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Aus Sternenstaub sind wir gemacht

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Bild: OÖN

Der Grazer Astronom Thomas Posch (34) leitet das Museum der Universitätssternwarte in Wien und koordiniert die Aktivitäten zum „Astronomiejahr 2009“ in Österreich. Im OÖN-Gespräch gibt der Wissenschafter Einblick in sein Weltbild.

Vor 400 Jahren nahm die Astronomie einen entscheidenden Aufschwung: Galileo Galilei richtete als erster Mensch ein Fernrohr auf den Sternenhimmel, entdeckte vier Monde des Jupiter und erkannte die Topografie des Mondes. In Prag veröffentlichte Johannes Kepler sein Werk „Astronomia nova“, in dem er erstmals die Planetenbahnen als Ellipsen beschrieb. In Erinnerung an diese bahnbrechenden Leistungen hat die 62. UN-Generalversammlung das Jahr 2009 zum weltweiten „Jahr der Astronomie“ erklärt.

OÖN: Was sind Ihre Aufgaben als Österreich-Koordinator des Astronomiejahres 2009?

Thomas Posch: In Österreich wird die Astronomie einerseits von Forschern an Universitäten betrieben, andererseits von zahlreichen Freizeitastronomen. Als Koordinator versuche ich, möglichst viele Vertreter beider Gruppen nach ihren Themenschwerpunkten zusammenzubringen und Instrumentarien zu entwickeln, um sie auf einer Internet-Veranstaltungsseite zu präsentieren. Unter www.astronomie2009.at finden sich in der Rubrik „Termine“ rund 400 Veranstaltungen vor allem aus dem Bereich der Volksbildung, geordnet auf einer interaktiven Landkarte. Außerdem werden dort bestimmte Highlights vorgestellt, zum Beispiel die Aktion „100 Stunden Astronomie“ von 2. bis 5. April.

OÖN: Am 26. Jänner, 19.30 Uhr, halten Sie im Kepler-Salon in Linz einen Vortrag. Was bedeutet Kepler für die Astronomie?

Posch: Er bildet mit Galilei das überragende Zweigestirn am Beginn der modernen Astronomie. Kepler war mehr der Theoretiker, Galilei der Praktiker. Vor 400 Jahren hat Kepler in Prag die ersten beiden Gesetze der Planetenbewegung veröffentlicht, die bis heute gültig sind. Im Unterschied zu allen anderen hat er das neu erfundene Fernrohr nicht nur benutzt, sondern auch eine Theorie über seine Funktionsweise entwickelt. Er hat selbst einen neuen Fernrohr-Typ mit zwei Sammellinsen konstruiert. Kepler hat alles nur mit Bleistift und Papier ausgerechnet, eine Fähigkeit, die selbst die besten Köpfe von heute meist nicht mehr besitzen.

OÖN: Wenn Sie heute Kepler gegenüberstünden, was würden Sie ihn fragen?

Posch: Es wäre interessant, zu wissen, was ihn bewogen hat, einige Aspekte der Astrologie zu verteidigen. Würde er aus heutiger Sicht weiterhin dazu stehen? Er war ja überzeugt, dass die Winkelabstände der Planeten und der Sonne bei der Geburt eines Menschen dessen Naturell mitbestimmen. Das ist bei einem so rationalen Forscher wie Kepler doch irritierend.

OÖN: Das Thema Ihres Linzer Vortrags lautet „Wir sind Sternenstaub“. Wie ist das zu verstehen?

Posch: Das ist als Metapher gemeint. Der Mensch besteht natürlich zu mehr als 50 Prozent aus Wasser. Aber unsere materielle Basis wurde von den Sternen bereitgestellt. Alle schweren Elemente, aus denen sich Leben bildet, wurden von Sternen produziert. Der Kosmos besteht zu 99 Prozent aus Gas und Plasma, für die Planetenentstehung und die Entstehung des Lebens ist das restliche eine Prozent Materie entscheidend.

OÖN: Wie wurde der Sternenstaub freigesetzt?

Posch: Wenn sich sterbende Sterne zu Roten Riesensternen aufblähen, erzeugen sie in den äußersten Schichten Staub, aus dem sich später die Planeten zusammensetzen.

OÖN: Der Mensch entsteht aber aus Ei- und Samenzelle. Wie kommt dann der Sternenstaub in seinen Körper?

Posch: Der genetische Code sagt als ideelle Struktur, welches Material einzubauen ist. Natürlich sind wir nicht unmittelbar aus Staub aufgebaut. Aber ohne Staub gäbe es kein Eisen, mit dem das Blut Sauerstoff transportiert, und den Knochen stünde kein Kalzium zur Verfügung.

OÖN: Womit wir bei der Frage wären: War die Schöpfung geplant oder zufällig?

Posch: Astronomen reden nicht so oft vom Zufall wie die Biologen, die sich mehr an Charles Darwins Prinzipien orientieren. Einige Astronomen neigen dazu, die Spuren der Schöpfung in den Naturgesetzen zu sehen. Allein schon das fein tarierte Gleichgewicht zwischen Gravitation und Strahlungsdruck macht plausibel, dass eine Idee dahintersteckt und dass in der Materie Geist ist.

OÖN: Wenn ein geistiges Prinzip wirksam ist, wie viel Vorplanung dürfen wir dann bei der Schöpfung annehmen?

Posch: Eventuell wurden der Materie die Grundprinzipien mitgegeben. Das schließt nicht aus, dass es im einzelnen Menschenleben eine Art „Fürsorge“ gibt, die jeden unserer Schritte lenkt. Aber das ist keine naturwissenschaftliche Frage.

OÖN: Was fasziniert Sie persönlich an der Astronomie?

Posch: Ich habe mich seit meinem zwölften Lebensjahr für den Sternenhimmel begeistert. Diese Sensibilität für den wunderbaren Anblick soll ja auch im Astronomiejahr besonders den jungen Menschen vermittelt werden. Sie sollen merken, dass das Sternenlicht etwas ganz Besonderes ist, ganz anders als etwa das Licht von Disko-Scheinwerfern. Darin liegt aber auch eine Sorge: Durch immer mehr künstliches Licht finden viele den Weg zur Astronomie nicht mehr.

OÖN: Sie prangern die zunehmende „Lichterflut“ an. Sollen wir lieber im Dunkeln sitzen?

Posch: Nein, aber wir sollten das Licht intelligent einsetzen. Das heißt: Es nicht einfach überallhin strahlen, sondern dorthin, wo wir es brauchen. Beispielsweise könnte ein Jogger, der mit Stirnlampe unterwegs ist, ohne Straßenbeleuchtung auskommen. Und wir sollten alles daran setzen, in der Leuchtdioden-Technik weiterzukommen. Das Prinzip der Zukunft: Jedem sein eigenes Licht, niemand soll „zwangsweise“ beleuchtet werden.

OÖN: Sind wir allein im riesigen Universum?

Posch: Das Leben selbst muss nicht einmalig sein. Aber als geistiges Wesen würde ich sagen: Ja, wir sind möglicherweise einmalig. Die Entwicklung zur Zivilisation hing von komplexen Randbedingungen ab. Allein die Rolle des Mondes ist essenziell. Er entstand durch den Einschlag eines anderen Planeten auf die frühe Erde, wurde aus ihr herausgeschleudert. Der Mond war notwendig, um die Erdachse zu stabilisieren, ohne ihn würden die Klimazonen ständig wandern und damit auch die Lebensformen – keine günstige Voraussetzung für höheres Leben.

OÖN: Ist der Mensch einfach nur ein Naturprodukt?

Posch: Der Mensch ist ein geistiges Wesen, und in dieser Hinsicht ist die biblische Rede vom „göttlichen Funken“, der ihn hervorgebracht hat, längst nicht vom Tisch.

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