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Autor Welf Ortbauer: „Friedliebender Querdenker und Romantiker“

„Viele Menschen schneiden ihre Verbindung zur Natur ab, und das tut keinem gut“, sagt der Linzer Autor Welf Ortbauer, der mit seinen Ton-Bild-Produktionen, den „Abendrasten“, bekannt wurde. Sein neues Buch widmet er dem Schutz der Bäume. Mit den OÖNachrichten sprach der Jurist über seine Kindheit, den Naturschutz und Weihnachten.

„Ich bin ein friedliebender Querdenker und Romantiker“

Ortbauer: „Eine Erde ohne Bäume ist wie ein Baum ohne Erde.“ Bild: privat

Ortbauer war 30 Jahre als Jurist beim Land OÖ in Sachen Wasserrecht unterwegs. „Ich habe durch meinen Job alle Naturschönheiten in Oberösterreich schätzen gelernt.“ Seit Jahren widmet sich der 63-Jährige dem Schutz alter Bäume in Linz, weil er selbst miterlebte, wie solche sinnlos gefällt wurden. Seinen Unmut darüber, aber auch die Verbundenheit mit Bruder Baum drückt er im Baumbilderbuch „Allein die Bäume sind treu...“ aus. Bebildert ist es mit Werken oberösterreichischer Künstler.

OÖN: Ist Ihnen die Lust am Fabulieren und die Liebe zur Natur in die Wiege gelegt?

Ortbauer: Ja, ich bin am Froschberg neben dem Stadion in Linz aufgewachsen, und damals war dort alles noch unverbaut. Am Berg vor dem Aloisianum bin ich Ski gefahren. Ich habe sehr gern gelesen, und der Vater hat beim Spazierengehen Geschichten erfunden und erzählt. Musik, Bücher, Natur und Bewegung, das war meins. Und in der Volksschule hab’ ich der Lehrerin schon Gedichte geschrieben.

OÖN: Wie kamen Sie zum Jusstudium?

Ortbauer: Ich wollte eigentlich Sport und Geografie studieren, aber mein Vater sagte: „Lerne einen sicheren Job, dann kannst du dir deine Hobbys nebenbei leisten.“ 1973 begann ich beim Land und kam bald in die Wasserrechtsabteilung. So war ich viel draußen bei Verhandlungen und habe Oberösterreich sehr gut kennen gelernt. Außerdem haben wir damals im Büro noch viel philosophiert, sind nach Dienstschluss zu Vernissagen gegangen, und so hab ich viele Anregungen für Geschichten und Gedichte erhalten.

OÖN: Wie entstand der Text-Musik-Bilderbogen „Abendrast“, mit dem Sie bekannt wurden?

Ortbauer: Anfangs habe ich Texte zu Bildern für eine Galerie geschrieben. Dann begann ich mit Musikern, Fotografen und Schauspielern zusammenzuarbeiten, die meine Texte – ich schreibe auch Liedtexte – vertonen, spielen und lesen. Je nach Anlass suche ich die Texte für die Produktionen in Kirchen oder Galerien aus. Ziel ist es, Raum für innere Einkehr, zum Träumen und für Gefühle zu schaffen.

OÖN: Sind Sie romantisch?

Ortbauer: Ja. Ich leiste mir Gefühle, und es ist mir egal, was andere denken. Meine Vision ist es, mit einer Art „Zirkus der Poesie“, mit einer Text-Musik- und Bildershow durchs Land zu fahren, Menschen eine Oase der Entspannung in den Alltag zu bringen. Mir ist das Schreiben, der Umgang mit der Sprache und ihre Pflege sehr wichtig. Darum leite ich auch den Verein Freunde zeitgenössischer Dichtung und fördere Projekte für junge Autoren.

OÖN: Sie schreiben Geschichten und Gedichte, haben auch ein Kinderbuch verfasst, woher kommen die Anregungen?

Ortbauer (zieht ein Buch aus dem Rucksack): Ich trage meine wissenschaftliche und philosophische Lektüre, die mich inspiriert, oft mit mir herum. Heute habe ich ein Buch vom Quantenphysiker und Nobelpreisträger Hans-Peter Dürr dabei. Ich glaube, Wissenschaft wie Gesellschaft stehen vor größeren Veränderungen. In meinen Werken verdichte ich sozusagen die Quintessenz meiner Überzeugungen. Ich glaube, ein bisschen mehr Ruhe statt Hektik, mehr Authentizität, Verantwortung und Fürsorge für unsere Innen- sowie Umwelt ist gefragt. Der Mensch ist nur mehr eine Nummer. Einzig interessant ist, was einer kann und leistet. Es regieren Angst, Druck, Konkurrenz und Neid. Wir zerstören viel in uns und um uns. Der Mensch ist zum Beispiel reif für andere Technologien. Man könnte viel mehr auf Sonnenenergie setzen.

OÖN: Haben Sie ein besonderes Verhältnis zu Bäumen?

Ortbauer: Seit Jahrzehnten verfolge ich, wie in Linz alte Bäume als Bedrohung gesehen und gefällt werden. Von den Politikern bekomme ich zu hören: „Wir machen es wieder grün und noch schöner.“ Man kann die alten Bäume und Alleen, die viele Schadstoffe eliminiert haben, nicht mit ein paar Sträuchern ersetzen.

OÖN: Was wünschen Sie sich für die Bäume in der Stadt?

Ortbauer: Ich habe selbst erlebt, wie eine Baufirma für einen Container einfach ein paar Bäume abholzte, anstatt den Container anderswo zu platzieren. Das kann es nicht sein! Wir zerstören, was wir lieben, und wundern uns dann, dass wir es nicht mehr haben. Die Menschen sind mit der Natur verbunden und spüren, dass ihnen diese Quelle der Kraft in der Stadt zunehmend fehlt. Ich wünsche mir mehr Wertschätzung für alle Lebewesen, dann gäbe es weniger Zerstörung.

OÖN: Was bedeuten Advent und Weihnachten für Sie?

Ortbauer: Ich meide derzeit jedes Einkaufszentrum. Meine Geschenke sind selbstgemacht und bunt: selbstgefertigte Kalender mit Texten und Bildern. Ich glaube, es kann jeder Tag Weihnachten sein, wenn man die kleinen Geschenke im Alltag und in der Natur schätzt.

 

Buchtipp: Welf Ortbauer: „Allein die Bäume sind treu…Texte und Bilder für die Um- und Innenwelt“. Freya, 63 Seiten, 22,90 Euro.

Audiovisuelle Lesung zum Buch: 18. Dezember, 18.30 Uhr, im Atelier Moran, Dinghoferstr. 27. Eintritt frei.

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Artikel Christine Radmayr 13. Dezember 2010 - 00:04 Uhr
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