen. Dort plätscherten kleine Wasserfälle von moosbewachsenen Felsen, die von einem Bach umgeben waren. Zu Beginn der Show spritzte es von den Wasserfällen plötzlich auf die Holzstege, die als Catwalk fungierten. Angst davor, nass zu werden, mussten die Models aber nicht haben.

Sie waren mit regenfesten Capes aus transparentem Vinyl ausgestattet. Hübsch, funktional und vor allem ohne das eigentliche Outfit zu verstecken. Die Kollektion wirkte dadurch erfrischend neu. Unter den Mänteln waren die klassischen Chanel-Tweeds zu bauchfreien Bustiers oder kurzen Shorts geschnitten und mit frechen Fransen verziert.

Auch Schuhe, Hüte und Handschuhe waren schlechtwettertauglich. Die typischen Chanel-Pumps mit schwarzer Spitze kamen zum Beispiel als Stiefel mit durchsichtigem Plastikschaft daher. Aber auch für Chanel eher ungewöhnliche Teile waren dabei: wehende Chiffon-Kleider aus dunkelblauen Batikstoffen oder Taschen mit übergroßem Chanel-Schriftzug, die man sich praktisch um das Handgelenk oder den Oberarm schieben kann.

Am Vortag hatte das Modehaus Hermes seine Gäste durch verwinkelte Gänge des Palais de Chaillot geführt, die mit heller, karierter Tapete ausgekleidet waren. Passend dazu eröffnete eine zum Cape geschnittene Jacke in modernem Schottenmuster die Show. Danach folgten Karo-Muster in verschiedenen Variationen, das ganze gepaart mit einer poetisch klingenden Farbpalette: ein Ensemble aus Nubuk-Leder in Ultraviolett, eine Seidenbluse in Beige-Ficelle oder ein pastellfarbener Hosenanzug in Butter-Gelb.

Mit den extrem weiten Portefeuille-Hosen, die in den verschiedensten Variationen kamen, setzte Chef-Designerin Nadege Vanhee-Cybulski dieses Mal außerdem ein klares Fashion-Statement - allzu modische Trends gehören sonst nicht unbedingt zum Repertoire des Hauses.

Letztlich waren es in dieser Saison aber vor allem unbekannte Namen, die für Spannung sorgten. Allen voran Natacha Ramsay-Levi, die mit einer Mischung aus folkloristischen Kleidern und groben Cowboy-Stiefeln ein erfolgreiches Debüt bei Chloe feierte. Auch der Schweizer Serge Ruffieux setzte mit farbigen Ethno-Elementen und außergewöhnlichen Silhouetten der Marke Carven eigene Akzente.

Nicht alle überzeugen konnte dagegen die allzu schlichte Vision von Olivier Lapidus für Lanvin. Ob seine etlichen Variationen des Kleinen Schwarzen das gebeutelte Modehaus endlich aus der Krise holen können, ist fraglich.

Abseits des offiziellen Programms waren wie immer auch einige deutsche Labels in Paris vertreten. Das sympathische Designer-Duo Talbot Runhof mit seiner farbenfrohen Kollektion im blumigen 70er-Jahre-Stil oder das Brautmodelabel Kaviar Gauche, das mit seinen pudrigen Rosetönen bewies, dass Hochzeitskleider nicht immer Weiß sein müssen.

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/society/Louis-Vuitton-beendete-sportlich-barock-die-Pariser-Modeschauen;art411,2697440
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