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Andreas Gabalier: Keine Angst vor dem Ende des Hypes

MÜNCHEN. Unglaubliche 70.000 Fans pilgern am Samstagabend in das ausverkaufte Olympia-Stadion nach München um Andreas Gabalier live zu erleben. Vor dem Mega-Konzert stand der Sänger Rede und Antwort.

Andreas Gabalier  Bild: (dpa/Gunther Matejka)

Andreas Gabalier hat dafür gesorgt, dass auch in Norddeutschland Dirndl und Lederhosen gefragt sind. Der heimische Volksrock'n'Roller hat aber auch die Schattenseiten der Popularität kennengelernt, wie er am Samstag vor seinem abendlichen Auftritt im ausverkauften Münchner Olympiastadion der Deutschen Presse-Agentur offenbarte.

 

Machen Sie Auftritte vor so großer Kulisse wie in dem ausverkauften Münchner Olympiastadion sehr nervös?

Nervosität ist das nicht unbedingt, und Lampenfieber auf keinen Fall. Es ist mehr Vorfreude. Aber natürlich bringe ich bei solchen Auftritten die nötige Portion Ehrfurcht und Respekt mit. Auch weil ich weiß, dass das - vor 70.000 Zuschauern zu spielen - nicht selbstverständlich ist. Das weiß ich zu schätzen und genieße das.

Sie haben einen Hype erschaffen. Doch Hypes kommen und gehen. Haben Sie keine Angst, dass alles schlagartig vorbei sein könnte?

Nein, gar nicht. Ich bin ein Mensch, der mit beiden Beinen in der Gegenwart steht. Eher denke ich an die Vergangenheit, an die guten, alten Zeiten, an meine Kindheits- und Jugend-Erlebnisse. Da trauere ich so manchem nach. Beispielsweise dass mein Vater und meine Schwester nicht mehr leben.

Beide haben Suizid begangen. In ihrem Lied "Amoi seg' ma uns wieder" thematisieren Sie das. Wie schaffen Sie es, dieses Lied live zu singen, ohne dabei von den Emotionen überwältigt zu werden?

Es kommt schon vor, dass ich da Tränen in die Augen bekomme. Vor allem, wenn ich ins Publikum blicke und tränenüberströmte Menschen sehe, die schluchzen und gestützt werden müssen, weil sie vermutlich selbst einen lieben Menschen verloren haben. Wenn ich das sehe, dann packt es mich. Ich bin ein sehr emotionaler Typ und leide oft mit mir fremden Menschen mit. Das Lied ist für mich mittlerweile ein absolut hoffnungsvoller Song und ich spiele ihn sehr gerne.

Selbst in Hamburg und Berlin spielen Sie in ausverkauften Arenen. Was, denken Sie, ist der Grund für diese Begeisterung?

Ich biete den Menschen mehr als nur Musik. Es ist ein riesiges Lebensgefühl, das ich vermittle. Und ich glaube, dass die Menschen erkennen, dass ich grundehrlich bin, dass ich Geschichten aus meinem Leben erzähle. Geschichten von einem Bauernbub.

Mit dem Bauernbub kokettieren Sie aber. Ihre Eltern waren keine Bauern und Sie selbst hatten ein Jura-Studium begonnen.

Zur Hälfte bin ich schon ein Bauernbub. Meine Eltern waren in der gesamten großen Verwandtschaft die einzigen, die vom Land in die Stadt gezogen sind. Mein Vater war ja Architekt, meine Mutter Lehrerin. Aber meine Großeltern und alle meine Cousins sind Bauern, und wir - meine Eltern, meine drei Geschwister und ich - waren jedes Wochenende und jede Ferien bei ihnen auf den Höfen.

Sie haben mittlerweile die Schattenseiten der Popularität kennengelernt. Ihre Worte werden auf die Goldwaage gelegt und manche Kritiker rücken Sie in die rechte Ecke.

Stimmt, weil für manche das Wort "Tradition" mittlerweile eine seltsame Bedeutung hat. Aber ich verbinde Tradition mit positiven und schönen Erfahrungen - und so geht es anscheinend auch einer riesigen Menge an Menschen. Meistens rege ich mich über diese Kritik nicht auf. Aber wenn es zu weit geht, dann übergebe ich das meinem Anwalt, dann muss jemand mal in seine Schranken verwiesen werden. Man muss nicht mögen, was ich mache, aber man muss mich auch nicht so anschwärzen.

Wie zum Beispiel Matthias Naske, der Intendant des Wiener Konzerthauses. Der sagte in einem Interview, dass er Sie nie in seiner Spielstätte auftreten lassen würde, weil man wissen müsse, wer Sie sind und wofür Sie stehen. Nun: Wer ist Andreas Gabalier und wofür steht er?

Das ist ein ganz normaler, bodenständiger Bub, der irgendwann mal angefangen hat, Musik zu machen und der sicherlich ein bisschen für Tradition steht - aber in einem modernen Sinne.

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Artikel nachrichten.at/apa 01. Juli 2017 - 19:50 Uhr
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